Logo-Streit „Plötzlich hatte ich kein Logo mehr“

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Einem Unternehmen, das plötzlich kein Logo mehr hat, geht es wie einem Ort, dem das Ortsschild verloren geht   - es fehlt ein Stück Identität.

Einem Unternehmen, das plötzlich kein Logo mehr hat, geht es wie einem Ort, dem das Ortsschild verloren geht - es fehlt ein Stück Identität.© Mella / photocase.com

Eine springende Raubkatze zierte das Logo seiner Agentur - bis Unternehmer Sven Franzen Post von einem Anwalt bekam. So erlebte er den Logo-Streit.

Das Logo ist das Erkennungszeichen – quasi die Identität – eines erfolgreichen Unternehmens. Das ist so, weil der Kunde sich das Signet genau einprägt und damit Werte, Qualitäten, Leistungen, Produkte und Emotionen verbindet. Aber wie geht man als Unternehmer damit eigentlich um, wenn einem genau diese Identität genommen wird?

Es war der 13. Juli 2015, ich war auf dem Weg zu dem Geburtstag meines Vaters – es stand eine Feier bevor und die Laune war gut. Gut, bis ich eine bestimmte E-Mail öffnete. Der Absender war eine Anwaltskanzlei, der Anhang ein PDF mit 83 Seiten.

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Darin wurde mir in über 250 argumentativen Erläuterungen erklärt, dass mein Firmenlogo nicht mehr von mir genutzt werden dürfte, wenn ich nicht eine sechsstellige Summe in einem juristischen Prozess riskieren wollte. Der Hauptgrund: Mein Logo ähnelte dem Markenzeichen eines großen Sportartikelherstellers.

Der Schock

Das war ein Schock, die ersten Gedanken danach waren von vielen Fragen gezeichnet. Dann sagte ich zu mir selbst: „Denke lösungsorientiert, was sind die Möglichkeiten? Was können wir jetzt tun?“

Mit einem kühlen Kopf habe ich mich hingesetzt und mir die Situation als Schaubild vor Augen geführt. In zweiten Schritt habe ich rationale Lösungen erarbeitet und in einer Matrix den Lösungsweg, die daraus resultierenden Konsequenzen  – wie die Kosten, gerichtliche Auseinandersetzungen, den Zeiteinsatz, mein Ziel und den Nutzen – und meine Präferenz für diesen Lösungsweg aufgeführt. Dafür habe ich mir eine Excel-Tabelle angelegt, auf der ich alles zusammengetragen habe. Über mehrere Seiten habe ich zudem handschriftlich die Konsequenz-Nutzen-Stränge als Grafiken aufgemalt und mir so die Optionen vor Augen geführt.

Der Kampfgeist

Anschließend kam das Schwierigste: die Abwägung, was in meinem Interesse und dem des Unternehmens ist und wie ich nun am besten vorgehen sollte.

Es fiel mir vor allem deshalb so schwer, weil ich mich ungerecht behandelt fühlte und es eine juristische Aussicht auf Erfolg gab. Das weckte meinen unternehmerischen Kampfgeist.

Aber ich stellte mir auch diese Fragen: Was ist der Preis für diesen Gewinn? Welchen Zeitaufwand und Stress bereitet mir der Konflikt? Wie hoch ist das finanzielle Risiko? Welchen Nutzen bringt mir eine gerichtliche Auseinandersetzung?

Der Rückzug

Mein Ergebnis: Rückzug! Wir vergleichen uns und geben uns ein neues Logo. Schließlich ist das die Meisterdisziplin, die wir als Marketingagentur in Frankfurt regelmäßig für unsere Kunden umsetzen.

Für diesen Fall habe ich Spezialisten für Markenrecht hinzugezogen, um den Vergleich abzuwickeln und mich zu beraten. Wir haben in rund sieben Wochen einen sehr guten Vergleich für alle Seiten ausgehandelt und umgesetzt.

Das neue Logo

Nun haben wir seit August 2015 ein neues Logo. Bei unseren Kunden und Partnern kommt es viel besser an als das alte Signet. Strategisch haben wir dann unsere gesamte Corporate Identity im Print, im Internet überarbeitet und neue Strategien umgesetzt, um sie zu bewerben.

Der Anlass lag auf der Hand: Wir sind als Marketingagentur dieses Jahr zehn Jahre auf dem Markt – ein guter Zeitpunkt für ein neues Logo. Diese neue „springende Raubkatze“ haben wir uns vom Gegner freigeben und sofort über unsere Patentanwälte als Marke registrieren lassen. Das Problem ist nun gelöst.

Nach der Einigung hat die Tiger Marketing Group GmbH jetzt ein neues Logo. Eine springende Raubkatze vor orangem Hintergrund.

Nach der Einigung hat die Tiger Marketing Group GmbH jetzt ein neues Logo. Eine springende Raubkatze vor orangefarbenem Hintergrund.© Sven Franzen

Fünf Tipps für unerwartete E-Mails von Anwälten

  1. Ruhe bewahren und einen kühlen Kopf behalten
  2. Rational und lösungsorientiert an die Sache herangehen
  3. Lösungswege mit den entsprechenden Konsequenzen in einer Matrix aufstellen
  4. Abwägen, welche Lösung für einen selbst und das Unternehmen am besten ist
  5. Lösung mit dem Gegner besprechen und kurzfristig im Interesse von allen außergerichtlich umsetzen

Der rationale Ansatz

Dieser Fall hat mir gezeigt, dass juristische Auseinandersetzungen oft nicht von Nutzen sind. Am besten erscheint mir die klare, offene und lösungsorientierte Denkweise und Kommunikation.

Je lösungs- und nutzenorientierter man im eigenen Sinne und im Sinne des Gegners denkt, handelt und vorgeht, umso besser wird das Problem zügig und einfach aus der Welt geschaffen. Langes Jammern, warum wer wieso Schuld hat, bringt am allerwenigsten.

Gelernt habe ich aus dem Fall vor allein eins: den rationalen und pragmatischen Ansatz.

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2 Kommentare
  • Sven Franzen 30. November 2015 12:16

    Sehr geehrter Herr Gollong,

    danke für Ihre offenen Worte. Wünschenswert wäre eine ausführliche Hinterfragung gewesen, statt gleich derart offensiv unsere Kompetenz in Frage zu stellen. Gerne beantworte ich die Unklarheiten:

    Unser Logo wurde vor zehn Jahren entwickelt, von einem Patentanwalt geprüft und freigegeben. Für die juristische Auseinandersetzung in 2015 sahen in unserem Fall die Anwälte sehr gute Chancen die Klage abzuweisen, was auch unsere Verhandlungsposition für den erfolgten Vergleich gestärkt hat.

    Es wurde jedoch von mir die unternehmerische Entscheidung getroffen, diesem „Stress“ aus dem Weg zu gehen, die Details haben Sie ja beim Lesen meines Artikels erfahren. Es freut mich, dass mein Artikel Sie inspirierte und lade Sie ein auch zukünftig meine Artikel zu lesen.

  • Peter Gollong 12. November 2015 11:42

    Wäre ich Kunde dieser Marketingagentur, würde ich stark an der Kompetenz der Herrschaften zweifeln. Denn bevor ein Logo wirklich verwendet und umfassend eingesetzt wird, steht halt mal die gründliche Recherche, ob es nicht schon Ähnliches auf dem Markt gibt. Da hätte es weder den Schock, noch den Kampfgeist und schon gar nicht das stundenlange malen einer Matrix gebraucht. So hält sich mein Mitgefühl mit den Tigern stark in Grenzen.

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