Meinhard von Gerkans größter Fehler „Am Ende wurde nicht ein Projekt realisiert“

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Teure Fehleinschätzung: Meinhard von Gerkan, 
81, Mitgründer des internationalen Architekturbüros gmp, verlor viel Geld in Russland.

Teure Fehleinschätzung: Meinhard von Gerkan, 81, Mitgründer des internationalen Architekturbüros gmp, verlor viel Geld in Russland. © Tobias Stäbler

Architekt Meinhard von Gerkan wollte außergewöhnliche Projekte planen und ignorierte dabei, dass sein Auftraggeber nicht vertrauenswürdig war. Warum er diese Entscheidung heute für seinen größten Fehler hält.

Ende der 90er-Jahre bekamen wir die ersten Aufträge in China – und waren angenehm überrascht, wie wenig Konflikte es mit den meist staatlichen Auftraggebern gab, und dass alles stets pünktlich bezahlt wurde. Heute zählen wir zu den bedeutendsten westlichen Büros in China und erzielen dort unsere höchsten Gewinne.

Nach dem positiven Start in China ließ ich mich 2001 von einem Exilrussen aus Spanien überzeugen, auch Projekte in Russland zu übernehmen. Ich dachte, wenn in China alles glattläuft, kann es in Russland nicht schlechter sein. Eine große Fehleinschätzung, wie sich herausstellen sollte.

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Von 2001 bis 2003 planten und zeichneten wir 20 bis 30 große Projekte, alle in Moskau – darunter zwölf Einkaufszentren, ein neues Rathaus und der „Zentralkomplex“, ein Ensemble aus verschiedenen Gebäuden, das sich über eine Länge von etwa 500 Metern erstreckte, mit einer etwa 80 Meter hohen Weltkugel als markantestem Element.

Insgesamt haben wir etwa 2,5 Millionen Euro verloren

Die Aufträge kamen vorwiegend aus der Stadtadministration unter dem damaligen Bürgermeister Juri Luschkow, mit dem ich auch persönlich gesprochen habe. Dessen Frau hatte ein großes Bauunternehmen und sollte die Projekte umsetzen. Luschkow war mir unsympathisch, und es erschien alles sehr korrupt. Aber ich war der Versuchung erlegen, diese außergewöhnlichen Projekte zu planen.

Am Ende wurde nicht eines davon realisiert, und wir bekamen kein Honorar. Insgesamt haben wir etwa 2,5 Millionen Euro verloren. Juristisch gegen die Auftraggeber vorzugehen erschien mir sinnlos. Wir hatten keine detaillierten Verträge, sondern lediglich so etwas wie Absichtserklärungen auf zwei Seiten Papier. Rückblickend muss ich sagen, dass ich nicht erst nach zweieinhalb Jahren, sondern sehr viel früher hätte erkennen müssen, dass meine russischen Geschäftspartner nicht vertrauenswürdig waren.

 

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Ein Artikel aus der impulse-Ausgabe 03/16.

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