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Mönchengladbach bei Ebay Wie Sie mit Ebay den Umsatz steigern

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Mit dem Projekt "Mönchengladbach bei Ebay" haben die Unternehmer vor Ort zwei Vorteile: Sie präsentieren sich als lokale Händler und profitieren zugleich von der Reichweite des Online-Marktplatzes. Ob das die Menschen in die Einkaufsstraßen zurückbringt?

Mit dem Projekt "Mönchengladbach bei Ebay" haben die Unternehmer vor Ort zwei Vorteile: Sie präsentieren sich als lokale Händler und profitieren zugleich von der Reichweite des Online-Marktplatzes. Ob das die Menschen in die Einkaufsstraßen zurückbringt?© Rawpixel.com / Fotolia

Beim Pilotprojekt "Mönchengladbach bei Ebay" verkaufen 70 Einzelhändler der Stadt jetzt online. Was sie erfolgreich macht - und wie auch Sie Ihre Produkte über Ebay vertreiben können.

Für den Einzelhandel in den deutschen Innenstädten sieht es nicht gut aus: Bis zu 27 Prozent soll er in den nächsten vier Jahren an Umsatz einbüßen. Das hat die IFH-Studie „Stadt, Land, Handel 2020″ ergeben. Laut einer Konsumentenumfrage halten zudem 47 Prozent die Innenstadt von Mönchengladbach für unattraktiv zum Einkaufen. Gleichzeitig wächst der Online-Handel aber zweistellig. Gibt es da nicht doch noch eine Chance?

„Nur wenn die lokalen Händler ihr Stück vom Online-Kuchen abbekommen“, sagt E-Commerce-Experte Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein. Deshalb hatte er eine Idee: Lokale Händler sollten die Reichweite und das Marketing von Online-Marktplätzen wie Ebay für sich nutzen, statt mühsam einen eigenen teuren Onlineshop aufzubauen. In den USA führte Ebay bereits ein Pilotprojekt mit lokalen Händlern durch – warum also nicht auch in Deutschland?

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Mit seinem Institut eWeb Research Center ist Heinemann maßgeblich am Pilotprojekt „Mönchengladbach bei Ebay“ beteiligt, das im Oktober 2015 startete. Es funktioniert so: Die Stadt Mönchengladbach hat eine eigene Ebay-Seite: www.mg-bei-ebay.de. Mittlerweile 70 Einzelhändler präsentieren sich auf dieser Übersichtsseite – mit Bildern der Inhaber in ihren Geschäften und geordnet nach Branchen. Mit einem Klick landet der Kunde in deren Ebay-Onlineshop.

„Bereits in den ersten 100 Tagen wurden mehr als 32.000 Artikel verkauft und damit ein Umsatz von mehr als einer Million Euro erzielt“, sagt Heinemann. „Das ist ein großer Erfolg, bedenkt man, dass gut 30 Händler vorher keine Online-Erfahrung hatten.“

Mit Ebay zum ersten Onlineshop

Das Kunsthaus Krichel aus Mönchengladbach ist von Anfang an bei dem Ebay-Pilotprojekt dabei. Vor zehn Jahren übernahm Rolf Krichel den Familienbetrieb in vierter Generation. Mit Homepage und Facebookauftritt ist das Geschäft seitdem im Internet präsent, einen Onlineshop gab es nie – bis letztes Jahr: „Das was alles Neuland für mich“, sagt Rolf Krichel. Zwar hatte er Seminare von der Wirtschaftsförderung besucht, aber es fiel ihm nicht leicht, Produktfotos und Texte für den Onlineshop zusammenzustellen.

Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten: „Der Start im Oktober war ein guter Zeitpunkt vor dem Weihnachtsgeschäft“, sagt Rolf Krichel. „Wir haben viele Neukunden aus ganz Deutschland gewonnen, das hat unsere Erwartungen übertroffen.“ Aber der Shop mache auch viel Arbeit: „Wir machen alles selbst. Trocknen zum Beispiel die Bilderrahmen im Geschäft, stelle ich in der Zwischenzeit neue Produkte online oder bearbeite die Bestellungen.“ Einen eigenen Onlineshop möchte er noch nicht – die Reichweite und Shopstruktur über Ebay seien eine große Hilfe.

Wie kann man seine Produkte über Ebay vertreiben?

1. Anmeldung bei Ebay
Wer gewerblicher Händler bei Ebay werden möchte, muss sich zuerst ein Verkäuferkonto einrichten. Dann kann ein Shopsystem ausgewählt werden. „Die meisten unserer Einzelhändler nutzen das Basis-Shopsystem für 300 Euro im Jahr“, sagt Fabian Hoff von der Wirtschaftsförderung Mönchengladbach.

Inbegriffen sind 400 Produkte im Monat und 50 Sonderaktionen, dazu übernimmt Ebay die Updates und das Design und gibt dem Händler eine eigene URL – wie zum Beispiel: http://stores.ebay.de/kunsthaus-krichel. Für die Anmeldung und die Einrichtung des Onlineshops bietet Ebay auch kostenlose Webinare an.

2. Einrichtung des Ebay-Onlineshops
Die Einrichtung des Onlineshops nimmt zwischen sechs und acht Wochen in Anspruch. Denn es gilt viele Details zu klären: Gibt es ein elektronisches Warenwirtschaftssystem, das mit Ebay verbunden werden kann? Hat der Händler ein Paypal-Konto eingerichtet? Sind die rechtlichen Aspekte geklärt?

Widerrufsbelehrung, Impressum und AGB dürfen im Onlineshop auf keinen Fall fehlen. Doch auch bei Preisgestaltung und Warenkennzeichnung gibt es einige rechtliche Fallen, bei denen unerfahrene Händler Abmahnungen riskieren. Wer sich genau über die Vorgaben für seine Produkte im Onlinehandel informiert, ist klar im Vorteil.

3. Kosten kalkulieren
Bei dem Pilotprojekt „Mönchengladbach bei Ebay“ halten sich die Kosten für die Händler in Grenzen, denn im ersten Jahr ist der Ebay-Shop umsonst. Ansonsten sind es 300 Euro im Jahr. Dazu kommt die Provision an Ebay, die je nach Produkt zwischen 7 und 9 Prozent des Zahlungsbetrags liegt.

Außerdem müssen die Händler eine Gebühr an PayPal einkalkulieren, wenn der Kunde diesen Zahlungsanbieter nutzt. Sie liegt bei 35 Cent pro Verkauf, rund 2 Prozent des Zahlungsbetrags. Zu den Kosten kommt indirekt noch die Arbeitszeit: „Der Onlineshop ist wie ein weiteres Schaufenster, das ständig gepflegt werden muss“, sagt Heinemann.

4. Artikel auswählen
Mindestens 50 bis 100 Artikel sollten Händler bei Ebay in ihrem Sortiment haben, um wirklich Verkaufserfolge haben zu können. Aber genauso wichtig wie die Menge ist es auch, die richtigen Produkte auszuwählen. „Man sollte nicht glauben, dass sich Ladenhüter online gut verkaufen“, sagt Heinemann. Vielmehr sind die beliebtesten Artikel im Geschäft oft auch im Netz erfolgreich.

„Bei der Auswahl der Produkte sollte man sich zudem fragen: Wie schnell bekomme ich sie nachgeliefert, kann man sie gut verschicken, können sie lange im Sortiment bleiben oder müssen sie bald ausgetauscht werden, weil es nur Saisonware ist“, fügt Fabian Hoff hinzu. Bei den Branchen gibt es große Unterschiede: Für eine Apotheke ist ein Onlineshop weniger Aufwand als zum Beispiel für ein Modeunternehmen, bei dem sich die Ware ständig ändert.

5. Artikel einstellen
Um Artikel erfolgreich zu präsentieren, sind drei Dinge wichtig: eine Produktbezeichnung, die das Interesse des Käufers weckt (zum Beispiel die Marke), aussagekräftige Produktfotos und eine detaillierte Produktbeschreibung.

Dabei sind vor allem die Fotos eine Herausforderung für Einzelhändler. Für gute Online-Bilder gilt unter anderem: neutraler Hintergrund, keine Schatten, gute Auflösung und der Artikel sollte das ganze Bild ausfüllen.

Auch für die Texte lohnt es sich, Zeit zu investieren. Der Hinweis „Tolle Lederjacke, brandneu“ wird nicht viele Interessierte zum Kauf animieren. Stattdessen sollten Details zum Hersteller, Marke und Besonderheiten des Artikels gegeben werden.

6. Zahlungs- und Versandoptionen wählen
Ob PayPal, Überweisung, Barzahlung, Abholung oder Nachnahme: Bei Ebay sind viele Zahlungsmethoden möglich. Hier muss der Händler auswählen, was am besten zu seinen Produkten und seinem Sicherheitsbedürfnis passt. Bei den Versandoptionen ist es ähnlich. Die Möglichkeit, online zu bestellen und die Ware im Laden abzuholen (Click and Collect), sei von seinen Kunden zum Beispiel aber noch nie genutzt worden, erzählt Unternehmer Rolf Krichel. Denn online würden vor allem Neukunden gewonnen, die nicht in Mönchengladbach und Umgebung wohnen. So geht es vielen anderen Unternehmern im Pilotprojekt auch: Mit dem neuen Onlineshop verschickten sie ihre Waren plötzlich in 53 Länder, bis nach Neuseeland.

7. Notfallplan haben
Was ist bei Krankheit oder Urlaub mit dem Onlineshop? „Ein Optiker, der alleine sein Geschäft führt, hat kürzlich alle Produkte bei Ebay deaktiviert, weil er eine Woche im Urlaub war“, sagt Fabian Hoff. „Das macht Sinn, wenn sonst niemand die Bestellungen bearbeiten kann. Denn schlechte Bewertungen von Kunden, die zum Beispiel lange auf ihre Waren warten mussten,  sind langfristig ein großes Problem für die Händler.“

Zusätzlich bewertet auch Ebay selbst die Verkäufer. Dieser sogenannte Verkäuferstandard, bei dem zum Beispiel die Zahl abgebrochener Bestellungen einfließt, wurde im Februar 2016 aktualisiert.

Vorteile des Pilotprojekts im Vergleich zu lokalen Marktplätzen

Im Sommer 2016 wird Ebay entscheiden, ob das Pilotprojekt ausgeweitet wird. Der bisherige Erfolg zeigt bisher vor allem den Vorteil zu lokalen Marktplätzen, wie etwa Wuppertal einen betreibt. Händler der Stadt präsentieren sich dabei auf einem eigenen Marktplatz. „Aber da ist die Reichweite einfach zu klein“, sagt Heinemann. „Während Wuppertal nur alle fünf Tage einen Onlineverkauf macht, macht Mönchengladbach ihn alle vier bis fünf Minuten.“ Dieser Erfolg beim Umsatz helfe, dass die Einzelhändler ihre „Online-Allergie“ ablegen und eine neue Überlebenschance hätten.

Dabei wurde Ebay mit Bedacht ausgewählt. Das Unternehmen bietet genau wie Rakuten nur einen Marktplatz an, ohne selbst Händler zu sein – im Gegensatz zu Amazon, das erfolgreiche Artikel ins eigene Sortiment übernimmt. Aber auch Ebay birgt Risiken: zum Beispiel, wenn die Geschäftsbedingungen geändert oder die Provisionen erhöht werden. Noch aber scheint das Pilotprojekt eine Win-Win-Situation zu sein.

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