Neue Geschäftsfelder „Wir erlagen schönen Ideen und unserer Fantasie“

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Wie Seifenblasen platzen viele Ideen für neue Geschäftsfelder - meist weil die Wirtschaftlichkeit nicht gegeben ist.

Wie Seifenblasen platzen viele Ideen für neue Geschäftsfelder - meist weil die Wirtschaftlichkeit nicht gegeben ist.© misterQM /photocase

Welche neuen Geschäftsfelder versprechen Erfolg? Nur ein Bruchteil, musste Unternehmerin Annette Timm feststellen. Warum es gut ist, sich auszuprobieren - und sich am Ende schweren Herzens doch zu fokussieren.

So ist es nun einmal: Winkt eine neue Herausforderung, von der ich auch nur ansatzweise den Eindruck habe, dass sie sich mit meinen Talenten vereinbaren lässt, dann gibt es kein Halten mehr und ich schreie „hier!“, bevor ich begriffen habe, wie viel Aufwand damit verbunden ist.

Der Anfang einer Erfolgsstory? Keinesfalls – eher der Beginn einer Leidensgeschichte, die erst endet, wenn genügend Lehrgeld gezahlt worden ist. Das Leben könnte so einfach sein, aber ich wähle oft die komplizierte Variante.

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Fokussieren – oder experimentieren?

Mit einem wunderbaren Team an unserer Seite machen wir das, was wir am besten können: Rätsel. Davon profitieren diverse Verlage, Online-Redaktionen und Werbeagenturen. Meistens sind es Kreuzworträtsel, die Klassiker unter den Knobeleien, aber auch andere Varianten des Hirnsports. Und das Ganze funktioniert bereits in der dritten Generation.

Eigentlich gäbe es gar keinen Grund, auch nur einen Zentimeter von diesem Geschäftsmodell abzurücken. Böte sich da nicht völlig unerwartet ein ganzes Bukett ungeahnter Möglichkeiten, mit dem Firmen-Know-how etwas ganz Neues auszuprobieren. Und so griffen wir zu. Schließlich konnte auch Eva der Versuchung nicht widerstehen und pflückte den Apfel – wir erlagen schönen Worten und den Bildern unserer Fantasie.

Zurück zu den Jahren 1996 bis 2004: Fast jede Idee, die uns interessant erschien, haben wir zumindest gedanklich aufgegriffen, um daraus diverse Luftschlösser zu bauen. War uns langweilig? Hatten wir nicht anderes zu tun?

Keinesfalls – es war eher abzusehen, dass unser Geschäftsmodell in seiner ursprünglichen Form künftig nicht mehr bestehen würde. Der Wandel der Technik führte zu gravierenden Veränderungen in der Medienwelt. Hinzu kommt: Wir waren schon immer experimentierfreudig, verspielt – und zudem felsenfest davon überzeugt, dass es sinnvoll ist, neue Geschäftsfelder auszuprobieren.

Unser Ideenfriedhof

Eine Auswahl der Projekte, die teilweise auf unserem Ideenfriedhof beigesetzt wurden:

1. Wir sahen uns als Herausgeber spannender Magazine.
2. Wir unterstützten großzügig andere kreative Menschen, die mit Gratiszeitschriften lokal auf den Markt gehen wollten.
3. Da die Verbindung Internet-TV und Print seinen Reiz hatte, probierten wir auch hier einiges aus.
4. Seit 2002 bringen wir jährlich ein kleines Rätselheft für die Urlauber der Küstenregion heraus: das Küstenrätselheft.

„Wir“, das heißt: unsere eigenen Außendienstmitarbeiter und Texter, sogar die Auslieferung vieler Hefte übernahmen wir in Eigenregie. Wenn es sein musste, fuhren wir dafür sogar bis nach Südtirol. Zugegeben: Wir haben viele nette Menschen kennengelernt.

Trotz Spaßfaktor: Wirtschaftlichkeit bedenken!

Um es vorwegzunehmen: An der Menge an geflossenem Herzblut kann es nicht gelegen haben, auch nicht am persönlichen Einsatz. Dennoch ist eine Vielzahl der Projekte über die Versuchsphase nicht hinausgekommen.

Einige wenige, die die ersten Hürden geschafft haben, wurden zu einem späteren Zeitpunkt beendet. Wenn sich die Zahlen wiederholt in die falsche Richtung bewegen, hilft kein Ignorieren: Das Projekt muss gestoppt werden, auch wenn es noch so viel Spaß gemacht hat. Manchmal ist diese Entscheidung schnell getroffen, manchmal dauert es ein bisschen länger, dann wird es entsprechend teurer.

Um bei Eva zu bleiben: Sie nahm den Apfel, Adam biss hinein und das Drama nahm seinen Lauf – es gab keinen Weg zu zurück. Wie gut, dass wir Dinge auch wieder rückgängig machen können, wenn sie nicht so funktionieren, wie wir uns das gedacht haben.

Von all den Projekten, die wir in den letzten zehn Jahren angeschoben haben und die nicht im direkten Zusammenhang mit unserem Tagesgeschäft stehen, hat einzig und allein das „Küstenrätselheft“ überlebt. Es wird von den Gemeinden der Küstenregion zu einem fairen Preis erworben und an die Feriengäste weitergereicht.

Zugegeben, diese Geschäftsidee bringt nicht das große Geld, aber es besteht kein Grund, sie zu beenden. Denn die Kosten sind gedeckelt, wir sind mit Spaß bei der Sache und wir haben durch das eigene Rätselheft die Möglichkeit, mit Layoutvarianten und inhaltlich mit neuen Rätselformen zu experimentieren.

Kerngeschäft statt vieler Hochzeiten

Laut einer Redensart kann man nicht auf mehreren Hochzeiten tanzen. Kann man vielleicht schon, aber keine der Partys wird als richtig gute in Erinnerung bleiben. Deshalb konzentrieren wir uns heute mehr denn je auf unser Kerngeschäft: Wir produzieren Rätsel und begleiten unsere Kunden bei ihren Projekten. Wir nutzen alle uns zur Verfügung stehenden Ressourcen, um die Rätselproduktion für unsere Partner zu optimieren.

Und dennoch trauert ein kleiner Teil von mir beim Blick auf den Ideenfriedhof: Ja, es stimmt, wir haben viel Energie verpulvert, vieles war bereits im Ansatz zum Misserfolg verurteilt – aber wir haben uns der Herausforderung gestellt.

Und trotzdem: No risk, no fun

Auch ich bin der Meinung, dass man sich mit seinem Geschäftsmodell nicht verzetteln sollte. Vielfalt hat ihre Tücken und macht sich nicht zwangsläufig als dickes Plus auf dem Geschäftskonto bemerkbar. Aber niemand kann aus seiner Haut heraus, und bei aller Vernunft treibt uns noch etwas anderes an: die Neugier, die Lust, ein Risiko einzugehen, die Freude am Spielerischen, am Experimentellen. Wenn „reine Zahlenmenschen“ mit dieser Denkweise ein Problem haben, könnte ich es verstehen. Aber eigentlich finde ich es schade, dass die Vernunft federführend geworden ist.

Und ganz ehrlich: Ich weiß nicht, ob ich im Ernstfall wirklich resistent gegenüber einem neuen Impuls wäre. Er bringt uns vielleicht langfristig keinen Profit ein, er gibt uns aber die Möglichkeit, unsere kreative Ader pulsieren zu lassen  – und wer weiß: Vielleicht schaffen wir noch etwas ganz Innovatives. Der Gedanke, eigene Spuren zu hinterlassen, anstatt nur in den vorgegebenen zu wandern, ist doch ein besonders schöner. In diesem Sinne: No risk, no fun!

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