Open Innovation Wie Firmen das Querdenken lernen können

  • INSIDER
Innovationen fallen nicht vom Himmel - aber mit Open Innovation können innovative Lösungen entwickelt werden.

Innovationen fallen nicht vom Himmel - aber mit Open Innovation können innovative Lösungen entwickelt werden.© germanskydive110 / Fotolia.com

Das Alltagsgeschäft macht zuweilen betriebsblind, findet Unternehmerin Antje Hinz - und rät zur Zusammenarbeit mit anderen Branchen. Wie "Open Innovation" neue Impulse für Unternehmer bringt.

Wer über Globalisierung und Demografie, Nachhaltigkeit und Vielfalt nachdenkt, kommt automatisch zu der Erkenntnis, dass es ohne „open innovation“ nicht geht. Unternehmen müssen sich interdisziplinär öffnen, die Zusammenarbeit mit anderen Branchen und wissenschaftlichen Institutionen suchen, um neue Impulse und Anregungen zu erhalten, damit innovative Prozesse in Gang kommen können.

Die Kultur- und Kreativwirtschaft ist Vorreiter bei der branchenübergreifenden Vernetzung: Architekten lenken bei Bauprojekten rund 20 verschiedenen Berufsgruppen. Im Theater vermitteln Regisseure sogar zwischen 50 Professionen. Diese reichen von Kunst und Marketing, Verwaltung und Organisation bis zu Handwerk und Technik. Vermitteln und Querdenken ist für Akteure der Kreativbranche Tagesgeschäft und erfordert eine hohe soziale und kommunikative Kompetenz. Davon kann auch die klassische Wirtschaft profitieren.

Anzeige

Das Alltagsgeschäft macht zuweilen betriebsblind. Statt nur um sich selbst zu kreisen, sollte ein Unternehmer so oft es geht seine Komfortzone verlassen und ganz bewusst das Gespräch mit anderen Branchen suchen. Unterschiedliche Sicht- und Denkweisen erzeigen Reibung und geben den Anstoß, das eigene Geschäftsleben mit anderen Augen zu sehen. Das öffnet den Horizont für neue Ideen, neue Produkte, neue Dienstleistungen und neue Vermarktungswege, nach denen heute fast jedes Unternehmen sucht.

Themenfelder für interdisziplinäre Projekte

Gerade Akteure aus der Kreativbranche können Perspektivwechsel anstoßen und der klassischen Wirtschaft wertvolle Impulse geben, wie sich aktuelle Herausforderungen meistern lassen, zum Beispiel in den Bereichen Digitalisierung und Design, Markt- und Produkterweiterung, Kommunikation und Marketing, Logistik und Kundenservice, Strukturwandel und Mitarbeiterführung, Nachhaltigkeit und Diversity.

Andreas Heyer, Vorsitzender Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Bremen, findet, dass Unternehmen viel zu selten über den Tellerrand schauen: „Ein Absolvent aus der Kulturwirtschaft sieht die IT-Branche aus einem ganz anderen Blickwinkel als eine IT-spezifische Beratungsagentur. Der große Mehrwert ist, dass hier andere Denkmuster zum Tragen kommen.“

Kreativität ohne Feierabend

Wenn klein- und mittelständische Unternehmer über die Zusammenarbeit mit Künstlern und Kreativen berichten, schwingt immer viel Anerkennung und Begeisterung mit – über die Ernsthaftigkeit und den Biss der Kreativen bei der Bewältigung eines Problems. Kreative testen Ideen und Alternativen so lange, bis sie die Herausforderung geknackt haben. Auch wenn sie nicht mehr am Schreibtisch sitzen, suchen sie im Kopf weiter nach Lösungen.

Kontakte anbahnen

Noch sind es meist die Kreativen, die Kontakt zu den Unternehmen suchen, um alternative Denkmuster anzubieten. Doch Kaltakquise ist schwierig. „Man braucht zunächst mal Vertrauen“, bestätigt Geschäftsführer Clemens Kreyenberg von der Kreyenberg GmbH. Bevor er zwei junge Künstlerinnen für eine kreative Intervention zum Thema „Mensch und Maschine“ in seine Firma holte, hatte er sie bei einer Veranstaltung der Initiative „Unternehmen! KulturWirtschaft“ am Nordkolleg Rendsburg kennen gelernt.

Begegnungsräume und Berührungsängste

Gebraucht werden Anlässe und Räume, in denen sich Unternehmer und Kreative in ungezwungener Atmosphäre auf Augenhöhe begegnen können. Im Gespräch merken beide Seiten schnell, wie ähnlich sie sich in vielen Punkten sind: Auch Unternehmer denken und handeln kreativ. Auch Künstler und Akteure aus der Kultur- und Kreativwirtschaft arbeiten professionell und zuverlässig.

Mit Kunst Bewusstsein für Innovation schaffen

Robert Kessler hat mit seinem Kunstwerk „Yes to innovation“ die Bedeutung von Innovation veranschaulicht – im Auftrag des Unternehmens Roche Diagnositics. Der Standort in Penzberg ist weltweit der einzige, an dem das Unternehmen zugleich Forschung, Entwicklung und Produktion für Diagnostik und Pharma betreibt. Kessler führte viele Gespräche mit Mitarbeitern, um das Unternehmen zu verstehen, Strukturen, Befindlichkeiten und Visionen. Auf dieser Basis realisierte er „Yes to innovation“ – ein interaktives Kunstwerk, in deren Zentrum eine riesige, runde, begehbare Gleichgewichtsplatte versenkt ist.

Oberhalb des Randes sind gegensätzliche Begriffe eingraviert, die Innovation entweder vorantreiben oder behindern: Freiheit, Offenheit und Vertrauen im Gegensatz zu Angst, Abwertung und Misstrauen. Je nachdem, wie viele Menschen auf der Platte stehen und sie austarieren, werden die Begriffe sichtbar. Am Außenradius befindet sich eine halbkreisförmig gebogene schwarze Stahlwand mit kleinen, runden beweglichen Spiegeln. Gemäß der Anzahl der Mitarbeiter im Unternehmen fangen sie das Sonnenlicht ein. Jeder hat hinter seinem Spiegel auf Papier eine persönliche Botschaft hinterlassen und wird somit Teil der neuen Schöpfungsgeschichte im Unternehmen.

Mehr Zusammenarbeit mit der Kultur- und Kreativbranche

In jeder Stadt und jeder Region finden Sie Netzwerke und Verbundplattformen von Kreativen. Auch Wirtschaftsförderungen und IHKs kennen geeignete Vermittler und Akteure. Die Wirtschaftsförderungen in Bremen und Dortmund haben für klein- und mittelständische Unternehmen Design- und Innovationslabors initiiert, in denen konkrete unternehmerische Fragestellungen von Kreativ-Teams interdisziplinär bearbeitet werden. Lassen Sie sich bei Ihren Herausforderungen von kreativen Querdenkern unterstützen! Was Sie in Ihrem Unternehmen vielleicht selbst nicht ergründen, entdecken kreative Spezialisten. Gehen Sie mit Vertrauen in den Kollaborationsprozess, haben Sie Mut für offene Ergebnisse.

Als Unternehmer können Sie zu diesen interdisziplinären Think Tanks und Kreativ-Netzwerken Kontakt aufnehmen:

KREATIVE DEUTSCHLAND ist ein überregionales Netzwerk und Plattform, getragen von den Akteuren der Kultur- und Kreativwirtschaft, hier finden Sie Kontakte und Ansprechpartner zu regionalen Netzwerken der Kreativbranche.

KULTURGILDE ist Verband, Interessenvertretung und Plattform für Kreativnetze und Verbundprojekte der Kultur- und Kreativwirtschaft in Deutschland.

Das Innovationslabor ist ein virtueller Innovationsinkubator für technologiebasierte Verwertungs- und Geschäftsideen, Projekt von „Der Innovationsstandort e.V.“, koordiniert von der Stadt und der Wirtschaftsförderung Dortmund.

Das Brennerei next generation lab ist ein Stipendiatenprogramm der WFB Wirtschaftsförderung Bremen. Kreative Nachwuchskräfte erarbeiten unter Anleitung von Experten und im Dialog mit ihren Auftraggebern aus der Wirtschaft oder öffentlichen Einrichtungen Grundlagen für neue unternehmerische Ansätze.

Die Initiative Unternehmen! KulturWirtschaft wird am Nordkolleg Rendsburg durchgeführt.

Die Open Innovation Plattform Innovationskraftwerk bietet Ideengebern und Ideensuchern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft Problemlösungsprozesse.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.