Probleme mit Geschäftspartnern Die Fehler der anderen

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Probleme mit Geschäftspartnern kennt Franziska Pörschmann aus eigener Erfahrung: Tausende CDs wurden in Mono statt in Stereo gepresst, weil das Tonstudio einen Fehler gemacht hatte.

Probleme mit Geschäftspartnern kennt Franziska Pörschmann aus eigener Erfahrung: Tausende CDs wurden in Mono statt in Stereo gepresst, weil das Tonstudio einen Fehler gemacht hatte.© robtek / Fotolia.com

Unternehmer müssen auch für Fehler anderer geradestehen, zum Beispiel von Lieferanten. Verlegerin und impulse-Bloggerin Franziska Pörschmann über Kompromisse, Vertragsstrafen und eine Panne im Tonstudio.

Wir sind alle Menschen und machen Fehler, klar, wissen wir! Mal größere, mal kleinere. Ich persönlich ärgere mich am liebsten nur über mich selbst und möchte meine Fehler auch selbst korrigieren.

Aber jetzt macht ein Unternehmen, vielleicht Ihr Zulieferer, einen Fehler. Die Schrauben haben ein falsches Gewinde, oder die Ersatzteile sind pink statt schwarz. Ups.

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Nach dem ersten Schweißausbruch, weil ja auch Sie Abgabetermine, Deadlines oder feste Kundenliefertermine haben, kann man schon mal in eine kurze Schockstarre fallen. Das Gehirn arbeitet fieberhaft, wie Sie aus „dieser Nummer“ heil herauskommen können.

Wie am besten auf den Fehler reagieren?

Natürlich können Sie Ihre Kunden anrufen und erklären, dass Sie selbst und Ihr Unternehmen A.B.S.O.L.U.T. nichts für die Verspätung der Lieferung können, ist schließlich ganz allein die Schuld von Firma X. Lassen Sie das, es klingt nach einer billigen Ausrede und hat einen fiesen Beigeschmack.

Eine andere Möglichkeit wäre: Sie toben, wüten und stampfen mit dem Fuß auf, rufen wutentbrannt Ihren Zulieferer an und drohen mit Vertragsstrafen, Regressforderungen oder gleich ganzen Anwaltshorden, die Sie auf diesen Tölpel hetzen werden.

Wie wäre es, doch mal kurz inne zu halten? Hinsetzen, atmen. Vergessen Sie nicht, dass auch Sie selbst Fehler machen, suchen Sie mit der Zulieferfirma freundlich einen Kompromiss, eine Lösung, denn auch die sind nur Menschen. Und wer weiß, wann Sie richtig Mist bauen und dann die Geduld und Freundlichkeit genau dieser Firma X benötigen.

Tausende CDs in Mono statt in Stereo

Ich weiß, worüber ich schreibe. Vor einiger Zeit hatten wir eine großartige Hörbuch-Kooperation mit einer Zeitschrift geplant, für uns war es ein Riesen-Deal. Alles war vorbereitet, der Erscheinungstermin fest geplant, das Marketing lief auf vollen Touren – da geschah es: Das Telefon läutete. Unser CD-Presswerk war dran und teilte uns mit, dass wir jetzt auf den Verkauf von Mobiles und Traumfängern umsteigen sollten, denn wir säßen jetzt auf tausenden glitzernden CDs, die leider nur in Mono statt Stereo waren. Ich gebe zu, mein Kopf prallte nach dieser Mitteilung mehrfach auf meinen Schreibtisch.

Auf Nachfrage im Tonstudio bestätigte man mir dieses Malheur kleinlaut. Ich selbst habe es bei der Überprüfung am Laptop nicht gehört und das Presswerk kam auch nur aufgrund einer Stichprobe auf den Fehler. Ja, es gibt Tage, da kann man um 11 Uhr schon einen Schnaps vertragen …

Was kann schlimmstenfalls passieren?

Stattdessen bin ich erst einmal spazieren gegangen, um den Kopf frei zu bekommen und nachzudenken: Was kostet mich dieser Fehler? Wie erkläre ich das meinem Kooperationspartner, der Zeitschrift? Welche gravierenden Folgen hat das alles? Und was kann schlimmstenfalls passieren?

Das Kostenärgernis konnte ich noch nicht übersehen, so schob ich diese Frage beiseite. Nun zum Schlimmsten, was passieren könnte: Kommt deshalb ein Mensch ums Leben? Nein! Also ist das zwar alles sehr ärgerlich, aber niemand wird verletzt oder stirbt – kein Drama also. Es wird sich alles lösen.

Nachdem ich mich einigermaßen beruhigt hatte, rief ich den Kooperationspartner an und teilte ihm mit, dass wir den Veröffentlichungstermin für das Hörbuch nach hinten schieben müssten, da es Schwierigkeiten bei der CD-Pressung gegeben habe. Absichtlich bin ich nicht näher auf das wahre Problem eingegangen, denn für mich war es meine Verantwortung – immerhin hatte die Zeitschrift einen Kontrakt mit meinem Verlag, nicht das Tonstudio oder sonst wer. Zum Glück saß an der anderen Leitung ein erfahrener Mensch. Der meinte: “Man kann gar nicht alles bedenken, was passieren kann!“

Ich versprach, mich wieder zu melden, sobald ich herausgefunden hatte, wann das Hörbuch fertig sein könnte. Nach einem weiteren Anruf beim Tonstudio war klar: Das Hörbuch musste „nur“ neu ausgespielt werden, neu aufnehmen mussten wir nicht. Das neue Master, diesmal in Stereo, könne ich mir in einer Stunde abholen.

Puh!

Als ich dann mit dem Presswerk geklärt hatte, dass man für mich als langjährige Kundin meine Produktion freundlicherweise vorziehen könne und es nur drei Tage dauern würde, sobald das Master bei ihnen wäre, konnte ich dem Magazin den neuen Erscheinungstermin mitteilen.

Selbstgebastelte Mobiles aus fehlerhaften CDs

Das alles löste sich in wenigen Stunden – schrecklichen Stunden für meine Nerven, aber der Karren war aus dem Dreck! Ich war irre dankbar, dass unser Kooperationspartner so verständig war, und sehr dankbar, dass das Presswerk mir so entgegenkam.

Wir haben unserem Kooperationspartner als Entschuldigung dann wirklich selbstgebastelte Mobiles aus den fehlerhaften CDs geschickt. Das Presswerk berechnete uns nur den Materialwert und das Tonstudio versprach mir von sich aus einen großen Preisnachlass bei der nächsten Hörbuchproduktion.

Inne halten lohnt sich also. Salopp gesagt: „Bleibense Mensch!

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