UnperfektHaus Eine Spielwiese für Kreativität und Innovation

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Auf fünf Etagen und 5000 Quadratmetern Einfallsreichtum pur: das "UnperfektHaus" in Essen.

Auf fünf Etagen und 5000 Quadratmetern Einfallsreichtum pur: das "UnperfektHaus" in Essen.© Antje Hinz

Im UnperfektHaus in Essen können mittelständische Firmen und Gründer neue Ideen schmieden. Wie, das beschreibt Antje Hinz in ihrem impulse-Blog. Plus: 7 Tipps für mehr Kreativität.

Bei Recherchen über die Kreativszene in Nordrhein-Westfalen bin ich zufällig auf das UnperfektHaus gestoßen. Was ich las, klang faszinierend. Also meldete ich mich an zu einem Rundgang durch das Haus an. Ich wollte mit eigenen Augen sehen, was viele Besucher schon von weitem anlockt: eine spielerische Fassade mit riesiger Kugelbahn aus gelben und grünen Plastikröhren.

Das „UnperfektHaus“ in Essen bietet auf fünf Etagen und 5000 Quadratmetern Einfallsreichtum pur: Künstler-Ateliers und Werkstätten, eine Spiele-Etage mit Carrera-Bahn, Flipper, Billard und Dart, multifunktionale Coworking Spaces, wie man sie aus den Beta-Häusern der Großstädte kennt.

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Überall schillern Unternehmergeist und Kreativität, findet sich Anregendes für Leib und Seele, Augen und Ohren, Herz und Hirn. Café und Restaurant im Erdgeschoss bieten den kulinarischen Rahmen für fruchtbare Gespräche. Im Wintergarten versammeln sich Unternehmen zu Veranstaltungen und Seminaren. Für den Weitblick und neue Horizonte laden zwei Dachterrassen ein.

„Zu viel Perfektion lähmt die Gesellschaft“

Gründer Reinhard Wiesemann möchte Menschen zusammenbringen, die normalerweise nicht aufeinander treffen würden. Er ließ dafür ein ehemaliges Franziskanerkloster aus den 50er-Jahren nach seinen Ideen umbauen, 2004 wurde das UnperfektHaus eröffnet.

Der Name des Hauses soll bewusst irritieren. „Zu viel Perfektion lähmt die Gesellschaft“, erklärt Wiesemann. „Das UnperfektHaus ist der Kontrast zu dem, was Geschäftsleute verständlicherweise im Alltag leben müssen. Perfektion führt aber oft auf eingefahrene Schienen, wenn man nicht ab und an ausbricht.“

Wiesemann sieht sich als Brückenbauer und bereitet den Nährboden für Begegnungen zwischen etablierten Firmen und Start-ups, Wirtschaft und Kultur, Business und Ehrenamt, Kunst und Kommerz. Innovation entsteht schließlich, wenn sich Menschen verschiedener Lebenswelten begegnen und einander inspirieren. Der Energieversorger RWE tagt hier ebenso wie die Deutsche Gesellschaft für Hauswirtschaft.

Kreativoase im Ruhrgebiet: das UnperfektHaus

„Das UnperfektHaus lädt zum Freidenken ein“, sagt Marie-Jo Goldmann, Trainingskoordinatorin des Kosmetikunternehmens LUSH, das hier regelmäßig Schulungen und Produktpräsentationen abhält. „Statt steriler Tagungsräume im Hotel bietet das UnperfektHaus eine entspannte und fruchtbare Location, viele Räume für unterschiedlichste Bedürfnisse.“

Im UnperfektHaus ist Platz für Gedanken, Perspektivwechsel und Projekte, die nicht immer zu Ende gedacht sein müssen. Neue Ideen brauchen Raum für Simulationen, um Vorhaben modellhaft auszuprobieren und ruinöse Fehler zu vermeiden. „Wenn die Gesellschaft keinen Freiraum zur Erprobung lässt, gibt es nach der Finanzkrise noch weitere Krisen in Bereichen, in denen wir uns zu sicher sind und nur auf eine Denkweise setzen“, fürchtet Wiesemann.

Bis zu 500 Personen können bei Feiern und Events im Haus versorgt werden. Vor Messen der Automobil- und Spielebranche in Essen finden Warm-ups im UnperfektHaus statt. Dann tauschen sich über 300 Hersteller, Experten und Multiplikatoren über neue Produkte und Trends aus. Initiator Roland Weiniger und Mitbegründer des Verbandes SpieleGilde ist überzeugt: „Viele der Gäste kommen wegen der bunten Atmosphäre in diese Kreativoase.“

Gründer und Mittelständler im UnperfektHaus

Stephan Lampel engagiert sich als Netzwerker im UnperfektHaus. Er lädt Gründer und Mittelständler zu Informationsveranstaltungen und Kreativitätsworkshops ein, zu Themenwochen und Diskussionen über Arbeitswelten und Wissenstransfer. „Jeder Unternehmer, der einen neuen Geschäftspartner näher kennen lernen möchte, sollte ihn im UnperfektHaus treffen“, sagt Lampel. „Da findet sich sofort Gesprächsstoff. Die Ateliers, die kreativen Objekte und die Gespräche mit den Künstlern bieten viele Anknüpfungspunkte, so dass man von seinem Gegenüber eine Menge erfährt – über dessen Geschmack, Werte und Visionen. Diesen inspirierenden Rahmen findet man nirgendwo sonst.“

„Die Gäste schätzen Räume, die nicht immer brav sind“, sagt Wiesemann. Gleichgesinnte und Unterstützer sorgen dafür, dass das Haus zum Ankerplatz großer und kleiner Akteure wird. Das UnperfektHaus wurde für sein Konzept mehrfach ausgezeichnet: mit dem Innovationspreis vom Netz innovativer Bürger, dem 2. Preis beim N.I.C.E. Award – dem europäischen Wettbewerb für die besten Spillover-Projekte zwischen Kultur und Wirtschaft, als Botschafter von proRuhrgebiet, mit dem Kulturpreis 2007 und dem Senfkornpreis.

Während das UnperfektHaus das Kreative und Ungeplante zelebriert, wird direkt angrenzend im UnperfektHOTEL nichts dem Zufall überlassen: Komfortable Zimmer mit besonderen Extras, wie einer Regendusche, laden Geschäftsleute zum mehrtägigen Aufenthalt ein. Teams und Seminargruppen mit bis zu 14 Personen, die eine familiäre WG-Atmosphäre suchen, können im WG-Hotel unterkommen. Der Kühlschrank wird vom Personal gefüllt. Auf der Website lobt ein Firmengast: „Es hat uns großen Spaß gemacht, zusammen zu kochen und zu essen. Wir hatten in dieser schönen Atmosphäre viele gute Gespräche, die in einer anderen Umgebung gar nicht möglich gewesen wären.“

Rauskommen, sich frischen Wind um die Nase wehen lassen und nebenher Inspirationen von Kreativen und Jungunternehmern erhalten: Genau diese Mischung bietet das UnperfektHaus. Die Ateliers der Künstler stehen jedem Besucher offen.

Meine Empfehlung: Nutzen Sie als Gast die Chance und kommen Sie ins Gespräch! Lernen Sie eine faszinierende Branche und charmante Projekte wie das Video-Lab kennen, über das ich demnächst hier schreiben werde.

7 Tipps für mehr – ganz unperfekte – Kreativität

  1. Freiraum: Verlassen Sie Ihre gewohnte Umgebung! Suchen Sie bewusst „freie“ Orte außerhalb Ihres gewohnten Arbeitsalltages, um Gedanken freien Lauf und Ideen wachsen zu lassen.
  2. Vielfalt: Suchen Sie gezielt Kontakt zu Menschen aus anderen Branchen, Bereichen, Fachrichtungen, Kulturen, Altersgruppen.
  3. Offenheit: Denken Sie Ihre Ideen in alle Richtungen! Beseitigen Sie die Schere im Kopf.
  4. Emotionen: Versetzen Sie sich zurück in Ihre Kindheit, in der scheinbar alles möglich war. Erinnern Sie sich an dieses unbeschwerte Gefühl und legen Sie einfach los.
  5. Ideenspeicher: Notieren oder visualisieren Sie Ihre Ideen – je nach persönlichen Vorlieben in einem Memo-Büchlein oder elektronisch in Ihrem Smartphone oder Tablet. Tipp für Schreibmuffel: Ideen lassen sich auch akustisch mit dem Smartphone aufzeichnen.
  6. Spreu vom Weizen trennen: Analysieren Sie Ihre Ideen, zum Beispiel mit der SWOT-Methode (Stärken-Schwächen-Chancen-Risiken). Trennen Sie sich von unrealistischen Vorhaben.
  7. Flexibilität: Wenn sich Projektideen in eine unerwartete Richtung bewegen, begreifen Sie das als Chance. Gerade ungeplante, zufällige Entdeckungen können zu Innovationen führen. Kreativität und intrinsische Motivation gedeihen dort, wo es Freiraum gibt und nicht alles genau durchgeplant ist.

Links:

  • Das UnperfektHaus in Essen
  • Rundgang durch das UnperfektHaus und das UnperfektHotel sowie Filminterview mit Mitarbeiter Daniel R. Buchwald über die Aktivitäten, das Selbstverständnis und die Visionen der einzigartigen Kreativoase.
  • Das UnperfektHotel ist ein Rückzugsort mit komfortablen Zimmern
  • Das WG-Hotel ist eine gemütliche Unterkunft für Teams und Gruppen

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