Von Start-ups lernen Top-Ideen zum Nulltarif

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Frisch am Markt, aber voller Pioniergeist, Mut und Zuversicht. Start-ups gehen neue Wege - gerade deshalb können gestandene Unternehmer sich viel abgucken.

Frisch am Markt, aber voller Pioniergeist, Mut und Zuversicht. Start-ups gehen neue Wege - gerade deshalb können gestandene Unternehmer sich viel abgucken.© yuryimaging / fotolia

Unternehmerin Vanessa Weber coacht mit Leidenschaft Start-ups - und profitiert selbst davon: durch handfeste Ideen, wie man sich heute am Markt behauptet. Hier verrät sie die besten Tipps aus der Szene, die auch Ihren Betrieb voranbringen können.

Ich liebe es, Unternehmerin zu sein, und ich will Unternehmertum in die Welt tragen. Das ist mein Herzensthema. Deshalb coache ich seit Jahren Start-ups. Und sie coachen mich. Denn als Mentorin bekomme ich unzählige Ideen, wie ich meinen eigenen Betrieb, einen Betriebseinrichtungs & Werkzeughandel, voranbringen kann. Die Märkte verändern sich heute in rasendem Tempo. Wer nicht am Puls der Zeit bleibt in diesen sich rasch verändernden Märkten, für den wird es schwer.

Das habe ich bisher von Start-ups lernen können:

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1. Leute einstellen, die Lücken füllen

Start-ups handeln sehr mitarbeiterorientiert. Sie fragen sich: Welche Leute brauche ich, damit meine Idee funktioniert? Bei uns war das in der Vergangenheit anders. Wir sind ein Groß- und Außenhandelsunternehmen, und wen stellt man da ein: Richtig, Groß- und Außenhandelsleute. Das war ein Automatismus.

Heute frage ich mich, welche Fähigkeiten im Betrieb wirklich fehlen. Ich habe etwa einen E-Commerce-Manager eingestellt. Nicht lachen: Im traditionellen Handel ist das schon etwas „fancy“. Damit meine ich nicht, dass wir einen Azubi hochgestuft haben, damit er E-Commerce macht. Wir haben einen externen Profi geholt, der sich mit den Themen richtig auskennt. Ich habe auch überlegt, ob wir in Zukunft Grafiker ausbilden, weil wir so viel Marketing machen. Momentan geben wir noch alles an eine Agentur raus.

2. Der Kunde ist König, aber die Mitarbeiter sind das Zentrum

Start-ups können oft nur schlecht zahlen. Daher sind sie besonders kreativ, wenn es darum geht, ihr Team zu motivieren. Da kann man sich als gestandener Unternehmer viel abgucken.

Ich habe zum Beispiel gelernt, Erfolge mit den Mitarbeitern zu feiern. Bei manchen Start-ups heult ja, wenn ein Ziel erreicht wurde, eine Sirene los. Das gibt es bei uns nicht. Aber Erfolge des Teams oder eines Einzelnen zu feiern und zu würdigen, ist auch ohne Konfettiregen schön.

3. Das Trial-and-Error-Prinzip

Start-ups probieren einfach aus. Das mache ich auch. Gerade bei Themen wie E-Commerce, Online-Werbung, Facebook-Marketing gibt es keine ewig gültigen Wahrheiten. Wir testen also, machen eine A/B-Probe: Gruppe A wird zum Beispiel mit dem einen Newsletter angesprochen, Gruppe B mit einem anderen. Aus welcher Gruppe kaufen am Ende mehr?

Das ist eine spannende Herangehensweise: ausprobieren, nachjustieren – und am Ende einen funktionierenden Weg finden.

4. Kill your darlings

Dazu gehört auch, Ideen loslassen zu können. Oft glaubt man ja, eine ganz tolle Idee zu haben. Und selbst wenn die ersten Zweifel kommen, ob das Geschäftsmodell oder die Marketingidee so funktionieren können, hält man daran fest – weil man von dem Einfall mal so begeistert war. Das machen Start-ups nicht. Die feilen entweder an der Idee solange herum, bis sie doch funktioniert – oder sie treten sie ohne Skrupel in die Tonne.

5. Die eigene Zielgruppe fit machen

Auch diesen Tipp habe ich von einem Gründer bekommen: „Du musst Deine Zielgruppe fit machen.“ Wir bieten heute zum Beispiel Handwerker-Seminare an: „Fit für die Buchhaltung“. Oder: „Marketing für Handwerker“. Das sind Vorträge, mit denen unsere Kunden ihr Business voranbringen. Erstens profitiert man am Ende selbst, wenn das Geschäft der Kunden läuft. Und zweitens entsteht so eine ganz besondere Verbundenheit.

6. Segmentieren und gewinnen

Start-ups nutzen moderne Technik, um jeden Kunden genau da abzuholen, wo er ist. Die überlegen sich für jede Zielgruppe einen passenden Marketing-Mix, etwa mit Facebook, Mail-Marketing und Anzeigen.

Das versuche ich auch, etwa bei unseren Newslettern. Früher haben alle Kunden denselben Newsletter bekommen. Heute schauen wir genau: Wer sitzt denn da am anderen Ende? Ist es der Chef, dann interessiert der sich für Personalführung, für neue Visionen und Ideen und ganz bestimmte Produkte, die ihm einen unternehmerischen Vorteil verschaffen. In unserem Fall sind das zum Beispiel Shadow-Boards, die Ordnung in die Werkstatt bringen und damit Suchzeiten verringern. Den Chef interessiert aber nicht, wie viel Ampere der neue Akkuschrauber hat. Das interessiert den, der das Werkzeug benutzt. Wir segmentieren also unsere Kundendatenbank, so bekommen die Leute die Themen, die sie auch spannend finden. Nur dann erreichen wir sie mit unserem Newsletter.

Sie wollen nun auch Mentor werden?

Mentoring macht Spaß. Es beglückt mich richtiggehend, wenn ich sehe, wie sich die Unternehmen entwickeln. Und man spricht mit Leuten, die Ideen auch umsetzen, das ist toll. Bevor Sie aber loslegen, noch ein paar Tipps.

  • In der Regel suchen sich die Gründer die Mentoren aus, nicht umgekehrt. Sie schauen, wer zu ihnen passt, wer für sie ein Vorbild sein kann.
  • Mischen Sie sich in die Szene. Das Start-up-Weekend findet zum Beispiel deutschlandweit statt. Sinn macht auch, sich mit den Wirtschaftsjunioren zu vernetzen oder mit dem Bundesverband Deutsche Start-ups.
  • Überlegen Sie sich genau, in welcher Form Sie ein Mentoring anbieten wollen. Ich mache es meist so, dass ich mir einen Gründer, eine Geschäftsidee zwei, drei Stunden intensiv anschaue. Dabei gebe Feedback: Da ist ein Denkfehler, an der Stelle ist die Idee noch unausgegoren, da muss man die Zielgruppe genauer definieren, hier an der Website arbeiten. Eine andere Möglichkeit ist es natürlich, einen Gründer über einen längeren Zeitraum zu begleiten.
  • Seien Sie Visionär und kein Zahlenfuchs. Mein Blick als Mentorin ist nicht zahlengerichtet. Für den Businessplan gibt es IHKs und HWKs, die machen das jeden Tag, die können das. Ich spreche mit den Gründern über die Erfahrungen als Unternehmer: Wie gehe ich mit Risiko um? Was erwartet mich, wenn ich Mitarbeiter habe? Welche Fähigkeiten sollten diese mitbringen?

Und zu guter Letzt: Das gibt es noch als Bonus

Wenn Sie noch nicht überzeugt sind, als Mentor Gründern unter die Arme zu greifen, dann habe ich noch einen Bonus:

Ich wurde gefragt, ob ich in Aschaffenburg am Dalberg-Gymnasium als Wirtschaftspatin bei den Juniorexperten mitmachen möchte. Da gründen Schüler Übungsfirmen, mit denen sie auch Gewinne erzielen müssen. Was für eine Gelegenheit, mit der nächsten Generation in Kontakt zu kommen! Ich erfahre: Woran denken sie? Was ist ihnen wichtig? Was sind ihre Sorgen? Wie würden sie eine Firma aufbauen? Ihre Ideen und Vorstellungen sind für mich ganz wertvoll. Auch, weil ich erfahre, wie sie in Zukunft arbeiten wollen.

Mit etwas Glück sind unter den Schülern auch ein paar Edelsteine, Leute, die querdenken können, die unternehmerisch handeln. Dann ist es wunderbar, wenn ich dadurch zu so einem jungen Menschen Kontakt aufbauen kann. Ich gebe mein Wissen und meine Erfahrung weiter- und bekomme als Bonus unter Umständen einen Spitzenkandidaten. Also worauf warten Sie noch? 🙂

Ich wünsche viel Freude mit Ihren künftigen Mentees.

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