Management Unternehmer-Ehe: Ich heirate eine Firma

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Soraya und Marco „Max“ Kuehne - bei ihrer Hochzeit im Jahr 2010.

Soraya und Marco „Max“ Kuehne - bei ihrer Hochzeit im Jahr 2010.© Soraya Kühne

In einer Unternehmer-Ehe verschmelzen Geschäfts- und Privatleben. impulse-Bloggerin Soraya Kuehne erzählt, wie sie die Herausforderung meistert.

Es ist mittlerweile 8 Jahre her. Da verliebte ich mich zunächst in meinen jetzigen Mann. Dann in die Firma, die er gründete. Und dann stieg ich mit ein.

Nicht immer denke ich, dass das eine wahnsinnig gute Entscheidung war. Häufiger allerdings denke ich, dass es eine der besten Entscheidungen meines Lebens war. Mein Mann ist unser Kreativdirektor – und unter anderem in die Kreativität habe ich mich damals so verliebt. Ich bin fasziniert davon, was er für Ideen hat, wie er neue Wege geht, wie er mit absoluter Leidenschaft das Thema Design lebt.

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Aber: Es macht mich zuweilen wahnsinnig. Die Zusammenarbeit mit einem Kreativen stellt meist sowieso schon eine Herausforderung dar – das Zusammenleben ebenfalls. Sie können sich also vorstellen, was passiert, wenn Zusammenleben und -arbeiten aufeinander treffen. Ich, die eher Organisierte, aufgeschlossene und diplomatische Person. Er, der Künstler, der Verteidiger der Schönheit, der mit dem ausgezeichneten Geschmack, der Schütze, der immer sagt, was er denkt, und sich wundert, wenn das nicht gut aufgenommen wird.

Natürlich gibt es Tage, an denen ich daran zweifele, ob der Schritt damals der Richtige war. Und dann gibt es wesentlich mehr Tage, an denen wir zum Beispiel gemeinsam Termine bei Auftraggebern haben und es zusammen so rocken, dass deutlich wird: Wir sind gemeinsam unschlagbar. Wir ergänzen uns ausgezeichnet. Ich übersetze Kundenwünsche und achte darauf, dass wir diese nicht aus den Augen verlieren. Er entwickelt, gibt nicht auf, zwingt uns alle dazu, auch anders zu denken, und es entsteht – im Idealfall – etwas absolut Besonderes.

Das ist meine Aufgabe: die Kreativität zu fördern und zu fordern. Den Rücken dafür freizuhalten. Den Dialog zuzulassen. Und wieder: zu übersetzen. Oft mit diplomatischem Geschick. Es bedeutet auch, dass ich im Hintergrund agiere – ein Lob für besonders gute Gesprächsführung gibt es nicht, für ein richtig tolles Designobjekt natürlich schon. Andererseits weiß ich: Ohne mich wäre unsere Kundenstruktur nicht so, wie sie jetzt ist, und damit die Projekte auch nicht so spannend. Wie war das also? Wir ergänzen uns. Und treiben uns in den Wahnsinn. Und fast immer geht es gut.

Tipps für die Unternehmer-Ehe

Meine persönlichen Tipps für das Arbeiten mit dem Ehepartner (nicht unbedingt in der Reihenfolge und ganz sicher nicht so, dass ich behaupten kann, sie alle perfekt zu beherzigen!):

  1. Auf keinen Fall entscheiden, dass nach Feierabend nicht mehr über den Job gesprochen wird. Das wird eh nichts. Wenn man die Firma liebt und lebt, dann begleitet einen das Thema eh 24 Stunden am Tag. Das ist okay so.
  2. Dates ausmachen. Eine Date Night ist eine Date Night ist eine Date Night. Ohne Wenn und Aber. Sie sollte konsequent eingehalten werden und nicht im falschen Verständnis immer wieder verschoben werden.
  3. Nicht alles persönlich nehmen. Wenn ein Geschäftspartner oder ein Mitarbeiter mal etwas falsch macht oder nicht den richtigen Ton trifft, nimmt man das doch auch nicht immer persönlich. Warum also sollte man es persönlich nehmen, wenn der Ehepartner tagsüber nicht den richtigen Ton trifft?
  4. Reden. Reden. Reden. Dafür ist oft keine Zeit, weil der Alltag so hektisch ist und ein Meeting das nächste jagt. Aber ohne geht es eben auch nicht. Denn wie sollen gemeinsam Visionen besprochen oder Probleme gelöst werden, wenn sie nicht auf den Tisch kommen?
  5. Wissen, wann es Zeit ist zu gehen. Klingt simpel. Ist es nicht. Denn immerhin ist das eine gemeinsame Existenz. Nur sollte die Firma nicht die Beziehung gefährden – und umgekehrt.

Dank dieses Beitrags zur Unternehmer-Ehe ergeben sich direkt die nächsten Themen: Diplomatisches Geschick. Fluch oder Segen? Und: Kommunikation zwischen Kreation und Auftraggeber. Geht das überhaupt?

1 Kommentar
  • Wolfram Treydte 26. Juli 2015 00:28

    Liebe Frau Soraya Kuehne,

    ich nehme an dass Sie Ihr Titelbild zu ihrem Blogbeitrag bewusst etwas provokant gewählt haben, ohne allerdings damit ausdrücken zu wollen, dass dies die Haupt-Kommunikationsform wäre, die Sie mit Ihrem Geschäftspartner und Ehemann pflegen. 
    Da ich mich mit meiner Frau in einer ähnlichen, wenn auch umgekehrten Situation befinde, da sie die Kreative ist und ich der Struktur gebende Teil unsere Firma bin, gestatten Sie mir bitte einige Aspekte zu Ihren Gedanken zu ergänzen, die mir wesentlich erscheinen.
    Wir arbeiten und leben bereits seit 14 Jahren, also fast doppelt so lange wie Sie mit ihrem Mann, und bis auf wenige Ausnahmen sind wir 24 Stunden am Tag zusammen. Unsere Firma ist wie bei Ihnen ein unlösbarer Bestandteil unseres täglichen Zusammenseins. Dabei ist es völlig egal, ob es in der Firma, auf dem Spaziergang oder nachts um drei ist. Wenn das Thema ansteht, steht es halt an und will gelöst oder nur diskutiert werden.
    Die Darstellung Ihres gemeinsamen Gestaltens erweckt allerdings den Eindruck eines Ringens, was wir auch von vielen Klienten-Ehepaaren kennen, besonders wenn beide in der Firma aktiv sind.
    Sicher ist diese Form des gemeinsamen Gestaltens sehr häufig und erweckt dadurch den Eindruck „normal“ zu sein. Doch es geht um Vorteile gegenüber … .
    Das halte ich erfahrungsgemäß nicht für optimal oder zukünftig tragfähig. Es schafft zu viele Konflikte, die „unter der Decke“ schwelen und ein gefährliches, explosives Gemisch bilden, was zu unbeherrschbaren Situation führen kann.
    In der „normalen“ o.g. Beziehung ist das in aller Regel auch der Fall. Man nennt das dann oft „Klärung in einem Gewitter welches die Luft reinigt“. Doch dieses Streben nach Vorteilen, in welch versteckter Form auch immer, ist stets eine Form versteckter Angst die kompensiert werden soll. Angst wiederum ist keine Basis für irgendetwas, sondern ein gefährlich fließender Boden der wenig Tragfähigkeit besitzt.
    Sie schreiben weiterhin: „Wenn ein Geschäftspartner oder ein Mitarbeiter mal etwas falsch macht oder nicht den richtigen Ton trifft, nimmt man das doch auch nicht immer persönlich. Warum also sollte man es persönlich nehmen, wenn der Ehepartner tagsüber nicht den richtigen Ton trifft?“
    Gestatten Sie bitte den Widerspruch aber das halte ich nicht für realistisch. Gefühle sind verletzt weil sie verletzt sind. Wenn ich meine Frau verletze oder sie mich, selbst wenn das natürlich nicht beabsichtigt ist, bin ich oder ist sie verletzt. Sollte das einmal nicht mehr so sein, wäre ich in sehr großer Sorge um unsere Ehe und unser Miteinander. Verletzlichkeit ist denke ich die wichtigste Basis einer funktionierenden Partnerschaft. Ganz besonders wenn zusätzlich eine Firma involviert ist.
    Vielen Dank für ihre anregenden Gedanken zu diesem Thema.
    Wolfram Treydte

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