Management Unternehmer, wo ist Euer Stil?

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Stil ist für Unternehmer nicht nur eine Frage der Sockenfarbe, findet Franziska Pörschmann.

Stil ist für Unternehmer nicht nur eine Frage der Sockenfarbe, findet Franziska Pörschmann.© Photocase

Mehr Unternehmer mit Stil wünscht sich Franziska Pörschmann. Warum sie so dringend gebraucht werden, schreibt sie in ihrem impulse-Blog.

Stil bedeutet eine Art und Weise des Sich-Verhaltens und des Vorgehens in einer Situation. Stil hat was mit Haltung, Höflichkeit, Mut und Respekt zu tun. Doch wie verhalten sich Unternehmen heute ihren Kunden gegenüber, im Zusammenspiel mit anderen Unternehmen, im Austausch mit potenziellen Auftraggebern oder Partnern? Ich finde: immer stilloser. Niemand wagt mehr etwas, jeder zieht den Kopf ein, wenn es darum geht, mal etwas Neues, was anderes zu versuchen oder selbst Entscheidungen zu treffen. Bloß nicht auffallen.

Schon in meinem ersten Blogartikel habe ich darüber geschrieben, wie man an Unternehmen zerschellen kann, indem sämtliche Anfragen ins Leere laufen. Das ist nicht nett, überhaupt nicht nett. Das hat einfach keinen Stil! Wir hier im Verlag versuchen jeder Mail, jedem Anschreiben, jeder Anfrage eine Antwort folgen zu lassen, egal wie nervig oder dämlich diese teilweise ist. Manchmal nicht sofort, aber immer irgendwann. Falls uns doch mal etwas durchrutscht, dann entschuldige ich mich hiermit.

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Weshalb ich finde, es muss sich einiges ändern im Umgang miteinander, möchte ich mit zwei kleinen Erlebnissen aus meinem Erfahrungsschatz zum Besten geben.

Zwei Beispiele: Warum Unternehmer mehr Stil brauchen

Vor zwei Jahren erschien unser Kinderfreizeitguide für München. Hurra! Unser Verlag sitzt in dem Münchner Viertel mit den meisten Kindern und zu unserem großen Glück ist hier eine Hugendubel-Filiale.

Natürlich flitzte ich sofort hin und präsentierte stolz unseren Kinderführer. Man teilte mir mit, man werde ein Exemplar bestellen. „Ähm, wie, EIN Exemplar? … hier sind doch so viele Familien … (stotter) … meinen Sie nicht so ein Stapel neben der Kasse … das kann man doch mal versuchen …, oder?“ Es blieb bei einem Exemplar. Das auch noch im unteren Regalfach in Teppichnähe sein Dasein fristete.

Früher hat sich der Inhaber, Heinrich Hugendubel, auch mit Kleinstverlegern, deren gesamtes Verlagsprogramm gerade mal aus einigen an einer Hand abzählbaren Titeln bestand, zusammengesetzt und diese ernst genommen. Das hatte Stil. Natürlich war auch er Geschäftsmann – heißt: Wenn sich diese handabzählbaren Titel nicht binnen einer bestimmten Frist verkauft hatten, flogen die im hohen Bogen wieder raus.

Seit zwei Jahren gehe ich nun regelmäßig in unseren Kiez-Hugendubel, pule unser Buch aus den Regalniederungen und stelle es prominent hin. Natürlich nicht das Exemplar von damals: Es wurde tapfer immer wieder nachbestellt. Aber bitte immer nur EINS! Mittlerweile sind über diese Filiale etliche Exemplare gewandert. Was hätten wir gemeinsam für einen Umsatz machen können, wenn es zumindest etwas prominenter liegen würde! Aber wir haben ja keine offizielle Listung bei diesem Filialisten. Da wäre vielleicht etwas Mut und Eigeninitiative gefragt gewesen – aber das hat was mit Sich-Verhalten, mit Stil, zu tun.

Mein Auftritt als Kunde

Ich bekam eine echt teure Tasche geschenkt – so weit, so gut. Nach kurzer Zeit war der Reißverschluss defekt, bei diesem Preis ein No-Go. Also nichts wie ab in den Karstadt Oberpollinger und umtauschen.

Haha, so geht das natürlich nicht. Die Tasche musste eingeschickt werden. Auf die Nachfrage, ob man mir Bescheid geben könne, wenn die Tasche zurück sei, zuckte der Mundwinkel der Verkäuferin und sie drückte mir eine Telefonnummer in die Hand. Da müsse ich mich schon selbst kümmern. Egal, Tasche gefühlte Jahre später wieder abgeholt, nach kurzer Zeit wieder kaputt und ich wieder in den Karstadt.

Anscheinend hatte ich ein Montagsmodell erwischt (passiert) und wollte einfach nur noch mein Geld zurück. Die zuständige Dame erklärte mir mit spitzem Mündchen: „Laut HGB hat der Hersteller das Recht, dreimal nachzubessern …“ Interessiert doch mich als Kunde nicht!

Tatsächlich wurde die Tasche dann drei Mal eingeschickt, weil immer wieder etwas defekt war, beim vierten Mal bekam dann ich mein Geld zurück. Insgesamt musste also ich sieben Mal anrücken. Karstadt hat mich seitdem nie mehr gesehen. Dass dieser Konzern seit geraumer Zeit tüchtig in finanziellen Schwierigkeiten ist, kann damit zusammenhängen, behaupten böse Zungen.

Und jetzt entschuldigen Sie mich bitte, ich muss in den Hugendubel und unseren Kinderguide mal wieder hervorzupfen.

5 Kommentare
  • Jürgen T. Knauf 18. August 2015 08:26

    … vielen Dank für den Artikel und die Kommentare! Stil hat auch etwas mit Menschlichkeit und Miteinander zu tun. Mit „wir“ statt „ich“. Wenn man bei Illness das „I“ durch „We“ ersetzt, entsteht Wellness.

    Ich erlaube mir den Hinweis auf einen außergewöhnlichen Roman zum Thema Menschlichkeit in Unternehmen sowie Körper, Geist und Seele: Kaleidoskop der Scherben.

    Mitarbeiterorientierung ist auch Kundenorientierung und beides hat für mich Stil.. 😉

  • Oliver Frenkel 16. August 2015 08:09

    Höflicherweise starte ich meinen Kommentar mit einem Hallo zusammen.
    Ein Blogbeitrag bedeutet für mich einen Impuls zu geben. Das hat der Artikel geschafft. Danke!
    Enttäuschung kommt von Erwartung. Daher kann es sehr hilfreich sein, auch bei der Entwicklung von Abteilungen oder Unternehmen, im vernünftigen Umgangston den Häuptlingen seine Situation zu schildern. Egal ob als Angesteller oder Kunde kann das zu einem Impuls bzw. Denkanstoss führen. Und auch nur so hat es, meiner Meinung nach, eine Chance auf Veränderung. Der Dialog / Kommunikation ist mit einer der wichtigsten Bestandteile für ein zufriedenes Leben.

    By the way: das Thema mit der Zeitung kann ich gut nachvollziehen. Dazu sage ich aber auch: „Wer im Glashaus sitz…“ Richtig, solte nicht mit Steinen werfen. Ich habe vor Wochen mein erstes Buch mit einer Flasche Wein für eigene Werbung an die Redaktion der Impulse geschickt. Ich habe nicht erwartet, dass darüber berichtet wird. Aber gar keine Reaktion ist auch eine und zwar ohne … Aber vielleicht dauert es noch ein bisschen, und ich bin einfach zu ungeduldig.
    Sorry, aber der Ball lag mit diesem Artikel einfach auf dem Elfmeterpunkt.

    Charmanten Sonntag noch.

    Oliver Frenkel

    • Angelika Unger 17. August 2015 11:12

      Lieber Herr Frenkel,

      das mit der ausstehenden Antwort bedaure ich sehr. Offenbar passieren solche Faux-Pas auch bei uns. Wir nehmen den Hinweis auf und bitten um Entschuldigung!

      Herzliche Grüße
      Angelika Unger vom impulse-Team

  • Marcus 14. August 2015 10:19

    Guten Tag,
    Sehr interessant der Bericht als Kunde…. Sie schreiben über Stil, halten es aber selbst überhaupt nicht für Stil-los, ganz natürliche Vorgänge in einem ziemlich merkwürdigen Zusammenhang darzustellen?!
    Mal angenommen, Ihnen würde ein Taschen-Laden gehören und eine Kundin würde eine Tasche für sagen wir mal 1000 € reklamieren. Was könnten Sie tun? 1. Der Kundin 1000 € aus der Kasse zahlen, die Tasche zum Hersteller schicken und dann als 2. Wahl (denn sie ist ja schon gebraucht!) im Laden mit mindestens 40% Verlust verkaufen? Oder so verfahren, wie das Unternehmen in diesem Fall es getan hat?
    Natürlich muß man darüber diskutieren, wie man einem Kunden diesen unangenehmen Vorgang möglichst schmerzlos abnehmen kann. Dass das in diesem Fall nicht gerade optimal gelaufen ist: keine Frage!
    Als letzten Satz dann allerdings die bestehenden rechtlichen Rahmenbedingungen in Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Lage des Unternehmens zu bringen, ist schlichtweg eins: Stil-los!

  • Heinz Zimmermann 11. August 2015 14:48

    Guten Tag, sehr geehrte Frau Pörschmann,

    Ich habe Ihren Artikel aufmerksam gelesen, hat mir sehr gut gefallen und kann dieses nur unterstreichen.

    Es erscheint mir dass unser kommendes Management/Führungskräfte auf den von Ihnen genannten Punkten 1 bis 3 intensiv geschult werden, dies nicht zu tun….

    Mit dem Ergebnis von Punkt 4.

    1.) Stil bedeutet eine Art und Weise des Sich-Verhaltens und des Vorgehens in einer Situation.

    2.) Stil hat was mit Haltung, Höflichkeit, Mut und Respekt zu tun.

    3.) Niemand wagt mehr etwas, jeder zieht den Kopf ein, wenn es darum geht, mal etwas Neues, was anderes zu versuchen oder selbst Entscheidungen zu treffen.

    4.) Immer stilloser.

    Der Virus … in kürzester Zeit mit geringstem Aufwand – ohne menschliche Berücksichtigung – so viel „Kohle“ wie möglich zu raffen.

    Schade, dass der Mensch in der heutigen Zeit keinen Stellenwert mehr hat. Liegt an der Investierung von Zeit, die der Mensch benötigt und nicht zur Verfügung gestellt wird. Wo sich der Kreis schließt und wir wieder bei der „Kohle“ sind.

    „Kohle“ frisst Stil, oder liegt es vielleicht an der Kinderstube.

    Persönlich frage ich mich, wo das hinführt …

    Mit freundlichen Grüßen aus Riegelsberg

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