Management Unternehmerreise: Auf Fortbildung bei US-amerikanischen Entrepreneuren

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Bildung, Bildung, Bildung: Jeder Mitarbeiter durchläuft in Nick Sarilos Nick's Pizza&Pub ein Curriculum. Auf der Tafel werden die Ergebnisse festgehalten.

Bildung, Bildung, Bildung: Jeder Mitarbeiter durchläuft in Nick Sarilos Nick's Pizza&Pub ein Curriculum. Auf der Tafel werden die Ergebnisse festgehalten.© Nikolaus Förster

Im vergangenen Jahr ließ sich eine impulse-Gruppe von US-Unternehmern in Chicago und Ann Arbor weiterbilden. Eines der Learnings: Wer nachhaltig profitabel sein will, muss in herausragende Firmenkultur investieren. Ein Rückblick.

Vielleicht ist das ja das perfekte Bild für einen Unternehmer, der es tatsächlich geschafft hat: ein winzig kleiner Schreibtisch im fensterlosen Keller, einen Meter breit, sechzig Zentimeter tief, darauf ein Smartphone, zwei, drei Bücher („Rocket Branding“), eine Unterschriftenmappe, eine Geburtstagskarte und – für alle sichtbar, eingeklemmt in einem schmucklosen schwarzen Dokumentenhalter – die aktuelle Gewinn- und Verlustrechnung. Dazu, unter dem Tisch, ein paar Aktenordner im Karton. Das war’s. Ein Stuhl für den Chef? Fehlanzeige.

Wenn Nick Sarillo im Haus ist und nicht Vorträge hält oder andere Unternehmer weiterbildet, dann mischt er sich meist unter seine Restaurantgäste, bringt selbst Pizza an den Tisch. Von den hölzernen Wänden glotzen im schummrigen Licht ausgestopfte Büffel, Wildschweine und Truthähne auf die Gäste herab. Ja, es wird in rauen Mengen Pizza bestellt. Doch das Besondere an Nick’s Pizza & Pub am Rand von Chicago ist nicht nur die Qualität des Essens. Es ist der einzigartige Service und die Atmosphäre. Vor allem deswegen kommen die Leute in Scharen. Die Mitarbeiter selbst sprechen von „Nick’s Experience“.

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Gemeinsame Werte verbinden

Das Geschäft brummt, weil der Chef ein Team aufgebaut hat, das alles dafür tut, damit sich die Gäste wohlfühlen, vor allem Familien mit Kindern. Seine 200 Mitarbeiter, die inzwischen in seinen beiden Restaurants arbeiten (ein drittes ist in Planung), verbinden gemeinsame Werte. Sie bilden sich gegenseitig fort, geben sich Feedback und sind ehrgeizig – auch weil sie am Gewinn beteiligt werden. Im Keller, wo die Vorräte lagern und das Tischlein des Chefs steht, haben längst Kollegen das Kommando übernommen; die Finanzen verantwortet eine 21-Jährige.

Nick Sarillo ist erst vor acht Jahren in die Gas­tronomie gewechselt, als den gelernten Schreiner ein Sturz von der Leiter dazu zwang, den Beruf zu wechseln. Heute ist er ein heraus­ragendes Beispiel dafür, wie sich eine erfolgreiche Firmenkultur aufbauen lässt: mit engagierten, gut ausgebildeten Mitarbeitern, standar­disierten Prozessen und einem transparenten Umgang mit Kennzahlen. „98 Prozent der Mitarbeiter machen in der Regel einen guten Job“, sagt er. „Es wäre absurd, eine Firma auf die 2 Prozent auszurichten, bei denen es nicht gut läuft.“

Trust & Track statt Command & Control

Nick Sarillo nennt diesen Führungsstil „Trust & Track“ („Vertrauen & Auswerten“) – in Abgrenzung zum alten, weiterhin stark verbreiteten Modell des „Command & Control“ („Befehlen & Kontrollieren“). Gefiel sich der Chef früher in der Rolle, Anweisungen zu geben und zu überwachen, so bedeutet der neue Ansatz eine Umkehrung der Verhältnisse: Nicht der Chef, sondern das Team steht im Mittelpunkt. Den Mitarbeitern wird ein hohes Maß an Vertrauen entgegengebracht, die meisten Entscheidungen treffen sie selbst. Mit der größeren Autonomie steigt die Verantwortung des Einzelnen für die gesamte Firma – und die Chance, vom Erfolg auch finanziell zu profitieren. Für alle ist transparent, was die Kollegen leisten, die wichtigsten Finanzkennzahlen werden offengelegt.

Pizzabäcker Sarillo ist einer von vier US-Entrepreneuren, die – auf der ersten impulse-Unternehmerreise nach Chicago und Ann Arbor – einer Gruppe Deutscher und Österreicher Einblick in ihre Firmenkultur gaben. So fremd einige Ansätze anfangs auch wirkten, am Ende der einwöchigen Tour begannen einige der Teilnehmer bereits mit konkreten Planungen für ihr eigenes Unternehmen. „Das Wichtigste ist, die Mitarbeiter im Rahmen klar festgelegter Werte zu selbstständigen Entscheidungen anzuleiten“, sagte Thomas Kiderlen, Chef des Franchisesystems Vom Fass. Das System ließe sich in jeder Branche anwenden. „Überall gilt das gleiche Prinzip.“

Die Woche in den USA brachte den Unternehmern mehrere Ansätze nahe – vom Open-Book-Management bis hin zum Visioning (mehr dazu unter www.impulse.de/chicago). Nach einer Woche Workshops, Firmenbesuchen und einem intensiven Austausch untereinander zweifelte niemand mehr am Potenzial moderner Führung: „Eine Firmenkultur gibt es ohnehin in jedem Unternehmen, egal ob Sie es wollen oder nicht“, sagte Nick Sarillo. „Nutzen Sie die Chance, sie in Ihrem Sinne zu gestalten.“ Profitieren würden alle: der Chef, weil die Firma mehr Geld verdiene und er sich zunehmend auf strategische Fragen konzentrieren könne; die Mitarbeiter, weil sie mehr Verantwortung hätten, selbstständiger entscheiden könnten und mehr verdienten; und die Kunden, weil ihnen mehr Qualität geboten werde.

 

 
Verlagshinweis: impulse-Unternehmerreisen

Von den Besten Lernen: Was macht herausragende Unternehmen aus? Nicht die Größe, auch nicht allein die Qualität der Produkte. Was sie auszeichnet, ist eine Firmenkultur, in der das gesamte Team unternehmerisch denkt – und damit die Konkurrenz aussticht. impulse bietet auch in diesem Jahr für eine begrenzte Teilnehmerzahl Unternehmerreisen in die USA an. Treffen Sie zusammen mit impulse-Chef Nikolaus Förster herausragende Unternehmer, lassen Sie sich inspirieren und holen Sie sich in Workshops konkrete Tipps, wie Sie Ihr eigenes Unternehmen weiterentwickeln können.

Nähere Informationen unter www.impulse.de/akademie/unternehmerreise.

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