Management US-Firmenkultur: Je kleiner der Schreibtisch, desto besser läuft das Geschäft

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Nick’s Pizza & Pub, nördlich von Chicago

Nick’s Pizza & Pub, nördlich von Chicago© impulse

Eine Woche lang ist impulse-Chef Nikolaus Förster mit deutschen und österreichischen Unternehmern in Chicago und Ann Arbor unterwegs, um neue Ideen kennen zu lernen - und herauszufinden, wie sich eine gute Firmenkultur aufbauen lässt. Was die Gruppe von den US-Unternehmern lernt, lesen Sie hier.

Am ersten Tag besuchte die Gruppe den Unternehmer Nick Sarillo, der nördlich von Chicago einen der meistbesuchten Pizza-Diners der USA aufgebaut hat: Nick’s Pizza & Pub. Während die Fluktuation in der Branche durchschnittlich 240 Prozent beträgt, Mitarbeiter also meist nur fünf Monate bleiben, stapeln sich bei Sarillo die Bewerbungsmappen. Nur jeder 18. wird eingestellt, und die Fluktuationsrate liegt bei gerade einmal 20 Prozent.

Wie macht Nick Sarillo das? Durch ein hohes Maß an Vertrauen in seine Mitarbeiter, Investitionen in ihre Weiterbildung, standardisierte Prozesse – und einen internen Wettbewerb um die besten Leistungen. Er nennt dies „Trust & Track“.

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DREI ERKENNTNISSE VOM ERSTEN TAG:

 

Erkenntnis 1: Man lernt fürs Leben, auch in der Firma.
 

Lernen für den Job - und fürs Leben: Drei junge Mitarbeiter bei Nick's Pizza & Pub

Lernen für den Job – und fürs Leben: Drei junge Mitarbeiter bei Nick’s Pizza & Pub© impulse

Kommuniziert wird in Nick’s Pizza & Pub nach festgelegten Regeln: Die Mitarbeiter machen beispielsweise konkrete Ich-Statements statt zu verallgemeinern, sie unterscheiden zwischen Fakten und möglichen Bedeutungen. Und sie sind sich im Klaren darüber, welch gewaltigen Einfluss ihre Körpersprache (45 Prozent!) und der Ton ihrer Stimme (48 Prozent!) auf das Gesagte haben. Die 19-jährige Mitarbeiterin Abby (Foto, Mitte), die davon träumt, irgendwann einmal ein eigenes Unternehmen zu führen, praktiziert seit drei Jahren diese Regeln. Ihr gefällt nicht nur, dass sich die Mitarbeiter auf diese Weise gegenseitig unterstützen und offen miteinander umgehen. Auch privat haben die Kommunikationsregeln einiges verändert: „Vor allem das Verhältnis zu meinen Eltern hat sich verbessert.“

 
 

Erkenntnis 2: Bildung zahlt sich aus, vor allem in der Firma.
 

Weiterbildung nach Plan: Firmenchef Nick Sarillo

Weiterbildung nach Plan: Firmenchef Nick Sarillo© impulse

Es gibt Firmen, da kämpfen die Mitarbeiter darum, dass sie sich weiterbilden dürfen, versuchen, beim Chef noch ein paar Seminare herauszuschlagen. Bei Nick’s Pizza & Pub ist das anders. Dort gibt es ein festes Curriculum für jeden Mitarbeiter. Und jeder hat die Chance, sich weiterzubilden. Wer einen Kurs erfolgreich absolviert hat, kann weitere belegen – und irgendwann andere Mitarbeiter ausbilden. Wenn genügend Qualifikationen zusammen sind – das wird, für alle transparent, mit roten Punkten in einer Tabelle vermerkt (Foto), wirkt sich das sofort aufs Gehalt aus. Sarillo käme gar nicht auf die Idee, zu beziffern, wie viel all diese Kurse kosten. „Mit jedem Training“, sagt er, „schaffen wir neue Werte für die Firma.“

 
 

Erkenntnis 3: Je kleiner der Schreibtisch, desto besser läuft das Geschäft.
 

Je kleiner, desto besser: Nick Sarillos Schreibtisch

Je kleiner, desto besser: Nick Sarillos Schreibtisch© impulse

Warum eigentlich braucht ein Chef einen großen Schreibtisch? Ein großes Büro? Oder sonstige Statussymbole? Braucht er gar nicht. Zumindest dann nicht, wenn ein Unternehmen außergewöhnlich gut läuft – auch weil, wie bei Nick Sarillo, gut kommuniziert und in die Weiterbildung der Mitarbeiter investiert wird. Sarillos Schreibtisch zumindest ist äußerst klein. Er sieht es als seine Aufgabe an, in erster Linie am Unternehmen, nicht im Unternehmen zu arbeiten.

 
 

 
Verlagshinweis: impulse-Unternehmerreisen
 

 
Von den Besten Lernen: Was macht herausragende Unternehmen aus? Nicht die Größe, auch nicht allein die Qualität der Produkte. Was sie auszeichnet, ist eine Firmenkultur, in der das gesamte Team unternehmerisch denkt – und damit die Konkurrenz aussticht. impulse bietet auch im kommenden Jahr für eine begrenzte Teilnehmerzahl Unternehmerreisen in die USA an. Treffen Sie zusammen mit impulse-Chef Nikolaus Förster herausragende Unternehmer, lassen Sie sich inspirieren und holen Sie sich in Workshops konkrete Tipps, wie Sie Ihr eigenes Unternehmen weiterentwickeln können.
 

Nähere Informationen unter www.impulse.de/akademie/unternehmerreise.

7 Kommentare
  • Nikolaus Förster 16. November 2013 18:00

    Hallo Frau Haider, ich bin davon überzeugt, dass es auch hierzulande hervorragende Unternehmen mit einer herausragenden Firmenkultur gibt. Dies hat nichts mit der Nationalität zu tun. Allerdings tun sich viele deutsche Unternehmer damit schwer, das, was sie praktizieren, auch in Worte zu fassen. Darin sind die Amerikaner sehr gut – vor allem die „Small Giants“, die wir in den USA getroffen haben (und die wir im Frühjahr erneut besuchen werden). Mit dem, was Sie in Ihrem Kommentar beschreiben, dem Streichen von Stellen, hat dies aber nichts zu tun.
    Herzliche Grüße, Nikolaus Förster (Chefredakteur impulse)

  • Christine Haider 21. Oktober 2013 19:52

    Ich kann es nicht glauben, haben wir es denn immer wieder nötig uns von den Amerikanern sagen zu lassen was gut ist? Leider fehlt uns immer noch das Selbstbewusstsein das wir sagen, wir machen unsere Arbeit richtig. Eine gute Firmenkultur hat es bei uns jahrzehntelang gegeben.

    Ich habe bei einer Fluggesellschaft am Boden gearbeitet und ich war stolz dort zu arbeiten. Jeder trug Verantwortung. Weiterbildung wurde groß geschrieben und Kurse wurden angeboten. Die Philosophie war, jeder soll alles gut können, jeder ist an jeder Stelle einsetzbar. Es gab nur qualifiziertes Personal.

    Und dann nahm man den Mitarbeitern die Verantwortung und zuletzt den Job. Danke amerikanische Manager. Ich kann hier keine Vorbildfunktion sehen.

  • Eva Norgis 17. Oktober 2013 13:58

    Hallo Zusammen,
    muss man solche Ideen & Anregungen selbst im Hinblick auf die Machbarkeit im eigenen Unternehmen bzw. mit der eigenen Persönlichkeit prüfen? Oder gibt es Unternehmensberater/Coaches, die auf unkonventionelle Führungsmethoden spezialisiert sind?
    Danke für Tipps!
    Viele Grüße
    Eva

  • Hans Schüßler 16. Oktober 2013 08:14

    Hallo Impulsgeber,

    ich finde die Firmenberichte sehr anregend. Immer und immer kann man sich eine Scheibe abschneiden. Welche Scheibe passt ? Ja das ist halt dann unsere Entscheidung.
    Danke!

    Herzliche Grüße
    Hans Schüßler

  • Thomas W. Frick 14. Oktober 2013 17:52

    Hallo zusammen,

    ich wollte es erst nicht wahr haben, dass so ein Bild „Der Unternehmer arbeitet am Unternehmen und nicht im Unternehmen“ ernst gemeint ist. Diverse Fachbücher hinsichtlich Zeitmanagement und der persönliche Austausch mit anderen Unternehmer/innen, z.B. auf den http://www.unternehmerwochen.de, haben jedoch den Glauben daran gefestigt.

    Wenn man sich das Unfassbare als Maßstab setzt und als Ziel verfolgt, so ist man vielleicht nicht sofort am Ziel, doch man fängt sich bei jeder Aufgabe an die Frage zu stellen „Muss ich das unbedingt machen?“ Und alleine diese Fragestellung und das Bewusstmachen hilft bei der Umsetzung der Delegation oder des Outsourcings

    Ehrlich gesagt packe ich auch noch viel zu viel selbst an, weil es mir zum einen Spaß macht und ich mir oftmals nicht die Zeit nehmen kann (will?;-)), das erforderliche Wissen zu dokumentieren und weiterzugeben, wenn eine Aufgabe doch scheinbar in 2-5 min. selbst erledigt ist…

    Danke für den Einblick in Eurem Artikel.

    Gruß

    Th. Frick

  • Nikolaus Förster 14. Oktober 2013 14:25

    Hallo Herr Weikert, das ist tatsächlich ernst gemeint. Es geht bei den Firmenchefs, die wir gerade in den USA besuchen, nicht um angestellte Geschäftsführer, sondern um Inhaber. Viele von ihnen sind hervorragende Manager und doch versäumen sie es häufig, eine Firmenkultur aufzubauen, die das Unternehmen von ihnen selbst unabhängig macht. Wenn alles auf den Chef ausgerichtet ist, kann das für die Firma ein großes Risiko bedeuten. Viele Grüße aus Chicago, Nikolaus Förster

  • Ralf Weikert 14. Oktober 2013 12:30

    Ich habe den Artikel gelesen über vorbildliche Firmen in USA mit kleinen Schreibtisch für Chefs und bedenklichen Fluktuationsraten!
    Ist dieser Artikel ernt gemeint oder eine Satire? (bin mir nicht sicher!)
    Also ich bin der Meinung im deutschen Mittelstand arbeitet der Geschäftsführer und kann nicht nur delegieren! Ist so manchen sein Wunschtraum und dann wird der Realität entschwebt.

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