Management China – „Vertragsverhandlungen sind eine Herausforderung“

  • Serie
Vertreter der Firma Rennsteig verhandeln auf der Messe Beijing International Aviation Expo 2011 mit chinesischen Kunden

Vertreter der Firma Rennsteig verhandeln auf der Messe Beijing International Aviation Expo 2011 mit chinesischen Kunden© German Industry & Commerce Greater China

Die Lohnkosten in China steigen - und immer mehr Firmen müssen ihre Produktion automatisieren. impulse hat die Deutsche Auslandshandelskammer in Peking gefragt, welche Produkte und Dienstleistungen dort besonders gefragt sind. Und worauf Unternehmen bei Vertragsverhandlungen achten sollten.

Welche Branchen sind bei Ihnen im Land im Aufschwung?

Alexandra Voss, Delegation der Deutschen Wirtschaft in China: Für deutsche Unternehmen dürften in den kommenden Jahren vor allem die im jüngsten Fünfjahresplan erwähnten strategischen Industrien interessant sein. Zu ihnen zählen Umwelttechnologien, erneuerbare Energie, moderne Informations- und Biotechnologie sowie neue Materialien und KfZ-Antriebstechniken. Die ambitionierten Ziele der Regierung in diesen Bereichen werden ohne ausländisches Know-How schwer zu erreichen sein und gerade deutsche Unternehmen gelten hier als verlässliche Partner. Auch die Gesundheitsindustrie entwickelt sich in China stark und mit wachsendem Wohlstand in den Metropolen steigt die Nachfrage nach medizinischen Produkten und Infrastruktur. Im letzten Jahr hat die Regierung beispielsweise die Beteiligung ausländischer Gesellschafter an Krankenhäusern vereinfacht.

Anzeige

Welche Produkte oder Dienstleistungen sind besonders gefragt?

Deutsche Vorzeigeprodukte wie Maschinen und Anlagen sowie Autos, chemische und elektrische Produkte sind in China weiterhin besonders gefragt. Dazu kommen jede Menge Nischenprodukte, bei denen deutsche Mittelständler oft Weltmarktführer sind.
Mit steigenden Lohnkosten in China gewinnt momentan das Thema Automatisierung an Bedeutung, aber auch der Ruf nach Effizienz wird lauter und die Nachfrage nach Industrieservices steigt.

Was sagt man bei Ihnen im Land über die Deutschen?

Deutschland und deutsche Produkte genießen in China einen außerordentlich guten Ruf. Sie stehen für Qualität und Verlässlichkeit und werden im ganzen Land geschätzt. Konsequenterweise sind deutsche Unternehmen in China attraktive Arbeitgeber und Geschäftspartner.

Welche kulturellen Unterschiede machen den Deutschen zu schaffen?

Vertragsverhandlungen sind in China für deutsche Unternehmen eine große Herausforderung. Chinesische Vertragspartner möchten häufig keine Details besprechen, sondern lediglich den Grundstein für die spätere Zusammenarbeit schaffen. Darüber hinaus sind in China kurzfristige Planänderungen an der Tagesordnung und verlangen nach einer flexiblen Gestaltung des Engagements.

Welche Hürden gibt es bei der Unternehmensgründung?

China ist ein großer Markt mit vielen regionalen und branchenspezifischen Besonderheiten. Anders als in Deutschland sind objektive Marktinformationen rar und mitunter schwierig zu bekommen. Prinzipiell hat der Zwang zu Joint Ventures abgenommen und die Rechtssicherheit hat sich in den vergangenen Jahren verbessert. Allerdings sind bestimmte Bereiche wie die Energiewirtschaft, IT oder die Finanzbranche noch immer stark reglementiert. Da China aber kein unternehmerisches Neuland mehr ist, können Firmen beim Markteintritt heute auf Erfahrungen zurückgreifen. Wir raten dringend, diese Möglichkeit zu nutzen, um falschen Annahmen über Marktmechanismen und -chancen sowie dem Überschätzen der eigenen Möglichkeiten vorzubeugen.

Info
Alexandra Voss ist Deligierte der Auslandshandelskammer in China. Erreichbar ist die Delegation der Deutschen Wirtschaft in Peking über die Homepage www.china.ahk.de.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.