• Viele fleißige Helferlein für Gründer

    Als Gründer benötigt man jede freie Minute. Gut, dass es eine Menge digitale Angebote gibt, die vom Sekretariat bis zur Buchhaltung alles übernehmen, was Zeit frisst.

    Ein Termin jagt den nächsten. Uwe Gleser und Manja Lenke hetzen von De­sig­nern zu potenziellen Kunden, zwischendurch besuchen sie mögliche Produktionsstätten, bezirzen Investoren oder feilen an ihrem Geschäftskonzept. Die beiden Gründer haben Stress rund um die Uhr. Selbst wenn ihr Tag 30 Stunden hätte, wüssten sie nicht, wo ihnen der Kopf steht. Alles, damit ihr Startup “Modekampagne” im kommenden Jahr an den Start gehen kann. Auf der Internetplattform sollen dann Nachwuchsdesigner ihre Arbeit präsentieren. Eine Community bewertet die Entwürfe, die besten werden von “Modekampagne” bis zur Marktreife begleitet.

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    Eine innovative Idee. Damit aus ihr ein tragfähiges Unternehmen erwächst, gibt es noch viel zu tun. Meistens zu viel. Gerade ein Start­up mit digitaler Ausrichtung benötigt Onlinemarketing und Präsenz in sozialen Medien. Doch die Zeit von Uwe Gleser ist zu knapp dafür: “Wann, bitte schön, soll ich jetzt noch eine Facebook-Fanpage betreuen, Einträge für den Unternehmensblog schreiben oder knackige Pressemitteilungen verschicken?”, sagt er.

    Das Gründerdilemma

    Eine Situation, die fast alle Gründer erleben: Gerade in der Anfangsphase müssen sie unglaublich viele Dinge bedenken, Entscheidungen fällen, Telefonate führen, Behördengänge erledigen, Präsentationen erstellen und dabei ihre eigentliche Geschäftsidee nicht aus den Augen verlieren. “Doch die lang gehegte Meinung von Beratern, als Gründer müsse man ­alles selbst können und alles selbst machen, ist längst überholt”, sagt Günter Faltin, Professor für Entrepreneurship an der FU Berlin. Er rät, möglichst früh möglichst viele Aufgaben abzugeben – an Experten, die diese professioneller und effizienter erledigen. “Wenn man zum ­ersten Mal ein Unternehmen gründet, ist man natürlich auf den meisten Gebieten erst einmal Stümper – da darf, da sollte man sich Hilfe holen”, so Faltin.

    Für “Modekampagne” erledigt die Community-Betreuung und den PR-Auftritt mittler­weile ein virtueller Assistent – keine Maschine, sondern ein zehnköpfiges Team des Dienstleisters Free-days.de. Es reagiert auf Kommentare auf der Facebook-Fanpage, postet Links und ­Bilder und veröffentlicht zweimal wöchentlich Einträge im Unternehmensblog. Außerdem verschickt der vielköpfige Assistent Pressemitteilungen an Magazine und Firmen der Branche. Über Skype und per E-Mail stimmt sich Gründer Gleser regelmäßig mit jemandem aus dem Team ab. So hat er wieder Luft, um sich seinem Startup-Baby zu widmen.

    Mittlerweile gibt es auch in Deutschland ­digitale Angebote für fast alle erdenklichen Aufgaben und Tätigkeiten, die in einem Unternehmen anfallen können: vom Telefonservice bis zum Logodesign, vom Usability-Test bis zum digitalen Buchhalter oder Texter – alles nur einen Mausklick entfernt. Gerade Gründer profitieren zudem von der ­Flexibilität. Wird Hilfe benötigt, lässt sie sich buchen, stundenweise oder im Paket. Es gibt meist keine Vertragsbindung. Monat für Monat, Woche für Woche entscheidet der Gründer neu: Brauche ich Unterstützung, welches Angebot passt zu meinen Bedürfnissen? “Wenn ich ­einen Social-Media-Profi einstellen würde, dann würde mich das sicher mindestens 3000 Euro kosten, inklusive Lohnnebenkosten”, rechnet Gleser vor. “Für das Monatspaket zahle ich jetzt nicht einmal die Hälfte.”

    Julia Brötz ist die Geschäftsführerin von Freedays. Sie hat “Die 4-Stunden-Woche” von Timothy Ferris gelesen, den 2007 erschienenen Bestseller, der die Bewegung des digitalen Outsourcings ins Rollen gebracht hat. Alle ungeliebten, lästigen Tätigkeiten abgeben und so lediglich vier Stunden am Unternehmenskern arbeiten. Die gewonnene Zeit kann es sich der Chef in ­einem sonnigen Urlaubsparadies gut gehen lassen, denn für die Leitung eines virtuellen Teams braucht es nur funktionierendes W-Lan – so

    die charmante Idee des Amerikaners. Für die Umsetzung gab es im deutschsprachigen Raum aber noch wenig Angebote. “So kam ich auf die Idee, Freedays zu gründen, und mittlerweile werde ich auch seltener gefragt, ob ein virtueller Assistent ein Roboter ist”, so Brötz.

    Das digitale Outsourcing lohnt sich meist auch finanziell: André Michalke hat Anfang des Jahres das Unternehmen Energiesparmakler.de gegründet, das Firmen im Hinblick auf Beleuchtung, Heizung und erneuerbare Energien berät. Auch Michalke ist viel unterwegs. “Das wäre Wahnsinn, wenn ich da die Buchhaltung selbst machen würde”, sagt er, obwohl er selbst in der Finanzbranche tätig war. Statt einmal im Jahr einen Karton Belege an einen Steuerberater zu geben, nutzt Michalke jetzt einen Onlineservice. “Ich scanne meine Belege und schicke sie per Mail an den Anbieter. Digital bekomme ich dann direkt Überblick über meine Zahlen, einmal im Monat kommt die betriebswirtschaftliche Auswertung per Mail”, erklärt Michalke den Ablauf. Ihm ist wichtig, dass er den Überblick behält und jederzeit Zugriff auf alle Informationen hat. Durch die digitale Abwicklung hat er auch einen finanziellen Vorteil: 99 Euro kostet sein Buchhalter aus dem Netz, der bis zu 150 Buchungen monatlich bearbeitet und zwei Lohnabrechnungen übernimmt. Bei seinem früheren Steuer­berater habe er dafür “locker 200 Euro” gezahlt, so Michalke: “Und die Lohnabrechnungen waren da noch nicht mit dabei.”

    Nur abgeben, was man versteht

    Gerade die Buchhaltung abzugeben kann für Gründer sinnvoll sein, meint Tamara Braeuer, die mit ihrer Unternehmensberatung Braeuer & Partner viele Nachwuchsunternehmer betreut: “Alles, was man nicht gut kann und was viel Zeit frisst, sollte man nicht selbst machen”, sagt sie. Dennoch fordert sie ihre Kunden auf, zumindest im ersten Jahr die Buchhaltung selbst zu erledigen. “Auch wenn das lästig ist: Wer sich einmal damit auseinandergesetzt hat, der kann dann etwas mit der betriebswirtschaftlichen Auswertung anfangen, die von ­einem externen Anbieter kommt.” Ihr Credo: “Nur Dinge abgeben, die man auch versteht!”

    Das hat Andreas Roy getan. Gemeinsam mit einem Partner entwickelte er das Konzept für eine Catering-Agentur: “Wir planen Großevents und arbeiten mit unterschiedlichen Dienstleistern zusammen, die uns dann die verschiedenen Services zuliefern. Die komplette Abwicklung erfolgt über uns”, so Roy.

    Alles war startbereit, nur die offizielle Anmeldung des Unternehmens stand noch aus. “Da muss man ja unglaublich viel beachten, über die unterschiedlichen Rechtsformen bis hin zum Novellierungsgesetz. Wenn man auf dem Gebiet Laie ist wie ich, ist das schon eine komplexe Angelegenheit”, sagt Roy. Auch er hat sich Unterstützung im Web gesucht und ein Komplettpaket gebucht: Anwalts­beratung, Erstellung der Verträge, Notarkosten und die Anmeldung zum Handelsregister für rund 1000 Euro. Mitte Juli ist seine Coar Catering UG & Co. KG auch offiziell gestartet. “Für mich war es eine große Erleichterung, dass ich nicht allein vor dem ganzen Papierkram saß”, sagt Roy im Rückblick.

    Gebucht hat er den Service bei ­Firma.de. Michael Silberberger, Chef des Dienstleisters, hatte “überlegt, was die Module sind, die Startups und Unternehmer brauchen, egal mit welchem Produkt und in welcher Branche sie tätig werden wollen”. Für jeden Gründer stehe irgendwann die Anmeldung seines Gewerbes an. Bei diesem Schritt will Firma.de unterstützen – sei es bloß mit dem passenden Satz Verträge oder mit der All-inclusive-Betreuung.

    Dabei gilt es für Gründer immer abzuwägen, welche Aufgaben sie selbst übernehmen müssen – etwa die Erstellung des Businessplans, wichtige Kundengespräche oder die Strategieentwicklung – und welche sie abgeben sollten. Weil sie dadurch Zeit sparen, die sie besser für wich­tigere Dinge nutzen können.

    Günter Faltin, der neben seiner ­Tätigkeit an der Universität Gründer berät und als Business Angel unterstützt, vertritt einen radikalen Ansatz. Er ist überzeugt, dass sich alle Aufgaben auslagern lassen – bis auf die Führung des Unternehmens und die Arbeit an der Kernidee. “Ich nenne das ‚Gründen mit Kom­ponenten‘ – von Anfang an sämtliche Tätigkeitsfelder an Experten und professionelle Dienstleister abgeben”, sagt Faltin. Dass dies möglich ist, zeigt das Unternehmen Ratio­drink, das der Professor gemeinsam mit Geschäftsführer Rafael Kugel ­gegründet hat. Die Idee: Fruchtsaftkonzentrat verkaufen, das der Kunde selbst mit Wasser zu Saft mischen kann. “Machen wir das Produkt selbst? Nein!”, so Faltin. Ein Hersteller für Fruchtsaftkonzentrate liefert an. “Abfüllen? Macht ein weiterer Dienstleister”, genauso wie Logistik und Versand. Buchhaltung und Se­kretariat übernimmt ein Büroservice. “Die Firma besteht zu 100 Prozent aus Komponenten und verkauft preiswerter als Aldi”, sagt Faltin.

    Angebote genau prüfen

    So konsequent muss nicht jeder Gründer auslagern. Häufig hilft es bereits, besonders zeitintensive oder lästige Bereiche abzugeben. Wie jedoch entscheiden bei der Flut der Anbieter im Internet? Andreas Lenz, Gründer des Webportals T3n, durchforstet regelmäßig das Netz nach speziellen Angeboten für Startups. Er empfiehlt, gerade bei elementaren Dienstleistungen wie Buchhaltung oder Rechnungs­abwicklung gut etablierte Anbieter auszuwählen, die bereits länger am Markt sind. Viele bieten kostenlose Testangebote an. “Nutzen Sie ruhig erst einmal diese Free-Versionen. Aber wenn Sie zufrieden sind, steigen Sie auf das ­kostenpflichtige Angebot um”, so der Softwareexperte. Er sei überzeugt davon, dass guter Service auch etwas kosten müsse, so Lenz.

    Wer dennoch keinen passenden Anbieter findet, kann auch selbst ausschreiben – zum Beispiel auf einem Portal wie Fernarbeit.net. Hier tauschen Unternehmen und virtuelle

    Assistenten Gesuche und Ange­bote aus. Der Gründer des Portals, Johannes Völkner, ist selbst ein Anhänger der Outsourcing-Philosophie. Gerade bastelt er an einer Seite namens Webworktravel, einem Reiseführer zu den schönsten Orten mit W-Lan. Für alle, die ihr Unternehmen aus dem Ausland führen wollen. Mit ihrem Büro auf dem Schoß.


    Viele fleißige Helferlein – für (fast) alles

    Vom Sekretär bis zum Mystery Shopper: Gründer finden zur Entlastung zahlreiche Dienstleistungsangebote im Internet – eine Übersicht:

    Virtuelle Assistenz

    Via Skype, E-Mail oder Telefon können klassische Sekretariatsaufgaben wie Terminkalender oder Reisebuchungen abgegeben werden. Je nach Anbieter gibt es auch Spezialisten für Marketing, Social Media und Texterstellung. Einige Anbieter sitzen im Ausland.

    Anbieter Internetadresse Kosten
    Freedays www.free-days.de Preisstaffelung, 29 – 39 Euro pro Stunde
    Freiarbeiter www.freiarbeiter.com Preisstaffelung, Zehnerpaket: 22 Euro pro Stunde, auch im Abo möglich
    Mein-virtuellerassistent.com www.mein-virtuellerassistent.com Preisstaffelung, Zehnerpaket: 16,50 Euro pro Stunde
    Strandschicht www.strandschicht.de Preisstaffelung, 10 Euro pro Stunde ab zehn Stunden pro Monat

    Telefonservice

    Anrufe werden angenommen, bearbeitet oder weitergeleitet. Entweder dauerhaft oder nur bei Abwesenheit. Je nach Anbieter ist auch ein 24-Stunden-Service möglich.

    Anbieter Internetadresse Kosten
    Bueroservice24.de www.bueroservice24.de 39,90 Euro pro Monat, 0,75 Euro pro Anruf und Minute
    Calloffice www.calloffice.de Aktivierungsgebühr: 49,99 Euro; 19,99 Euro pro Monat, 1 Euro pro Anruf
    Ebuero www.ebuero.de 39 Euro pro Monat, 0,74 Euro pro Anruf und Minute
    Fasttalk www.fasttalk.de Anmeldegebühr: 18 Euro; auch ohne Grundgebühr möglich, Kosten pro Anruf und Minute zwischen 0,44 und 0,89 Euro
    Online-Sekretariat www.online-sekretariat.de (noch nicht gestartet) 79 Euro pro Monat, 0,50 Euro pro Anruf und Minute, ohne Paket 0,89 Euro
    Topbüro www.topbuero.de auf Anfrage

    Buchhaltung

    Sämtliche Belege werden gescannt und per E-Mail an den Dienstleister geschickt, der alle Buchungen erfasst. Je nach Anbieter sind auch zusätzliche Analysen möglich.

    Anbieter Internetadresse Kosten
    Firma.de www.firma.de Buchhaltung: 89 Euro pro Monat; Lohnabrechnungen: 99 Euro pro Monat
    MWS-Buchhaltungsservice www.mws-buchhaltungsservice.de Preisstaffelung, ab 0,40 Euro pro Buchungszeile
    Scopevisio www.scopevisio.com Preisstaffelung, ab 59 Euro pro Monat für bis zu 50 Buchungen

    Minijobs

    Recherchen, Mystery Shopping oder Programmieren können auf Onlineplattformen ausgeschrieben werden. Bezahlt wird pro Auftrag. Möglich sind auch sehr kurzfristige Aufgaben.

    Anbieter Internetadresse Kosten
    Streetspotr www.streetspotr.com Für Smartphone-Nutzer, Bezahlung je nach Auftrag
    Amazon Mechanical Turk www.aws.amazon.com/de/mturk Zehn Prozent der Bezahlung pro Job gehen an Amazon
    Fernarbeit www.fernarbeit.net Onlineportal, Bezahlung je nach Auftrag

    • Quelle: impulse
    • Copyright: impulse
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