Management Wie Jürgen Krenzer den Familienbetrieb seiner Eltern auf den Kopf stellte

  • Serie
  • Aus dem Magazin
Querdenker: Unternehmer Jürgen Krenzer

Querdenker: Unternehmer Jürgen Krenzer© Alexandra Lechner für impulse

Als Jürgen Krenzer vor gut 25 Jahren das Hotel seiner Eltern übernahm, stellte er alles infrage und veränderte vieles – mit Erfolg. Was Sie von dem Unternehmer aus Osthessen lernen können.


Die Geschichte von Jürgen Krenzers Rhönschaf-Hotel beginnt mit Schnitzeln. Und zwar ziemlich vielen davon: mit Jägersoße, mit Zwiebeln, nach Wiener Art, in Rahmsoße getränkt. Acht Mark fünfzig ohne, neun Mark fünfzig mit Pommes. „So sah tatsächlich unsere Speisekarte aus“, erinnert sich Jürgen Krenzer, als er den Teilnehmern des impulse-Netzwerktreffens ein altes Menü des Gasthofs Zur Krone aus den 80er-Jahren zeigt.

Damals war seine Mutter noch Geschäftsführerin des kleinen Hotels in Ehrenberg-Seiferts, einem 560-Einwohner-Dorf in der hessischen Rhön. Nachdem Krenzers Vater früh gestorben war, schmiss sie den Laden allein. Im August 1988 meldete sich die Mutter schließlich bei ihrem Sohn: „Junge, ich schaff’s nicht mehr. Entweder du kommst heim, oder ich verkaufe.“ „Eigentlich wollte ich nie Gastronom werden“, erinnert sich Krenzer, der damals bei einem Lebensmittelkonzern angestellt war. Zu schlecht waren die Erinnerungen an das Geschäft, das die Eltern fast aufrieb. Und dann immer wieder dieses Schnitzel – eine Qual.

Anzeige

Regionale Spezialitäten als Nische

Aber seine Mutter im Stich lassen? Das wollte Krenzer mit seinen damals 23 Jahren auch nicht. Also fuhr er zu seinem Elternhaus in die Rhön – und begann damit, den Familienbetrieb auf den Kopf zu stellen: Er schuf eine beinahe schnitzelfreie Zone. Nur ein „Lieblingsschnitzel“ blieb übrig. Stattdessen fand er in zwei regionalen Spezialitäten eine Nische, die er bis heute konsequent vermarktet.

Eine davon ist Krenzers hauseigener Apfelsherry. Das Klima seiner Heimat bietet dem Gastronomen viele seltene Apfelsorten. Für die Saftherstellung oder zum Verzehr sind die meisten Rhöner Äpfel jedoch zu sauer. Deshalb macht Krenzer Alkohol daraus. 20 verschiedene Sherrys bietet er in seinem Laden an. Die Produktion des Likörweins hat sich Krenzer als junger Mann selbst beigebracht – „mit ein paar Päckchen importierter Sherry-Hefe in meinem Keller“.

Neben den Äpfeln hat der Unternehmer seinen Erfolg vor allem einem Tier aus der Region zu verdanken, das Krenzers Hotel seit 2002 sogar seinen Namen leiht: das Rhönschaf. Ob im Tiegel, als kräftige Pfanne mit Saisongemüse oder als „Mäh-Pasta“ (Spaghetti Bolognese mit Schaffleisch) – Krenzers Küche verarbeitet das gesamte Rhönschaf. Nicht zuletzt auch aus Kostengründen: Ein Kilo der regionalen Spezialität kostet im Schnitt dreimal so viel wie ein Kilo Lammkeule aus Neuseeland.

„Artenschutz per Speisekarte?“

Auf die Idee mit dem Schaf brachten Krenzer vor gut 20 Jahren paradoxerweise Tierschützer. Damals war das Rhönschaf vom Aussterben bedroht. Würden Restaurants ihren Gästen das Tier servieren, so der Gedanke seiner Schützer, hätten Landwirte wieder einen Anreiz, die Rasse zu halten. Krenzer glaubte an das Konzept – als einziger von gut zwei Dutzend Gastronomiebetrieben aus der Rhön, mit denen die Tierschützer ebenfalls gesprochen hatten. „Artenschutz per Speisekarte?“, fragten seine Rhöner Konkurrenten spöttisch und belächelten Krenzer.

Allerdings nicht lange. Bald schon wurde sein Alleingang zum Erfolgsweg: Der Umsatz stieg von 157.000 D-Mark im Jahr 1988 (das Jahr, in dem Jürgen Krenzer den Betrieb übernahm) auf heute 1,3 Millionen Euro; Umsatzrendite: mehr als 20 Prozent, sagt er. Auch die Bettenauslastung entwickele sich nach oben – von 25 Prozent (1988) auf heute fast 70 Prozent. Inzwischen sind die Kritiker verstummt – und servieren teilweise selbst das Schaf aus der Region. „Wenn dich alle auslachen – dann bist auf dem richtigen Weg“, sagt Krenzer. Den Satz hat er auf eine Tafel in seiner Wirtsstube geschrieben, dort, wo alle Gäste ihn lesen können. Und seine Konkurrenten auch.

Auf der nächsten Seite lesen Sie Jürgen Krenzers Tipps für Unternehmer.

Seiten: 1 2
Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.