Zeitwertkonten für Geschäftsführer Vorsorgen und Steuern sparen

Zeitwertkonten sind auch für als Geschäftsführer angestellte Firmenchefs eine interessante Option der Altersvorsorge.

Zeitwertkonten sind auch für als Geschäftsführer angestellte Firmenchefs eine interessante Option der Altersvorsorge.© Snehit / Fotolia.com

Zeitwertkonten sparen Steuern und sind sicherer als jede Firmenrente. Bei als Geschäftsführer angestellten Firmenchefs stellen sich die Finanzämter aber oft quer - zu Unrecht.

Kein Weihnachtsgeld, kein Urlaubsgeld, auch nicht die vollen Tantiemen – die Geschäftsführerin eines Frankfurter Reisebüros verzichtete freiwillig. Vorerst. Mehrere Jahre zahlte die GmbH-Chefin, die ihren richtigen Namen nicht gedruckt sehen will, fleißig Geld auf ein Konto. Am Ende entsprach das Guthaben dem Zweieinhalb­fachen ihres Jahresgehalts. Doch wozu das alles?

Um ein Zeitwertkonto aufzubauen. Damit lassen sich Zeit und Geld für später sparen, für eine Weltreise, mehr Zeit mit den Enkeln oder den gleitenden Übergang in die Rente. All das geht mit einem solchen Modell. Steuern spart es obendrein. Und neuerdings steht es nicht nur Angestellten, sondern auch allen Unternehmern offen − was sie der Inhaberin des Frankfurter Reisebüros zu verdanken haben. Denn sie hat sich gegen alle Widerstände, vor allem die des Finanzamts, durchgesetzt.

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Mit Zeitwertkonten können Unternehmer Steuern sparen

Was sie auf ihr Extrakonto packte, gab die Unternehmerin in der Einkommensteuererklärung zunächst nicht an, sondern verschob die Zahlungen auf später. Damit konnte sie Steuern sparen − nicht nur für den Moment, sondern insgesamt, weil das Einkommen über die Jahre verteilt niedriger ist und der durchschnittliche Steuersatz damit sinkt.

Beim Finanzamt kam das nicht gut an. Die Beamten erkannten das Konto nicht an und verlangten Nachsteuern in fünfstelliger Höhe, wie es ein Erlass aus dem Bundesfinanzministerium vom Juni 2009 vorsieht. Die Unternehmerin klagte und bekam vom Hessischen Finanzgericht recht (Az.: 1 K 250/11) – und zwar endgültig. Das Finanzamt ließ die Frist für eine Revision vor dem Bundesfinanzhof verstreichen. „Das Finanzamt hätte sowieso verloren“, ist sich Anwalt Erwin Miller sicher, der die Reisebürochefin vertreten hat.

Auch wenn die Finanzämter es immer wieder in Zweifel ziehen, steht spätestens seit diesem Urteil fest: Auch Unternehmer können sich aus ihrem Gehalt ein Zeitwertkonto aufbauen. Voraussetzung ist, dass die Firma als GmbH oder AG organisiert und der Firmenchef als Geschäftsführer oder Vorstand angestellt ist. So wie die Reisebürochefin: Sie ist Geschäftsführerin ihrer eigenen GmbH. Nachdem ihr Sohn in die Leitung der Firma eingestiegen war, ließ sie es ruhiger angehen. Fünf Jahre war sie noch halbtags im Büro, bekam dennoch das volle Gehalt – 50 Prozent von der GmbH, 50 Prozent aus ihrem Zeitwertkonto: „Das Geld brauchte ich, bevor meine Rentenversicherungen fällig wurden“, erzählt sie.

Arbeitgeber müssen Zeitwertkonten vor Wertverlust und Insolvenz schützen

Eigentlich ist das Modell Zeitwertkonto für Arbeitnehmer gedacht. Der Gesetzgeber will mit den sogenannten Flexigesetzen I und II die Work-Life-Balance verbessern. Die Idee: Es gibt zwei Phasen im Leben. In der ersten steht die Karriere im Vordergrund. Der Mitarbeiter zieht Projekte durch, ohne auf die Uhr zu schauen. Überstundenvergütungen, Boni, Weihnachtsgeld oder Provisionen lässt er sich nicht auszahlen, sondern im Zeitwertkonto stehen. Das geht auch mit dem laufenden Gehalt. Der Arbeitgeber muss das Konto vor Wertverlust und Insolvenz schützen und das Geld anlegen, die Zinseinnahmen stehen dem Mitarbeiter zu. Es fallen keine Steuern oder Sozialbeiträge an.

In der zweiten Phase stehen andere Themen im Vordergrund. Er nimmt sich eine Auszeit, pflegt Angehörige, macht den lange verschobenen Hochschulabschluss oder hört ein paar Jahre vor der Rente auf zu arbeiten. Dennoch fließt sein Gehalt praktisch in gleicher Höhe weiter. Steuern und Beiträge zur Sozialversicherung werden erst jetzt fällig. Jetzt mehr arbeiten, später mehr leben, dabei auch noch Steuern sparen − es überrascht nicht, dass auch Unternehmer diese Vorteile für sich nutzen wollen. Zumal sich die Gehaltsverschiebung bei Gesellschafter-Geschäftsführern besonders gut rechnet. Denn sie zahlen in der Regel keine Sozialversicherungsbeiträge und müssen selbst vorsorgen. „Zeitwertkonten sind dabei deutlich besser als Pensionszusagen, um GmbH-Chefs für das Alter abzusichern“, sagt Anwalt Miller.

Zeitwertkonten kann man vererben

Erstens belasten Zeitwertkonten das Unternehmen später nicht. Zweitens ist selbst im Konkursfall die Altersvorsorge des Chefs nicht in Gefahr, da das Geld sicher angelegt werden muss. Ein weiteres Plus: Der GmbH-Geschäftsführer kann noch spät ein Zeitwertkonto anlegen und mit dem Geld seine Rente aufbessern. Die übliche Grenze für normale Pensionszu­sagen liegt dagegen bei 60 Jahren, die Pension muss zehn Jahre erarbeitet werden, der Chef in diesem Fall bis 70 arbeiten. Noch einen Vorteil der Zeitwertkonten: „Im Gegensatz zu vielen anderen Vorsorgeprodukten ist es in voller Höhe und an beliebige Personen vererbbar“, sagt Miller.

All diese Vorzüge wollte auch der Inhaber eines Handyvertriebs für sich nutzen. Nach der Gründung seiner Firma hatte er schnell Erfolg – und ein Jahresgehalt von 400 000 Euro. Zum Leben brauchte er lange nicht so viel, die Hälfte packte er auf ein Zeitwertkonto. Eines war klar: Die fetten Jahre würden irgendwann vorbei sein. Jetzt liegen rund 600.000 Euro auf einem fest verzinsten Zeitwertkonto, aus dem der Unternehmer später seine Rente bestreiten wird. Er war gerade einmal 25, als er seine Altersvorsorge sicher hatte − mit einer Pensionszusage unmöglich. Das Finanzamt hat das aber noch nicht abgesegnet. Der Steuerbescheid lässt seit drei Jahren auf sich warten. Auch dieser Unternehmer will seinen Namen nicht gedruckt sehen.

Stress mit dem Finanzamt hat auch Peter Buchholz. Er unterhält mit seiner Frau im thüringischen Elleben eine Handelsvertretung für Friseurbedarf und Kosmetikartikel. Sie ist Geschäftsführerin, er leitender Angestellter. Die Beamten hatten sein Zeitwertkonto nicht anerkannt und verlangten eine Nachzahlung von über 52.000 Euro. Die Beamten stießen sich daran, dass in dem Vertrag zwischen Peter Buchholz und seiner GmbH nicht klar bestimmt war, was später mit dem Geld geschehen soll. Die genannten Möglichkeiten – Verkürzung der Lebensarbeitszeit, Sabbatical oder Umwandlung in eine betriebliche Altersversorgung – waren dem Finanzamt zu vage.

„Ich hätte mich von vornherein festlegen müssen. Das ist normalerweise nicht üblich“, sagt der Unternehmer. Jetzt liegt das Verfahren beim Thüringischen Finanzgericht (Az.: 4 K 218/13). Das Finanzamt zweifelt nun gar die Wirksamkeit der Verträge an und lässt prüfen, ob sie nachträglich erstellt wurden. „Jetzt gibt es erst einmal eine kriminaltechnische Untersuchung des Auftrags zur Entgeltumwandlung, ob Papier und Tinte wirklich aus 2007 stammen“, ärgert sich Buchholz.

Eine rechtlich wirksame Vereinbarung zu Zeitwertkonten ist wichtig

So starrsinnig die Finanzämter agieren, so konstant bestätigen die Gerichte, dass GmbH-Geschäftsführer Zeitwertkonten aufbauen dürfen, so etwa das Finanzgericht Düsseldorf (Az.: 4 K 2834/11 AO) und das Niedersächsische Finanz­gericht (Az.: 14 K 202/11). Dennoch sollten Unternehmer die Verträge zu den Zeitwertkonten sorgfältig ausarbeiten, zumal beide Verfahren noch vom Bundesfinanzhof abgesegnet werden müssen.

„Besonders bei Gesellschafter-Geschäftsführern, die in der GmbH die Mehrheit haben, sollte per separatem Vertrag eine klare, eindeutige und rechtlich wirksame Vereinbarung zu Zeitwertkonten getroffen werden, natürlich schriftlich“, empfiehlt Wolfgang Heidl, Anwalt in der Kanzlei Köllner, Bittner in Helmbrechts. Wer sich nicht sicher ist, ob das Finanzamt mitspielt, kann eine Anrufungsauskunft einholen. Dann heißt es je nach Antwort: entweder per Zeitwertkonto sparen oder sich durch die In­stanzen klagen. „Man sollte sich bei einer Ablehnung vom Amt nicht scheuen, vor das Finanzgericht zu ziehen“, ergänzt Steuerberaterin van Buren. Es kann sich lohnen.

cover_110 Ein Artikel aus impulse 08/2013
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