Vorstellungsgespräch Diese Fragen sollten Arbeitgeber an Bewerber stellen!

Mit klugen Fragen können Arbeitgeber selbst in einem recht kurzen Vorstellungsgespräch viel über Bewerber erfahren.

Mit klugen Fragen können Arbeitgeber selbst in einem recht kurzen Vorstellungsgespräch viel über Bewerber erfahren.© ptnphotof - Fotolia.com

Welche Fragen sollten Arbeitgeber an Bewerber im Vorstellungsgespräch unbedingt stellen – und welche sind tabu? Zwei Experten geben Tipps.

Der größte Fehler im Vorstellungsgespräch ist, auf den ersten Eindruck zu gehen. Denn im Gedächtnis bleiben selbstbewusste, rhetorisch gewandte Bewerber. Aber mit welchen Fragen können Sie hinter die Fassade blicken? Und mit welchen Fragen, die nicht an der Oberfläche bleiben, können Sie den Bewerber innerhalb der kurzen Zeit des Vorstellungsgesprächs besser kennenlernen? Wir haben zwei Experten gefragt, welche Fragen sie Bewerbern gerne stellen – und anderen Arbeitgebern empfehlen. Und welche Fragen Unternehmen nicht stellen sollten.

Diese Fragen sollten Sie an Bewerber stellen:

  • Wie haben Sie sich auf den Termin heute vorbereitet?
    → „Das ist eine Frage, die ich gerne stelle“, sagt Goran Barić, Geschäftsführer der Personalberatung PageGroup Deutschland. „Denn sie zeigt, wie wichtig dem Bewerber dieses Gespräch und der neue Job ist. Bereitet er sich systematisch vor? Die Frage ist ein guter, angenehmer Übergang vom Small Talk auf die Sachebene. Der Kandidat kommt dadurch idealerweise ins Reden.“

 

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  • Wie stellen Sie sich Ihren Start/die ersten drei Monate hier bei uns vor?
    → „Bei dieser Frage gibt es keine falsche oder richtige Antwort. Aber ich erfahre, inwieweit sich der Bewerber schon mit seiner künftigen Rolle im Unternehmen auseinandergesetzt hat“, sagt Barić. „Einige Bewerber überfordert diese Frage. Interessant ist hierbei zu sehen, wie der Bewerber mit dieser Unsicherheit umgeht. Bringt das den Kandidaten durcheinander oder kann er souverän erklären, dass er sich bereits persönliche Ziele gesetzt hat, etwa: ‚In den ersten 100 Tagen will ich mit allen Leuten beim Mittagessen gewesen sein, mit denen ich im Unternehmen zusammenarbeite.'“

 

  • Warum wollen Sie das Unternehmen wechseln?
    → „Gute Kandidaten entwickeln eine positive Vision ihres neuen Arbeitsplatzes. Und andere Kandidaten fangen bei dieser Frage an, über ihren alten Arbeitgeber zu lästern“, sagt Barić. „Das ist nicht professionell und sagt viel über den Kandidaten. Ist er womöglich einer Kündigung zuvor gekommen?“

 

  • Wie ist Ihr aktueller Chef?
    → „Wer selber führt, muss auch die Kriterien guter oder schlechter Führung benennen können“, betont Barić. „Von einem guten Kandidaten können Sie erwarten, dass er konkrete Führungsgrundsätze anspricht. Es zeigt außerdem, welche Hilfestellung er von seinem Vorgesetzten erwartet und was ihn nervt – vielleicht weil die Führungskraft eine Schwäche identifiziert hat.“

 

  • Erzählen Sie mir von guten Erfahrungen, die Sie in Ihrem Leben gesammelt haben!
    → „Anhand dieser Frage können Sie erkennen, was dem Bewerber wichtig ist“, sagt Barić. „Legt er zum Beispiel besonderen Wert auf enge und vertrauensvolle Freundschaften, ist der Kandidat eher ein abenteuerlustiger Mensch, definiert er Erfolg auch über inhaltliche Themen und vor allem: Weiß der Gesprächspartner gute Erfahrungen auch als solche zu schätzen?“

 

  • Erzählen Sie mir von Themen, an denen Sie gescheitert sind!

→ „Mit dieser Frage können Sie nachspüren, ob jemand genug reflektiert ist, seine Schwächen zu erkennen und mit Rückschlägen konstruktiv umzugehen“, sagt Barić. „Ist der Gesprächspartner in der Lage Verantwortung auch für das Scheitern zu übernehmen und daraus für die Zukunft zu lernen?“

 

  • Wer ist Ihr Vorbild – und warum?
    → „Hier interessiert die Begründung. Daraus lassen sich Rückschlüsse ziehen, in welchem Kontext und mit welchen Prioritäten der Gesprächspartner sich bewegt“, sagt Barić. „Nennt jemand einen Sportler, steht das für Wettbewerb, Ehrgeiz und Disziplin. Wenn er oder sie jemanden aus der Familie nennt, dann sind soziale Beziehungen und Ausgleich ihm besonders wichtig.“

 

  • Erzählen Sie, was das Verrückteste war, was Sie bisher in Ihrem Leben gemacht haben!
    → „Ein guter Abschluss für die erste Gesprächsphase“, sagt Barić. „Wir stellen diese Frage immer gerne, egal ob bei einem Controller oder einem Vertriebsmitarbeiter. An der Antwort kann man erkennen, wie offen ein Bewerber ist, was er sich zutraut und wagt – und wo die eigenen Grenzen sind. Hier kann er Persönlichkeit zeigen.“

 

Diese Fragen dürfen Sie Bewerbern nicht stellen

„Grundsätzlich gilt: Alles was ins Persönliche geht, darf man nicht fragen“, betont Albrecht Müllerschön, Berater und Coach für Personal- und Organisationsentwicklung. „Die Ausnahme: Wenn das für die jeweilige Stelle wichtig ist – wenn es also berufsrelevant ist oder es sich auf die Gesundheit auswirkt.“ Soll eine Bewerberin zum Beispiel im Labor arbeiten oder körperlich schwer tragen, dann dürfe man sogar fragen, ob sie schwanger ist. „Dann müssen die Bewerber auch ehrlich antworten“, sagt Müllerschön. Bei einem normaler Bürojob sei dies aber nicht erlaubt.

Auch Fragen nach Hobbies sind laut Müllerschön tabu. „Deshalb frage ich zum Beispiel: ‚Was machen Sie, um Ihre Batterien aufzuladen?‘ Dann erzählen die Bewerber von selbst über ihre Freizeitaktivitäten.“ Auch Fragen zur Religion, zur Politik oder zum Gesundheitszustand sollte man ausklammern.

 

Bitte kein Kreuzverhör!

„Das Vorstellungsgespräch sollte kein Kreuzverhör sein – also kein Gespräch mit dem Ziel, den Bewerber mit den Fragen klein zu machen oder in die Ecke zu drängen. Diese Zeiten sind vorbei“, sagt Barić. „Es geht darum mündige Bewerber gut und höflich zu behandeln und intelligent in ein Gespräch zu verwickeln, um etwas über die Person zu erfahren. Denken Sie daran, dass die Art der Fragen auch viel über den Fragesteller verrät.“

 

Keine fiesen Fragen!

„Jemanden mit Fragen aufs Glatteis zu führen, ist heikel“, sagt Müllerschön. „Das wird zwar immer wieder gemacht. Wenn das Anforderungsprofil es nicht notwendig macht, sollte man aber keine fiesen Fragen stellen, die Bewerber unter Druck setzen. Das ist einfach unfair.“ Einzig wenn das Thema Belastbarkeit ein wichtiger Punkt sei, könne man Fragen stellen, die unerwartet sind und Stress auslösen, sagt Müllerschön. „Ansonsten sollte man das aber vermeiden.“

Fragen, die Druck machen und belasten, sollten außerdem höchstens zwei bis drei Minuten lang gestellt werden, rät der Experte. Wichtig sei außerdem, sich danach dafür zu entschuldigen, damit die Bewerber wissen, dass das ein Test war und man in der Firma nicht immer so miteinander umgeht. „Ich sage dann: ‚Ich wollte einfach mal prüfen, wie Sie reagieren, wenn Sie unter Druck stehen.'“

 

Über die Interviewpartner:

Goran Barić ist Geschäftsführer der PageGroup Deutschland und hat bereits mehrere Tausend Bewerbungsgespräche geführt.

Albrecht Müllerschön berät und trainiert Führungs- und Fachkräfte, studierte Psychologie und Rechtswissenschaften. Er ist Lehrbeauftragter für Recruiting und Interviewtechniken an der “International Business School ZfU” (Schweiz) und Autor mehrerer Fachbücher zum Thema Bewerberauswahl.

 

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