Soft Skills im Vorstellungsgespräch Mit diesen Fragen prüfen Sie Soft Skills der Bewerber

Soft Skills zählen neben den fachlichen Qualifikationen zu den wichtigsten Kriterien, wenn es um die Beurteilung von Bewerbern geht.

Soft Skills zählen neben den fachlichen Qualifikationen zu den wichtigsten Kriterien, wenn es um die Beurteilung von Bewerbern geht. © picture-alliance / beyond/Sonntag

Mit welchen Fragen können Arbeitgeber Soft Skills bei Bewerbern abklopfen? Zwei Experten geben Tipps für schlaue Fragen im Vorstellungsgespräch.

Sorgfalt, Eigeninitiative, Kritikfähigkeit: Soft Skills zählen neben den fachlichen Qualifikationen zu den wichtigsten Kriterien, wenn es um die Beurteilung von Bewerbern geht. Doch welche Fragen sollten Arbeitgeber stellen, damit sie ehrliche Antworten bekommen, die bei der Beurteilung der Kandidaten wirklich weiterhelfen? Ein kleiner Leitfaden für Vorstellungsgespräche.

 

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Fragen zu Soft Skills – die Grundregel

„Fragen zu Soft Skills sind nur effektiv, wenn sie sich auf die Vergangenheit beziehen“, sagt Albrecht Müllerschön, Berater und Coach für Personal- und Organisationsentwicklung. „Fragen zur Zukunft provozieren dagegen in der Regel sozial erwünschte Antworten.“

So wäre es falsch: Was würden Sie tun, wenn ihr Kollege Sie schlecht macht?
„In 90 Prozent der Fälle sagen die Bewerber: ‚Ich würde das offene Gespräch suchen’”, sagt Müllerschön. „Diese Antwort ist nutzlos. Die Praxis zeigt, dass viele Arbeitnehmer den Kollegen ebenfalls schlecht machen werden.”

So ist es richtig: Wurden Sie in der Vergangenheit von einem Kollegen schlecht gemacht? Wenn ja, wie haben Sie reagiert und wie wurde der Konflikt geschlichtet? Nennen Sie bitte Beispiele.

 

Diese Fragen empfehlen Experten zur Überprüfung bestimmter Soft Skills:

 

Belastbarkeit

„Den Punkt Belastbarkeit können Sie nach dem zuvor genannten Prinzip abfragen“, sagt Müllerschön – zum Beispiel so:

  • Nennen Sie berufliche Situationen aus der Vergangenheit, die für Sie belastend oder anstrengend waren! Wie sind Sie damit umgegangen? Wie haben andere darauf reagiert? Und was war das Resultat?

Weitere mögliche Fragen:

  • Was war ihr bisher letzter oder größter Misserfolg? Wie haben Sie sich verhalten? Was war das Ergebnis?
  • Halten Sie sich selbst für belastbar? Und woran machen Sie das fest?
  • Stellen Sie sich vor, Sie sind Teamleiter oder Teamleiterin in einem sehr arbeitsintensiven Projekt, an dem verschiedene Abteilungen und Kollegen zusammenarbeiten. Welche Tools bringen Sie mit, um das Projekt erfolgreich zu strukturieren und Belastungen in Grenzen zu halten?

→ „So stellen Sie fest, ob die Bewerberin oder der Bewerber auch in komplexen Projekten mit vielen Playern den Überblick behält und ob sie/er gelernt hat, professionell und strukturiert mit Stress umzugehen“, sagt Goran Barić, Geschäftsführer der Personalberatung PageGroup Deutschland.

 

Kundenorientierung

  • Was heißt für Sie Kundenorientierung? Nennen Sie Beispiele aus der Vergangenheit, die Ihre Stärken in diesem Bereich zeigen!
  • Was denken Sie: Was erwarten unsere Kunden als nächsten Schritt von unserem Unternehmen?

→ „Die Frage zielt auf die Empathie und die Fähigkeit des Bewerbers, die Perspektive zu wechseln. Kennt er Ihre Zielgruppen und kann er sich in sie hineinversetzen? Außerdem zeigt sich, ob der Kandidat eine realistische Vorstellung der neuen Aufgaben hat“, sagt Personalexperte Barić.

 

Sorgfalt

  • Nennen Sie Beispiele aus der Vergangenheit, die sorgfältiges Arbeiten erforderten!
  • Wie haben Sie sichergestellt, dass Sie zuverlässig oder fehlerfrei arbeiten?
  • Nennen Sie ein Beispiel, bei dem Sie die Sorgfalt vernachlässigt haben? Was war das Ergebnis? Was haben Sie daraus gelernt?
  • Wenn Sie unter Zeitdruck stehen, was ist Ihnen wichtiger: Einen Termin einzuhalten oder auf die Sorgfalt zu achten?

 

Teamfähigkeit

  • Wenn Sie sich heute entscheiden müssten, für immer allein zu arbeiten oder mit anderen zusammen zu arbeiten im Team: Für was würden Sie sich entscheiden? Und warum?

→ „Man erfährt so, ob jemand tendenziell eher ein Einzelkämpfer oder ein Teamworker ist“, sagt Müllerschön.

  • Was zeichnet Sie in der Zusammenarbeit mit anderen Menschen besonders aus? Nennen Sie ein Beispiel aus der Vergangenheit!
  • Welche Rolle nehmen Sie üblicherweise in Gruppen ein? Nennen Sie Beispiele!
  • Mit welcher Art von Menschen arbeiten Sie gerne zusammen? Eher mit ruhigen, dominanten, spaßigen oder strukturierten Kollegen?
  • Wie würden Sie Menschen beschreiben, mit denen Sie gerne zusammenarbeiten? Welche Stärken oder Schwächen haben diese?
  • Mit wem arbeiten Sie weniger gerne zusammen? Und warum?
  • Aus welchen Abteilungen würden Sie für diese Projekte Kollegen mit einbeziehen und wie gehen Sie dabei vor?

→ „Für welche Abteilungen entscheidet sich der Kandidat und mit welcher Begründung? Die Antworten geben Aufschluss darüber, ob der Bewerber im Team denkt und ob er bereit ist, Impulse von außen anzunehmen und Verantwortung zu delegieren“, sagt Barić.

 

Eigeninitiative

  • In welcher Situation haben Sie bewiesen, dass Sie Eigeninitiative haben?
  • Wenn Sie nicht mehr weiterkommen: Was tun Sie dann?
  • Welche selbständigen Tätigkeiten hatten Sie in der beruflichen Vergangenheit? Beispiele?
  • Welche Freiheiten sind Ihnen wichtig?
  • Wie werden Sie von Kollegen oder Ihrer jetzigen Führungskraft bezogen auf Ihre Eigeninitiative beschreiben?
  • Welche Rahmenbedingungen können Ihre Initiative behindern oder blockieren?

 

Kritikfähigkeit / Fähigkeit zur Selbstreflexion

„Ich stelle gerne diese Frage: Versuchen Sie einmal aus sich herauszugehen und beobachten Sie sich von außen: Was gefällt Ihnen an sich? Womit sind Sie glücklich? Welche Themen wollen Sie an sich weiterentwickeln?“, sagt Goran Barić, Geschäftsführer der Personalberatung PageGroup Deutschland.

Es gibt Menschen, denen es schwerfällt, sich selbst kritisch zu hinterfragen“, sagt Barić. „Das ist heute aber eine ganz wichtige Eigenschaft für einen Teamplayer – insbesondere für jemanden, der Verantwortung bis hin zu Führungsaufgaben übernehmen möchte.

Um die Fähigkeit zur Selbstreflexion zu prüfen, eigne sich außerdem diese Frage, sagt Barić:

  • Warum wollen Sie den Job wechseln?

 

Hier lesen Sie, welche klugen Fragen Sie Bewerbern unbedingt stellen sollten – und welche Fragen auf keinen Fall.

 

Über die Interviewpartner:

Goran Barić ist Geschäftsführer der PageGroup Deutschland und hat bereits mehrere Tausend Bewerbungsgespräche geführt.

Albrecht Müllerschön berät und trainiert Führungs- und Fachkräfte, studierte Psychologie und Rechtswissenschaften. Er ist Lehrbeauftragter für Recruiting und Interviewtechniken an der “International Business School ZfU” (Schweiz) und Autor mehrerer Fachbücher zum Thema Bewerberauswahl.

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