• Was darf es sein, Mario Zimmermann?

    Nach dem Studium gründet er mit Freunden den Online-Modehandel Brands 4 Friends - einen sogenannten Premium- oder VIP-Shopping-Kanal. Drei Jahre später übernimmt Ebay, für 150 Mio. Euro.

    Zu Fuß ist er herübergelaufen von der Firmenzentrale, die gleich neben dem Friedrichstadtpalast liegt. Es ist Punkt zwölf Uhr, früh in Berlin-Mitte, wo das Mittagessen überall nur Business-Lunch heißt. Beim Nobelitaliener an der Friedrichstraße sind noch alle Tische frei. “Das Mittagsmenü ist immer klasse hier”, sagt Mario Zimmermann und klingt dabei, als wäre das San Nicci eine Uni-Mensa.

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    Vom Alter her würde der Jungmillionär dort noch gut hinpassen. Mit 26 Jahren büffeln andere gerade für die Prüfungen. Viele träumen dabei von einer Karriere, die so schnell und steil verläuft wie die von Mario Zimmermann. “Mein Traum ist Wirklichkeit geworden”, sagt der Unternehmer. “Wir haben sehr hart für den Erfolg gearbeitet, aber man darf sich nichts vormachen.” Es hätte schiefgehen können. “Wir hatten auch Glück.”

    Zimmermann wählt den Tisch ganz hinten in der ruhigen Ecke, bestellt eine Flasche San Pellegrino und versucht, locker herüberzukommen. Reif und seriös wirkt er ohnehin. Reifer und seriöser, als man bei einem erwartet, bei dem Jahrgang 1984 im Ausweis steht und der mit dem Internet reich geworden ist. So ein bisschen der Typ, der schon mit Aktenkoffer ins Gymnasium ging. Die Gucci-Brille mit dem dicken Rand macht ihn älter. Die Dinger sind nicht nur in Berlin-Mitte gerade groß in Mode. Und auf die achtet Zimmermann nicht nur von Berufs wegen.

    Brands 4 Friends heißt das Startup, das er 2007 mitgegründet hat. Die Firma verkauft im Internet Markenware zu Schnäppchenpreisen. Am Anfang musste jeder alles machen: “Von Musterwarenlogistik bis Modellstehen für die Produktfotos und natürlich Abteilungen leiten – welche auch immer.”

    Keine Resterampe, sondern ein exklusiver Shoppingklub will Brands 4 Friends sein. Wer einkaufen will, muss Mitglied werden. “Geräuschlosen Abverkauf” nennt Zimmermann das. Wie auch immer, der Laden brummt.

    Brands 4 Friends wächst schnell, eine Weile sogar schneller als seine Strukturen. “Dinge können aus dem Ruder laufen, wenn eine Firma so rasant expandiert. Man muss aufpassen, dass die Prozesse hinterherkommen”, sagt Zimmermann. Tausende Entscheidungen müssen getroffen werden, jede Einzelne könnte falsch sein. “Es gibt niemanden, der darüberschaut. Da gibt es nur dich und dein Team.” Erst vor wenigen Monaten mussten die Investoren plötzlich Geld nachschießen, damit die Firma nicht gegen die Wand fährt.

    Das rasante Tempo hat sich ausgezahlt für die Gründer und ihre Geldgeber. Vor wenigen Wochen übernahm der Internetriese Ebay das Unternehmen und überwies 150 Mio. Euro.

    Die nackten Zahlen lassen das Potenzial erahnen, das Ebay in Brands 4 Friends vermutet. Monatlich melden sich 120.000 Mitglieder neu an, 3,5 Millionen sind es allein in Deutschland. Aus vier Mitarbeitern sind 200 geworden. In Österreich, England und Japan läuft die Expansion. Heute vertreibt Brands 4 Friends auch Motorroller, Kameras und Waschmaschinen.

    Das meiste Geld aus dem Verkauf ging zwar an die Investoren, die vier Gründerfreunde sind aber auch aus dem Gröbsten raus: Millionäre mit Mitte 20. Drei von ihnen haben das Unternehmen bereits in den vergangenen Monaten verlassen. Finanzchef Zimmermann war der letzte. Er überlegt noch, wie es für ihn weitergeht. Brands 4 Friends ist ja sein Baby. “Man hat als Gründer eine Sonderstellung, auch wenn man nicht mehr Gesellschafter ist”, sagt er. “Es fühlt sich aber komisch an.”

    Und eine Portion Größenwahn

    Es gibt da dieses legendäre Foto der Freunde, aufgenommen am ersten Tag der Firmengeschichte im Sommer 2007. Da stehen sie Arm in Arm auf dem Dach des Bayerischen Hofs in München und grinsen in die Kamera. Uns gehört die Welt, sagen die Blicke. “Wir hatten eine Vision”, resümiert Zimmermann, “und eine Portion Größenwahn gehört dazu.”

    Schon bevor er an der privaten European Business School das BWL-Handwerk lernte, wollte Zimmermann Unternehmer werden. Die Eltern hatten es ihm im heimatlichen Eisenach in Thüringen vorgelebt: Als sie durften, gründeten Vater und Mutter eine eigene Firma. 1990 war das, ein Reifen- und Autoservice, den sie auch heute noch betreiben. “Ich kann nicht nur für einen Scheck arbeiten, da bin ich nicht der Typ für”, sagt der Junior.

    Essen & trinken
    Am Admiralspalast, in Sichtweite des Bahnhofs Friedrichstraße, liegt das San Nicci in Berlin. Borchardt-Betreiber Roland Mary hat das Lokal mit den hohen Decken und großen Gemälden 2007 eröffnet. Die Küche kombiniert mediterrane Gerichte mit regionalen. “Der Feinschmecker Guide 2008″ hat das San Nicci zum besten “Szene-Restaurant” Deutschlands gekürt.

    Noch vor dem Verkauf an Ebay trat Zimmermann in die zweite Reihe zurück, suchte einen Nachfolger. “Einen, der das besser kann als ich”, sagt er. Auch die anderen Gründer ordneten sich einem angeheuerten Geschäftsführer unter. Vielleicht haben die Investoren Druck gemacht. Trotzdem nimmt man es Zimmermann ab, wenn er sagt: “Bei einer gewissen Unternehmensgröße braucht es einen bestimmten Managertyp, einen mit Erfahrung.”

    Was nicht heißt, dass Mario Zimmermann in allen Dingen so bescheiden ist. In ein paar Tagen geht er Probe fahren. Ein Porsche soll es werden. 911er, versteht sich.

    Aus dem Magazin
    Dieser Beitrag stammt aus der impulse-Ausgabe 02/2011.

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