Management „Was darf es sein, Valerie Bönström?“

Die Mrs.-Sporty-Gründerin Valerie Bönström liebt leckeres Essen. Beim Italiener verrät die 33-Jährige, warum sie Informatik fasziniert und worüber sie mit Steffi Graf am Telefon spricht.

Zehn vor zwölf. In anderen Stadtteilen geht es jetzt zum Frühstück. Nicht so in Berlin-Wilmersdorf. Hierhin ziehen Eltern wegen der großen Wohnungen und guten Gymnasien, hier kennt der Herr vom Edeka seine Kundinnen noch mit Namen. Und um zwölf Uhr, da ist im Büro schon viel geschafft. Dann geht es zum Mittagstisch beim befreundeten Italiener um die Ecke.

„Ich weiß schon, was ich will“, sagt Valerie Bönström und lacht, als der Kellner die Karte bringt. „Ich habe Sie ja vorgewarnt: Ich bin jemand, der gern isst.“ So ansteckend lacht sie, dass wir uns schon sympathisch sind, bevor der Mozzarella mit Tomaten überhaupt bestellt ist.

Anzeige

Es ist ihr Kiez. Wohnung, Büro, Schule der Kinder, alles ist nahe. Auch das Sportstudio, in dem die ehemalige Hockeyspielerin dreimal die Woche trainiert. Das ist erwähnenswert, weil Bönström die Marke hinter dem Studio – Mrs. Sporty – aufgebaut hat und das Unternehmen leitet. Wobei, „ich bin ja kein Chef“. Korrekter sei: Gründerin, Geschäftsführerin der Muttergesellschaft und Franchisegeberin. Das sei sowieso das beste Geschäftsmodell von allen. Zwischen zwei Schlucken Aperol Sprizz fasst sie die neuesten Ergebnisse internationaler Unternehmensorganisationsforschung zusammen. Kurz gesagt: Strenge Hierarchien sind out, Arbeit auf Augenhöhe in.

Vielleicht läuft es deshalb so gut mit dem Ausbau von Mrs. Sporty. 520 Studios gibt es schon zwischen Nordsee und Alpen. Davon sind Konkurrenten wie McFit und Fitness First, die auf 140 beziehungsweise 80 Standorte kommen, weit entfernt. „Wir sind der Geheimtipp“, sagt Bönström trotzdem. „Wir besetzen eine Nische.“ Die ist ziemlich groß: Mehr als die Hälfte der Bevölkerung, alle Frauen nämlich, gehören zur Zielgruppe. Alles ist ganz auf sie zugeschnitten. Eine halbe Stunde dauert das Zirkeltraining in den kleinen Studios. „Das lässt sich unterkriegen zwischen Beruf, Supermarkt und Klavierunterricht der Kinder“, erzählt Bönström. „Und weil die Frauen unter sich sind, kommen sie auch ohne Schminke im Gesicht.“

Es geht um Gesundheit, Fitness, klar, aber es geht auch ums Zusammensein mit den Freundinnen, ums Quatschen. Also um das Erlebnis. „Zu Starbucks gehen Sie ja auch nicht wegen des guten Kaffees“, sagt Bönström. „Wir sehen uns als Starbucks mit gutem Gewissen.“

Die Idee zu gründen hatte ihr Mann. Ein bisschen bekloppt fand sie damals die Vorstellung. Voll ins Risiko gehen? „Ich bin wohl nicht der typische Unternehmer, der sagt: ,Yippie, wir gründen eine Firma!‘ Ich war eher froh, dass ich eine feste Stelle an der Universität hatte.“ Doch als die ersten Räume angemietet waren, übernahm sie die Leitung. „Er ist der visionäre Typ“, sagt sie. „Ich bin die, die umsetzt.“

Als der nächste Eros-Ramazzotti-Song aus den Lautsprechern rieselt, kommt das Lamm auf den Tisch und Bönström auf ihre Leidenschaft zu sprechen: Informatik. Das hat sie studiert und nebenbei für Pixelpark und IBM gearbeitet, obwohl sie vorher nie eine einzige Zeile programmiert hatte. Weil sie die Herausforderung einfach reizte. „Das ist doch nicht dein Ernst?“, wollte ihr Vater damals wissen. Seine blonde Tochter mit der Kopfrechenschwäche zwischen all den tageslichtscheuen Nerds? Ihren Ehrgeiz hat das nur angespornt. „Mathematik, Logik, Beweisfindung, da stößt man an seine Hirn-grenzen, das ist der Reiz.“ Nach dreieinhalb Jahren war Bönström fertig mit dem Studium, setzte noch einen MBA obendrauf. Zurzeit programmiert sie wieder, und zwar nachts, wenn die Kinder schlafen, für ihre Doktorarbeit.

Am Code arbeitet Bönström auch im Büro. Am Code von Mrs. Sporty. „Ich bin ein Problemlöser. Wenn ich ein Problem sehe, schreibe ich ein Programm, das es löst.“ Das macht sie lieber, als in der Öffentlichkeit aufzutreten. „Manchmal wünsche ich mir ein Double.“

Sie ist darum froh, nicht das Werbegesicht von Mrs. Sporty zu sein. Den Part übernimmt Mitgesellschafterin Steffi Graf. Die ruft öfter mal aus Las Vegas an, um zu fragen, wie es so läuft. „Dann reden wir erst mal ewig über die Kinder“, sagt Bönström. „Sie ist ein großes Vorbild. Diese Disziplin, hunderttausend Stunden auf dem Platz zu stehen und den Ball immer wieder zwischen diese Linien zu schmettern.“

Die berühmte Tennisspielerin damals zu überzeugen, bei Mrs. Sporty einzusteigen, war Bönströms erster Erfolg. Mittlerweile schielt sie bereits auf internationale Märkte, los geht es in Osteuropa und Italien.

Noch schnell einen Cappuccino. Und ein Resümee: „Wenn man etwas wirklich will, dann schafft man das auch.“ Sie merkt selbst, wie das klingt. „Das ist jetzt keine pauschal amerikanische Aussage“, lacht sie. „Das glaube ich wirklich!“

Cucina italiana
Nuovo Mario Grunewald Der Italiener nahe dem Berkaer Platz in Berlin ist ein Stammlokal von Valerie Bönström. Auf der Abendkarte stehen viele klassische Gerichte wie Saltimbocca alla Romana für 19,50 Euro oder Scampi al Pepe für 20,50 Euro. Mittags bietet die neue Businesskarte ein Zwei-Gänge-Menü für 12,50 Euro. Valerie Bönström entschied sich schnell für Mozzarella mit Tomaten als Vorspeise und Lammkotelett vom Grill mit Rosmarin-Knoblauch. Es folgte ein Cappuccino.
Aus dem Magazin
Dieser Beitrag stammt aus der impulse-Ausgabe 03/2012.

Abonnenten erhalten die neueste Ausgabe jeden Monat frisch nach Hause geliefert.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)