Management Was wird aus dem Lebenswerk? Unternehmern fehlen die Nachfolger

Bis 2018 suchen über 100.000 Unternehmen einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin.

Bis 2018 suchen über 100.000 Unternehmen einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin. © crazymedia - Fotolia.com

Viele Unternehmer in Deutschland stecken in der Klemme: Sie suchen händeringend Nachfolger und finden keine. Das gefährdet Arbeitsplätze. Künftig dürfte sich die Lage noch weiter zuspitzen.

Am Ende ihrer Laufbahn stehen viele Familienunternehmer vor dem gleichen Problem: Jahrzehntelang haben sie geackert und viel Herzblut in den Aufbau ihrer Firma gesteckt – doch wer soll das Lebenswerk in die Zukunft führen? Der Nachfolger-Notstand lässt Wirtschaftsverbände Alarm schlagen, und Abhilfe ist nicht in Sicht – im Gegenteil: Ein schwacher Gründergeist in Deutschland, der demografische Wandel und die Digitalisierung der Wirtschaft dürften die Probleme künftig weiter verschärfen.

Rund 135.000 Familienunternehmen mit insgesamt zwei Millionen Beschäftigten müssen sich nach Schätzungen des Instituts für Mittelstandsforschung in diesem und den kommenden vier Jahren nach einem neuen Chef oder einem Käufer umsehen. In manchen Branchen übersteigt ihre Zahl um ein Vielfaches die der potenziellen Nachfolger, beklagt der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK). Am drängendsten sind die Probleme demnach in der Industrie, wo auf fünf Alteigentümer ein potenzieller Übernehmer kommt.

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Hoher Kapital- und Investitionsbedarf

Das liegt vor allem am hohen Kapital- und Investitionsbedarf: Wenn der alte Chef abtritt, müssen häufig Maschinenparks modernisiert, Produktsortimente umgestellt und Geschäftsmodelle überarbeitet werden, sagt DIHK-Experte Marc Evers. Zusätzliche Herausforderungen bringt die Industrie 4.0 mit ihren vernetzten Produktionsprozessen und ganz neuen Kundenbeziehungen. Aber auch Handel, Gastronomie und Verkehrsgewerbe haben zu kämpfen – dort liegt das Verhältnis zwischen Altunternehmern und potenziellen neuen Chefs bei knapp zwei zu eins.

Dabei sind die Probleme oft hausgemacht: Vor allem viele ältere Unternehmer können nur schwer loslassen und ihr Lebenswerk einem Jüngeren anvertrauen. Deshalb kümmern sie sich nicht rechtzeitig um Lösungen und wachen erst auf, wenn es schon fast zu spät ist. Manche Firmenpatriarchen gehen auch mit unrealistischen Preisvorstellungen auf die Käufersuche. Oder es fehlt an qualifizierten Anwärtern auf den Chefposten: Gerade in der Industrie sollten sie nicht nur Erfahrungen in der Unternehmens- und Mitarbeiterführung, sondern auch technisches Know-How mitbringen – das hat beileibe nicht jeder Kandidat vorzuweisen.

Langfristig planen

Weil der Prozess so komplex ist, sollte er gut geplant werden. Mindestens drei Jahre im Voraus sollten sich ausstiegswillige Unternehmer Rat bei den Kammern suchen und erste Schritte auf den Weg bringen, empfehlen die Experten. Findet sich nämlich niemand, kann das Firmen durchaus in Existenznöte bringen, denn die Banken beobachten den Prozess mit Argusaugen und stufen die Kreditwürdigkeit von Firmen auch danach ein, ob eine zukunftsträchtige Lösung in Sicht ist.

Unternehmer Edgar Melzner jedenfalls hat es geschafft. Für seine auf optische Sensoren spezialisierte Firma STM Sensor Technologie in München fand er Anfang dieses Jahres die Balluff GmbH als Käufer – und für sich selbst gleich die passende Aufgabe in der Firmengruppe. Andere Unternehmer bekommen das weniger gut hin, sagt Semir Fersadi, Mittelstandsberater bei der IHK für München und Oberbayern. Ein übergroßes Pflicht- und Verantwortungsbewusstsein stehe vielen Unternehmern bei Übergabe-Entscheidungen im Weg, weiß er aus Erfahrung. Im Beratungsgespräch sei zwar noch mancher zu überzeugen, bald eine Lösung anzugehen. „Aber dann gehen viele raus und sagen: Ich mache trotzdem weiter“, berichtet Fersadi.

 


Klicken Sie einfach auf ein Bundesland, um zu sehen, wie viele Übernahmen je 1000 Unternehmen bis zum Jahr 2018 anstehen:

Datenquelle: Institut für Mittelstandsforschung (IfM), Bonn


 

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2 Kommentare
  • Dr. Andreas R. J. Schnee-Gronauer 24. November 2014 17:26

    Hallo Herr Pongratz,

    ich glaube, man muss das differenzierter sehen.

    Viele Unternehmer tun sich mit dem Thema Nachfolge wirklich, wirklich schwer.

    Das fängt oft schon damit an, darzustellen/zu verstehen, was eigentlich den Wert des Unternehmens ausmacht und für welchen Käufer das Unternehmen interessant sein könnte und natürlich, wie das ganze „technisch“ über die Bühne geht (wir haben vor zwei/drei Jahren einen kurzen „Leitfaden zum Unternehmensverkauf“ gemacht, der – hoffentlich – die wesentlichen Punkte anschaulich darstellt und sich großer Beliebtheit erfreut; http://www.tryffel.de/downloads.html).

    Außerdem hakte die Plattform der IHK/HWK nach meiner Erfahrung an verschiedenen Stellen. So wissen Sie nicht immer, wer ihre Nachricht letztlich auf den Tisch bekommt – das kann der Inserent selbst sein, der Mitarbeiter der IHK oder irgendein Vermittler.

    Insgesamt – so meine ganz subjektive Wahrnehmung – scheint es da manchmal ein wenig durcheinander zu gehen, auch wenn es insgesamt doch recht gut klappt.

    Aber Sie haben natürlich recht: man versteht natürlich nicht, was das soll und es „gehört“ sich auch nicht, sich gar nicht zu melden.

    Viele Grüße
    Andreas R. J. Schnee-Gronauer

  • Benedikt Pongratz 23. November 2014 11:27

    Ich suche momentan zusammen mit meinem Vater ein etabliertes Unternehmen zur Übernahme / Nachfolge.
    Habe über die offizielle Unternehmensbörse der IHK mehrere Unternehmen angeschrieben und nicht mal EINE Antwort erhalten.

    So prekär scheint die Lage nicht zu sein, wenn man sich einen solchen Umgang mit potentiellen Nachfolgern / Käufern leisten kann…

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