Management Weiterbildung als fernes Versprechen

Weiterbildung ist für einen großen Teil der Beschäftigten ein seltenes Ereignis.

Weiterbildung ist für einen großen Teil der Beschäftigten ein seltenes Ereignis.© Rawpixel - Fotolia.com

Deutsche Unternehmen investieren so viel in Weiterbildung, wie noch nie. Viele Arbeitnehmer sind dennoch unzufrieden. Die Möglichkeiten seien zu ungleich verteilt: Gut ausgebildete, junge Männer würden stark gefördert, andere gingen leer aus, heißt es. Muss das Unternehmertum in Sachen Chancengleichheit nachbessern?

Das letzte Seminar? Jahre her. Das Bildschirm-Tutorial zur neuen Software? Noch immer ungeöffnet im Posteingang. Und der Antrag auf Bildungsurlaub? Wieder aufgeschoben. Weiterbildung ist für einen großen Teil der Beschäftigten ein seltenes Ereignis – es fehlen die Zeit oder die Angebote, manchmal beides. Mehr oder weniger zufrieden mit seinen Weiterbildungsmöglichkeiten ist nach Gewerkschaftsangaben nur gut jeder Zweite. Dabei investieren die Unternehmen Rekordsummen in Seminare und Lehrmaterial. Doch davon profitieren längst nicht alle Mitarbeiter.

„Es gibt da eine Art soziale Spaltung“, heißt es beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). Gut ausgebildete junge Männer mit Vollzeitstellen dürften ihr Wissen ständig auffrischen. Weniger Chancen auf Weiterbildung hätten Teilzeitkräfte, geringfügig Beschäftigte, Geringverdiener, Zuwanderer oder Mitarbeiter ohne guten Schulabschluss, sagt DGB-Bildungsexperte Matthias Anbuhl. „Auch bei der Weiterbildung gilt das Prinzip: Wer hat, dem wird gegeben.“

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Das bestreiten Arbeitgeber nicht. „Das Unternehmen überlegt sich genau: Wo investiere ich den Euro am besten?“, sagt Susanne Seyda, Berufsbildungsexpertin beim arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW). Jedoch kalkulierten Beschäftigte ebenso: Wer wisse, dass sein Vertrag in Kürze ausläuft, lasse sich nicht unbedingt noch schulen.

Starre Traditionen statt Weiterbildungskultur

33,5 Milliarden Euro – so viel wie nie haben die Unternehmen in Deutschland nach einer IW-Umfrage im vergangenen Jahr investiert, um das Wissen ihrer Beschäftigten aufzufrischen oder zu erweitern und sich so gegen Fachkräftemangel zu wappnen. Die Summe ist vor allem dadurch gewachsen, dass mehr Menschen Arbeit haben und gerade die Neuen im Betrieb Schulungen brauchen. Die Zahl der Lehrveranstaltungen pro Kopf blieb gleich.

Im europäischen Vergleich sind deutsche Unternehmen nur Durchschnitt, wie eine Analyse des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) ergab. Geld sei dabei nicht so sehr die Frage, sagt Autor Ernst Hartmann. „Zeit ist der gravierende Faktor.“ Oft herrschten auch noch starre Traditionen vor; notwendig seien mehr Möglichkeiten, neben dem Job einen Berufsabschluss nachzuholen oder zur Uni zu gehen.

Steigende Nachfrage nach informellen Lernformen

Zeit dürfte auch eine Rolle spielen, wenn nach Arbeitgeberangaben nicht das klassische Seminar im Kommen ist, sondern neben externen Lehrgängen vor allem sogenannte informelle Lernformen: Lernen im Arbeitsprozess – etwa Anleitung durch Kollegen – und selbst gesteuertes Lernen mit dem Lehrbuch oder am Computer. Viele opfern dafür Freizeit: Jede dritte Weiterbildungsstunde liegt am Feierabend, wie die IW-Umfrage ergab.

„Von einer echten Weiterbildungskultur ist Deutschland weit entfernt“, heißt es beim DGB, der ein Erwachsenen-BAföG und ein Recht auf Weiterbildung fordert. Große Gewerkschaften wie die IG Metall und IG Bergbau-Chemie-Energie (IG BCE) haben das Thema Weiterbildung zudem schon auf die Agenda für die nächste Tarifrunde gesetzt.

1 Kommentar
  • Stefan Erberich 9. Dezember 2014 09:39

    Der Text ist mir persönlich zu einseitig verfasst.

    Er läßt gänzlich außer Acht, das der oder die Arbeitnehmer dazu verpflichtet sind ihre Fähigkeiten, Kenntnisse und Fertigkeiten fortzubilden und den aktuellen Entwicklungen anzupassen und auf Stand zu halten, nicht die Arbeitgeber.

    Das dennoch die genannte Summe von 33,5 Mrd. Euro investiert wird zeigt das ja Grundsätzlich die Bereitschaft dazu da ist darüberhinaus ins Personal zu investieren.

    In meinem eigenen Unternehmen hat nicht ein Mitarbeiter eine qualifizierende Maßnahme, die nicht schon bei Einstellung begonnen war, auf Eigeninitiative hin abgeschlossen. Selbst mit Unterstützung und Vorauswahl aus Arbeitgebersicht geeigneter Inhalte hält sich oftmals die Begeisterung sehr im Rahmen. Frei nach dem Motto „das hält nur von der Arbeit ab, da bin ich ja 3 Tage nicht zu Hause, usw.“

    Die viel beschworene Wandlung des Arbeitsmarkt, das die Arbeitgeber sich öffnen müssen für die ganzen Generationen von Buchstaben am Ende des Alphabets ist in den Köpfen der einzelnen Arbeitnehmer und Mitarbeiter scheinbar nicht angekommen, oder der Deutsche an sich ist einfach zu träge. Das würde auch die geringe Selbstständigenquote erklären und warum lieber ein Viertel der abhängigbeschäftigten kein Auskommen mit dem Einkommen haben anstatt das eigene Leben selber in die Hand zu nehmen.

    Da ist das Thema Weiterbildung nur eine Facette eines viel weitreichenderen Mentalitätsproblems.

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