Management Weiterbildung: Was bringt mir neue Impulse?

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Immer nur im stillen Kämmerchen sitzen bringt keine neuen Impulse. Weiterbildungen, Mentoren-Programme und externe Experten sind für Unternehmer eine große Chance.

Immer nur im stillen Kämmerchen sitzen bringt keine neuen Impulse. Weiterbildungen, Mentoren-Programme und externe Experten sind für Unternehmer eine große Chance.© Photocase

Ob Weiterbildung mit Coach, Mentor oder Branchenexperten: Unternehmerin Vanessa Weber sucht ständig neue Impulse für sich und ihre Mitarbeiter. Wie sie dabei vorgeht und was es ihr bringt.

Die Praxis steht bei mir im Mittelpunkt. Direkt nach der Ausbildung bin ich in den Betrieb gewechselt. Ein Studium mit viel Theorie, da gebe ich meinem Vater recht, hätte nicht viel Sinn gemacht. Bis heute bereue ich nicht, dass ich nicht an der Uni war. Ich lerne viel mehr von der Praxis. Weiterbildung ist mir deswegen sehr wichtig.

In den vergangenen Jahren habe ich an unzähligen Seminaren teilgenommen, viel mit externen Coachs zusammengearbeitet, ein Mentor hat mich zwei Jahre begleitet. Zu Hoch-Zeiten war ich 30 Wochenenden im Jahr unterwegs, jetzt besuche ich ein Seminar im Monat. Dazu kommen Hörbücher im Auto und viele Bücher.

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Die Themen sind bunt gemischt: von Persönlichkeitsentwicklung und Mitarbeiterführung bis zu Power Reading, Poker und Pferde-Coaching.

Seminare auswählen: Stellen Sie sich diese Fragen

Welche Seminare ich aussuche, welche Experten ich in die Firma einlade und zu welchen Treffen ich selbst fahre, ist vor allem von zwei Faktoren abhängig: Welches Problem möchte ich in meinem Unternehmen lösen und welche Kontakte habe ich über mein Netzwerk?

Zum Beispiel beschäftigen mich gerade der Aufbau eines Onlineshops und die Umstellung des Warenwirtschaftssystems. Dafür schaue ich mich zuerst in meiner Branche und extern nach Firmen um, die in diesen Bereichen gut aufgestellt sind. Dann besuche ich sie.

Mentoren und Experten finden: Nutzen Sie Ihr Netzwerk

Neben praktischen Einblicken ist auch ein Mentor oft sehr hilfreich. Um den Richtigen zu finden, darf man auf keinen Fall bescheiden sein. Als Erstes suche ich mir immer den Besten der Besten aus. Wenn ich weiß, wen ich haben möchte, spreche ich ihn direkt an und frage, ob er Zeit hat. Ein „Nein“ sollte man dabei nicht überbewerten, es ist auch nur ein Wort mit vier Buchstaben und wer nicht fragt, der nicht gewinnt. Bei meinem Mentor hatte ich Glück. Alexander Christiani ist vor zwei Jahren auf mich zugekommen.

Viele Kontakte zu Experten habe ich über mein Netzwerk. Ich frage nach Referenzen und bekomme Empfehlungen, dann schaue ich mir die Leute an. Aber es gibt auch spontane Treffen: Mich hat mal ein Vertriebler angerufen und hat es geschafft, mich zum Zuhören zu bringen, obwohl ich bei diesen Anrufen eigentlich total genervt bin. Das hat mich so beeindruckt, dass ich ihn direkt für mein Team engagiert habe.

Hinterfragen Sie sich als Führungskraft kritisch

Auch privat fahre ich viel zu Seminaren. Viel gelernt habe ich beispielsweise bei der Frankfurt Academie zum Thema Führungsqualitäten. In der Gruppe sollten wir bestimmte Ziele erreichen. Weil ich schnell die Initiative ergreife und weil ich wollte, dass die Gruppe erfolgreich ist, habe ich mich richtig ins Zeug gelegt. Beim Feedback war es dann gar nicht so angenehm zu hören, dass ich de facto zu forsch sei und deshalb auch zu viel Arbeit selbst mache. Dadurch, dass mir jemand den Spiegel vorgehalten hat, habe ich gelernt, mich zurückzunehmen, gelassener zu sein und mir selbst zu sagen: „Das wird schon alles seinen Weg gehen.“

Auch ein Erlebnis aus dem Klettergarten rufe ich immer wieder auf: Damals sollte ich einen 15 Meter hohen Baumstamm hochklettern (Pamperspal genannt – und das nicht ohne Grund), der letzte Schritt auf eine im Durchmesser nur 30 Zentimeter große Plattform war weit. Trotz der Sicherung hatte ich Angst, ich musste mich richtig überwinden! Für den letzten Schritt brauchte ich fünf Minuten – gefühlt eine Ewigkeit. Meine Beine zitterten wie Espenlaub, aber ich habe den letzten Schritt gewagt und mich auf den Baumstamm gestellt. Was für ein tolles Gefühl! Wenn ich heute überfordert oder unsicher bin, denke ich daran, dass ich den Klettergarten gemeistert habe und das hier jetzt auch schaffe. Einmal tief durchatmen, dann geht es weiter.

Setzen Sie das Gelernte sofort um

Die Umsetzung des Gelernten ist aber das Wichtigste. Was man 48 Stunden nach dem Seminar nicht angefangen hat, wird wahrscheinlich immer in der Schublade bleiben. Deswegen frage ich mich nach jeder Weiterbildung: Was nimmt Du mit und was setzt Du sofort ab morgen um?

Die Umsetzung bedeutet meist, dass ich vor meiner eigenen Haustür kehre. Aber manchmal betreffen die Pläne auch die Firma und alle Mitarbeiter. Dann stelle ich die Pläne dem Team vor und frage sie nach ihrer Meinung. Manchmal macht es auch Sinn, für die Mitarbeiter einen externen Coach in die Firma zu holen, der ein spezielles Thema genauer erklärt. Zum einen, weil der Prophet im eigenen Land nicht zählt. Und ein externer Berater nicht im Tagesgeschäft feststeckt, einen guten Blick von außen hat und sachlich statt emotional über Thema sprechen kann. Auch diese Coaches finde ich über mein Netzwerk, führe Vorgespräche mit ihnen und schaue, ob sie zu meinem Team passen.

Zum Beispiel hat Christian Elbert, ein Mitarbeiter der Firma Wika, einen Vortrag über Kaizen und Lean im Büro gehalten, ein Prinzip, das seine Firma anwendet. Dadurch, dass ein Mitarbeiter anderen Mitarbeitern das Thema vorgestellt hat, war die Legitimation viel größer – das macht die Umsetzung bei uns leichter.

Schreiben Sie Erfolge auf

Zu den besten Tipps, die ich bekommen habe, gehört einer von dem Coach Bodo Schäfer. Um ein besseres Gefühl für Geld zu bekommen, empfiehlt er, immer 500 Euro im Geldbeutel mit sich zu tragen. Es gibt einem das Gefühl, immer Geld zu haben, und man gewöhnt sich an den Umgang mit Geld. Der schöne Nebeneffekt: Wenn man sich etwas leisten möchte, hat man immer genug Bargeld dabei. Das gibt einem viel Freiheit im Kopf und beendet störende Glaubenssätze zum Thema Geld.

Ein anderer Tipp ist das Erfolgstagebuch. Ein Jahr lang habe ich jeden Abend meine fünf Erfolge aufgeschrieben – und wenn es nur war, dass ich eine Flasche Wasser mehr am Tag getrunken habe. Ich habe notiert, was mir gut gefallen hat und für wen oder was ich dankbar war. Das hat mir geholfen, nicht in den Misserfolgen stecken zu bleiben. Mittlerweile brauche ich das Buch nicht mehr, ich habe mein Denken komplett umgepolt.

Jede kleine Sache bringt eine Veränderung mit sich, man muss gar nicht mit der größten Aufgabe anfangen. Es reicht zum Beispiel schon, jeden Morgen einen Liter Tee zu trinken. Das habe ich in der letzten Zeit geschafft.

In der nächsten Zeit möchte ich an einem viertägigen Schweige-Seminar teilnehmen. Das wird für mich eine Herausforderung, nicht nur weil ich gerne viel rede und manchmal hektisch bin, sondern auch auf Smartphone und Co. verzichten muss. Ich freue mich schon darauf und werde Ihnen von meinen Erfahrungen berichten.

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