Management Welche Chancen sich deutsche Unternehmer entgehen lassen

  • Serie
„12 natural laws of business“ an der Wand von ZingTrain, der Weiterbildungssparte von Zingerman’s - ein Unternehmen, das die impulse-Gruppe besuchte.

„12 natural laws of business“ an der Wand von ZingTrain, der Weiterbildungssparte von Zingerman’s - ein Unternehmen, das die impulse-Gruppe besuchte.© impulse

Arbeitgeber geben Arbeit, Arbeitnehmer nehmen sie an. Dieses Rollenverständnis bestimmt in großen Teilen das deutsche Firmenbild. Absurd, schreibt impulse-Chef Nikolaus Förster. Zusammen mit einer Gruppe Unternehmer war er in den USA unterwegs, um sich Inspiration für innovative Führungsstile zu holen – ein erstes Resümee.

Vielleicht muss man Deutschland hin und wieder den Rücken zukehren, um sich noch einmal darüber klar zu werden, wie absurd das Unternehmerbild ist, das in großen Teilen der Gesellschaft herrscht: auf der einen Seite der Unternehmer, der darauf aus ist, seinen Profit zu maximieren; auf der anderen der Angestellte, der – ein potenzielles Opfer – in seinen Rechten mit allen Mitteln geschützt werden muss. Noch heute stehen wir in der Tradition der Arbeiterbewegung des 19. Jahrhunderts, auch wenn nicht mehr auf den Straßen für die Rechte ausgemergelter Bergleute gekämpft, sondern in Gerichten über die Anzahl vergüteter Überstunden gestritten wird – oder die Frage, ob freie Mitarbeiter nicht doch scheinselbstständig sind.

Schon die Sprache spiegelt die herrschenden Verhältnisse wider: Arbeitgeber geben Arbeit, Arbeitnehmer nehmen sie an, als sei dies eine Selbstverständlichkeit. Ist es aber keineswegs – zumindest wenn man sich Unternehmen wie die amerikanischen „Small Giants“ anschaut, die ihre „Mitarbeiter“ in einer anderen Rolle sehen: als Mit-Unternehmer. Es ist kein Zufall, dass diese mittelständischen Unternehmen viel Zeit in die Weiterbildung ihrer Teams stecken und ihnen große Freiheiten einräumen, eigene Entscheidungen zu treffen. Es ist der Abschied von einem Managementstil, bei dem der Chef Befehle erteilt und dann kontrolliert, ob die Mitarbeiter sie auch korrekt umsetzen – Abschied von Führung nach dem Motto „Command & Control“ („Befehlen & Kontrollieren“).

Anzeige
Die impulse-Unternehmerreise startete in Chicago - der drittgrößten Stadt in den USA.

Die impulse-Unternehmerreise startete in Chicago – der drittgrößten Stadt in den USA.© impulse

Man sollte sich nichts vormachen. Es geht in diesen Firmen nicht um Altruismus oder sozialromantische Anwandlungen. Hinter dem neuen Managementstil, der als „Trust & Track“ („Vertrauen & Auswerten“) beschrieben wird, steht die simple Erkenntnis, dass ein Unternehmen sehr viel innovativer und profitabler ist, wenn Entscheidungen nicht an der einsamen Spitze fallen, sondern jeder einzelne Mitarbeiter mit seiner Expertise und Erfahrung zum Erfolg beiträgt – und dann auch finanziell am Gewinn beteiligt wird. „Nicht groß, sondern großartig zu sein“, ist das Motto dieser Unternehmer. Im Kern ist es die enge Verbundenheit der Mitarbeiter mit ihrer Firma, die sie so stark macht. Und Chefs, die sich als Coach für ihre Teams verstehen, nicht als Boss im herkömmlichen Sinn.

Mit deutschen Mittelständlern verbindet diese „Small Giants“ ihre Verwurzelung in der Region, ihr soziales Engagement und die konsequente Orientierung an langfristigen Zielen. Dann hören die Gemeinsamkeiten aber schon auf. Für die radikale Aufwertung der Mitarbeiter als Mitunternehmer – mit all den Konsequenzen, die damit verbunden sind – gibt es hierzulande kaum Beispiele. Und auch der offene Umgang mit Geschäftszahlen ist in Deutschland verpönt.

Selbst wenn eine neue Generation jüngerer Nachfolger und Gründer seit geraumer Zeit einen teamorientierteren Führungsstil in deutsche Unternehmen einführt – das enorme Potenzial, das mit Konzepten wie „Trust & Track“ oder „Open-Book-Management“ verbunden ist, haben die meisten noch gar nicht verstanden. Es wäre eine Chance, mit einem modernen Managementstil das traditionelle Unternehmerbild zu verabschieden.

 
 

 
Verlagshinweis: impulse-Unternehmerreisen

Von den Besten Lernen: Was macht herausragende Unternehmen aus? Nicht die Größe, auch nicht allein die Qualität der Produkte. Was sie auszeichnet, ist eine Firmenkultur, in der das gesamte Team unternehmerisch denkt – und damit die Konkurrenz aussticht. impulse bietet auch im kommenden Jahr für eine begrenzte Teilnehmerzahl Unternehmerreisen in die USA an. Treffen Sie zusammen mit impulse-Chef Nikolaus Förster herausragende Unternehmer, lassen Sie sich inspirieren und holen Sie sich in Workshops konkrete Tipps, wie Sie Ihr eigenes Unternehmen weiterentwickeln können.

Nähere Informationen unter www.impulse.de/akademie/unternehmerreise.

3 Kommentare
  • Markus Jotzo 7. Dezember 2013 06:21

    Warum tun das so viele Führungskräfte nicht?
    Ihre Mitarbeiter wertschätzen, sie selbst weitestgehend selbst entscheiden lassen und damit Verantwortung nach unten delegieren?
    Viele Chefs haben – leider – ein zu großes Ego und halten sich selbst für die besten. Was sie auch oft sind! Sie sind die besten im Laden. Aber nicht die einzigen, die was drauf haben.

    Wenn der Chef alles selbst entscheidet, dann ist die Firma nur so schlau wie der Chef.

    Wenn ein Chef was Neues probieren möchte und seinen Mitarbeitern mehr zutrauen möchte, empfehle ich den Gedanken „Mitarbeiter lieben es ins kalte Wasser geschmissen zu werden – im Nachhinein“

    Also ausprobieren und das erste größere Projekt delegieren.
    Aber Achtung: Mehr Verantwortung delegieren geht nur, wenn der Mitarbeiter auch dabei begleitet wird. Durch vorab regelmäßig geplante Schulterblicke durch den Chef oder einen erfahrenen Mitarbeiter. Sonst ist das Scheitern vorprogrammiert.

  • Nikolaus Förster 16. November 2013 18:14

    Sie haben in einem Aspekt natürlich Recht: Wenn man in den USA (wie wir im Oktober) unterwegs ist, spielt das Thema Arbeitsrecht kaum eine Rolle. Das ist hierzulande tatsächlich ganz anders, aber natürlich gibt es auch hierzulande viele Mittelständler, in dem ein partnerschaftliches Verhältnis zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgeber herrscht. Und der Grundansatz ist – davon bin ich fest überzeugt – dennoch übertragbar. Was spricht zum Beispiel gegen eine Gewinnbeteiligung – unabhängig davon, wie hoch die Löhne sind? Was die Gastronomie angeht, die Sie ansprechen, haben die Amerikaner im Übrigen in den Firmen, die wir besucht haben, überdurchschnittlich gezahlt.
    Viele Grüße, Nikolaus Förster (Chefredakteur impulse)

  • Welche Chancen sich deutsche Unternehmer entgehen lassen 22. Oktober 2013 07:38

    Lustig! Es gibt Chancen, die haben deutsche Unternehmer einfach nicht, denn wir haben unsere Gesetze und Arbeitsrichter. Mitunternehmer anstatt Arbeitnehmern, toll. Kann in Deutschland kaum funktionieren, einige Stichpunkte wie z.B. Scheinselbständigkeit wurden genannt.
    Beteiligung der Mitarbeiter am Gewinn klingt auch gut, ist aber bei verhältnismäßig hohen Grundlöhnen sinnlos. Der Effekt ist doch nur, daß in guten Phasen die Boni mitgenommen werden und im Kündigungsfall vor dem Arbeitsgericht Abfindungen auf Basis der höheren Löhne eingeklagt werden.
    Krassestes Beispiel für den Unterschied USA/BRD sind vielleicht die (legalen) Anstellungsverhältnisse in Gasstätten. Ein Arbeitsvertrag auf der Basis „Du hast die Ehre hier arbeiten zu dürfen, bedien die Gäste gut, denn Dein Lohn ist das Trinkgeld Deiner Kunden“ wäre hier wohl nicht legal. Dazu noch die Forderung unserer Sozialisten nach 8,50€ Mindestlohn…

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.