Management Immer weniger Frauen sind Vorstandsmitglieder in deutschen Unternehmen

Ab 2016 soll eine gesetzliche Frauenquote für Top-Positionen in Unternehmen gelten.

Ab 2016 soll eine gesetzliche Frauenquote für Top-Positionen in Unternehmen gelten.© krissikunterbunt - Fotolia.com

Die gesetzliche Frauenquote gilt zwar noch nicht. Das Gesetz für eine gleichberechtigte Teilnahme von Männern und Frauen in Führungspositionen wirft aber seinen Schatten voraus. In Aufsichtsräten steigt der Frauenanteil kontinuierlich, in den Vorständen hingegen nicht.

Der Frauenanteil in den Vorstandsetagen deutscher Unternehmen sinkt. Das geht aus einem aktuellen Index hervor, den der Verein „Frauen in die Aufsichtsräte“ (Fidar) in Berlin vorstellt. Danach sind aktuell nur 5,8 Prozent der Vorstandsmitglieder weiblich. Vor einem Jahr hatte dieser Wert noch deutlich über sechs Prozent gelegen.

„Bei einigen Unternehmen scheint die Botschaft noch nicht angekommen zu sein, dass ihre Reputation auf dem Spiel steht, wenn sie jetzt nicht für messbare Veränderungen sorgen“, erklärte die Fidar-Präsidentin, Monika Schulz-Strelow.

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Etwas besser sieht es in den Aufsichtsräten der börsennotierten Unternehmen aus. Hier sind derzeit 18,9 Prozent der Posten mit Frauen besetzt. Vor drei Jahren waren es erst zehn Prozent. Experten vermuten, dass dieser Anstieg auch auf die Debatte um die für Anfang 2016 geplante Einführung einer Frauenquote von 30 Prozent für die Aufsichtsräte der größten deutschen Firmen zurückgeführt werden kann.

Frauenquote von 30 Prozent soll Anfang 2016 eingeführt werden

„Nach 32 Jahren, die über die Quote in der Bundesrepublik gesprochen wird, wird sie nun endlich in ein Gesetz gegossen“, kommentierte Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD), deren Ministerium die Fidar-Studie gefördert hatte, den aktuellen Index.

Schwesig (SPD) war von Wirtschaftsverbänden für ihren Entwurf eines Gesetzes über „gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen“ zuletzt scharf kritisiert worden. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) und die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) meldeten diese Woche sogar verfassungsrechtliche Bedenken gegen das Gesetzesvorhaben an. Die Verbände sind grundsätzlich gegen eine feste Frauenquote.

Schwarze Schafe: Puma, Hochtief und Sixt

Schwesig ist jedoch der Überzeugung, dass die Versuche der letzten Regierungskoalition von CDU/CSU und FDP, die Unternehmen mit Selbstverpflichtungen zu einer Erhöhung des Frauenanteils zu bewegen, nichts gebracht haben. Sie erklärte: „Aus eigener Kraft schaffen es die Unternehmen nicht. Der Gesetzgeber muss an dieser Stelle helfen.“

Auch das Argument der Industrieverbände, dass es unfair sei, die private Wirtschaft für die Bewältigung gesellschaftlicher Missstände alleine verantwortlich zu machen, ließ die Ministerin nicht gelten. Schließlich habe die Bundesregierung mit dem Elterngeld und dem Kita-Ausbau schon Vorleistungen für eine Erleichterung der Erwerbstätigkeit von Frauen erbracht.

Laut dem aktuellen „women-on-board-Index“ haben 31 der untersuchten 160 börsennotierten Unternehmen weder im Vorstand noch im Aufsichtsrat eine Frau. Zu diesen „schwarzen Schafen“ gehören unter anderem Puma, Hochtief und Sixt.

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