Gründung Werbung: Kauf das – jetzt!

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Der Gründer des Newsanbieters sell-news.com steckte Studenten in Affenkostüme und ließ sie auf einer Frankfurter Straße tanzen. Das brachte 250 neue User.

Der Gründer des Newsanbieters sell-news.com steckte Studenten in Affenkostüme und ließ sie auf einer Frankfurter Straße tanzen. Das brachte 250 neue User.© Unternehmen

Gewinnaktion? Facebook-Marketing? Fernsehspot? Klingt alles toll, ist aber meist zu teuer und lohnt nicht für jeden. Wie Gründer und kleine Firmen auf sich aufmerksam machen.

Um Autofahrer in der Rush Hour aufzuheitern, braucht es manchmal nur zwei Studenten in Affenkostümen. Die aus dem Gebüsch springen. An die Fensterscheibe klopfen. Sich mit der Kunstfellhand eine Banane schälen. Und zwischen den Autos Party machen, sobald die Ampel Rot zeigt. „Die meisten Autofahrer haben gelacht, Handy-Fotos gemacht – und beinahe traurig geguckt, als die Ampel auf Grün sprang“, sagt Slawomir Rybarczyk, der in Frankfurts Bürovorstadt Niederrad die Affen tanzen ließ.

Hinter der Alberei stand ein ernst gemeintes Ziel: die Internetseite sell-news.com bekannter zu machen – in schwarzen Lettern prangte der Name der GmbH auf den Shirts der tierischen Komiker. Über die Plattform können Amateure Bilder und Videos mit Nachrichtenwert versteigern, etwa an Redaktionen, Online-Portale oder Blogger. „Wenn ich genug Geld hätte, würde ich jeden Tag Affen auf die Straße schicken“, sagt Rybarczyk, Gründer und Geschäftsführer. „Die Aktion hat uns auf einen Schlag 250 neue User gebracht.“ Neue User, das ist für Rybarczyk die Währung, in der er Werbemaßnahmen misst. „Wir brauchen Investoren. Und um die zu überzeugen, brauchen wir viele Nutzer.“

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Dafür hat Rybarczyk mit seinen beiden Mitgründern einen Werbeplan erstellt – und das unterscheidet ihn von den meisten anderen Gründern. Zwar liegen zwischen Ideenfindung und Beginn der Selbstständigkeit im Schnitt sieben Monate. Viel zu wenige nutzen diese Zeit aber, um über Werbemaßnahmen für die Zielgruppe nachzudenken – oder bringen ihr Geld für Anzeigenkampagnen und hübsche Visitenkarten unter die Werbeagenturen.

Werbung ist wichtiger als die Möbel

„In der Euphorie des Anfangs sinniert man lieber über die Farbe der Stühle im Laden als über Werbung“, sagt Bernd Röthlingshöfer, Experte für Marketingstrategien. „Dabei bringt kaum etwas mehr Gewinn an Geld und Zeit als die paar Stunden, in denen man sich hinsetzt und darüber nachdenkt, wie man sein Konzept verkaufen kann.“ Röthlingshöfer bietet Seminare für kleine und mittlere Unternehmen an und hat unter anderem das Buch „Werbung mit kleinem Budget“ geschrieben. Der aus seiner Sicht beste Zeitpunkt für ein erstes Brainstorming: sobald man die Idee habe. Die Größenordnung für Werbemaßnahmen: mindestens 10 Prozent vom Gesamtbudget.

Georg Stövesand aus Dortmund hätte diesen Rat gut gebrauchen können. Vor einigen Jahren ging er mit seinem Regalservice pleite. „Ich habe einfach losgelegt und von Auftrag zu Auftrag gelebt. Das hat eine Weile funktioniert.“ Aber am Ende hätte er im Hamsterrad festgehangen – und für Werbung sei weder eine Minute noch ein Cent übrig gewesen. Heute, im zweiten Anlauf, kalkuliert der 44-Jährige jeden Monat Werbekosten mit ein. Seine Homepage betreut eine Agentur; Anzeigen, Visitenkarten und Prospekte gestaltet ein befreundeter Grafiker. „Früher habe ich für 100 Euro mein viel zu großes Auto betankt“, sagt Stövesand. „Heute investiere ich das Geld lieber in Flyer.“

 
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