Management Werner Deck: „Die Hoheit im eigenen Unternehmen aufzugeben, war regelrecht bescheuert“

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Werner Deck

Werner Deck© Martin Wagenhan für impulse

Werner Deck, 66, Malermeister aus Karlsruhe mit acht Angestellten und 80 Franchisepartnern, über den leichtsinnigen Verlust der Macht im eigenen Unternehmen.

Das Gute im Menschen zu sehen ist ­eine Stärke. Aber ich war zu vertrauensselig. Vor etwa 25 Jahren machte ich aus einem ­Einzelunternehmen eine GmbH und nahm in diesem Zuge vier leitende Mitarbeiter beziehungsweise Freunde als Gesellschafter auf. Ich dachte, so ziehen wir stärker an einem Strang. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass unser gutes Verhältnis einmal zerbricht. Vor allem mit einem Gesellschafter war ich sehr eng verbunden, gemeinsam hielten wir die Mehrheit der Anteile. Heute weiß ich, ohne Not die Hoheit im eigenen Unternehmen aufzugeben war regelrecht bescheuert.

Fünf Jahre später wollten mir die anderen den Stuhl vor die Tür setzen, mich als Gesellschafter hinausdrängen und als Geschäfts­führer ablösen. Wir hatten uns immer weiter voneinander entfernt, es war ein schleichender Prozess. Gerade mein engster Vertrauter wendete sich nun gegen mich. Das war extrem schmerzhaft. Doch ich habe gekämpft. Durch die Zahlung einer Abfindung konnte ich von ­einem Gesellschafter die Anteile übernehmen – und mir so wieder eine einfache Mehrheit ­sichern. Es folgten diverse Prozesse und Vergleiche, nur damit ich Ruhe hatte. Das alles kostete mich rund 150.000 Euro.

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Ich habe dann noch eine Kapitalerhöhung durchgesetzt – ich ahnte, die anderen würden nicht mitziehen. So konnte ich mir 80 Prozent der Anteile für eine qualifizierte Mehrheit zurückerobern. Am Ende war ich alle Gesellschafter los und der „Sieger“ – die Anführungszeichen setze ich hier bewusst, denn ich habe mir etwas zurückerobert, das mir sowieso schon einmal gehört hatte.

 
impulse 9/2014Dieser Artikel ist aus dem impulse-Magazin 09/14

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1 Kommentar
  • Gast 25. Dezember 2014 13:35

    Bei einer Teilung der Macht ist vor allem Einfühlungsvermögen und Interessenabwägung als Kompetenz gefragt.

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