Management Wie lange sollte ein Unternehmer maximal arbeiten?

Manuel Apitzsch ist Gründer des Webportals Hotelsnapper und arbeitet meist über 60 Stunden pro Woche. Er fragt: "Wie viel Zeit sollte man als Unternehmer in seiner Firma verbringen?"

Prof. Dr. Renate Rau leitet die Arbeitsgruppe Sozial-, Arbeits- und Organisationspsychologie an der Philipps-Universität Marburg

Nicht mehr als 48 Stunden pro Woche!

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Die Gedanken kreisen nur noch um die Firma, Sie gewinnen einfach keinen Abstand mehr, Partner und Familie haben kaum noch Platz, ausgleichende Freizeitaktivitäten sowieso nicht? Spätestens dann ist es Zeit, die Reißleine zu ziehen. Sie brauchen Distanzierungszeit. Ein Unternehmer, der nur besteht, wenn er 60- Stunden-Wochen aneinanderreiht, hat kein erfolgreiches Unternehmensmodell, er richtet seine wertvollste Ressource zugrunde: seine psychische und physische Gesundheit.

Wie lange sollten Sie also maximal arbeiten?

Einen guten Richtwert bietet die europäische Arbeitszeitrichtlinie, die besagt, dass die maximale Wochenarbeitszeit 48 Stunden nicht überschreiten soll. Diese Grenze ist recht gut erforscht. Alles, was dauerhaft über 48 Stunden pro Woche liegt, richtet nachweislich gesundheitlichen Schaden an. Unsere Untersuchungen zeigen, dass eine längerfristige Arbeitszeit von mehr als 40 Stunden pro Woche bereits den Blutdruck erhöhen kann. Liegt die Arbeitszeit dauerhaft über 50 Stunden pro Woche, kann das zu massiven Schlafstörungen, zu Depressionen und Angstzuständen führen. Das wiederum wird sich auf Ihren Erfolg als Unternehmer auswirken. Unsere Untersuchungen zeigen, dass Unternehmer, die ihre Firma als nicht erfolgreich bewerten, verstärkt an vitaler Erschöpfung und Angst leiden.

Im Vergleich zur Gesamtbevölkerung leiden Unternehmer häufiger unter psychischen Beeinträchtigungen.

Wir haben in einer Studie zur psychischen Gesundheit von Inhabern kleiner und mittelständischer Unternehmen in Deutschland, Tschechien und Polen herausgefunden, dass 34 Prozent der Befragten Angstsymptome zeigten. In der Gesamtbevölkerung sind es hingegen knapp sechs Prozent. Betroffen von diesen Symptomen waren vor allem diejenigen, die es aus unterschiedlichen Gründen nicht geschafft haben, sich freie Erholungszeit zu nehmen, in der sie wirklich Distanz zur Arbeit aufbauen konnten. Diejenigen, die als Unternehmer erfolgreich waren, haben sich auch mal von der Firma weggetraut. Sie haben weniger pro Woche gearbeitet und längere Urlaube gemacht.

Ein Urlaub, der wirklich erholt, sollte idealerweise mindestens drei Wochen am Stück dauern.

Erst dann, so zeigen Studien, schalten Sie wirklich ab. Noch besser wäre es, in der ersten Woche einer körperlichen Aktivität nachzugehen, wie etwa zu wandern. Das mag für Gründer zunächst als nicht realisierbar erscheinen, aber Unternehmer sollten lernen, Erholung als wichtige Voraussetzung für ihre Leistungsfähigkeit zu begreifen. Sie schaden sonst den Erfolgsaussichten ihres Unternehmens.

Sven Kleinknecht ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Entrepreneurship und Innovation an der Universität Hamburg

Stellen Sie vorerst keine Leute ein!

Herr Apitzsch, Sie sind als Gründer, der sich um seine Arbeitsbelastung sorgt, mit Ihrem Problem nicht allein. Vielleicht beruhigt Sie der Gedanke, dass die meisten Selbstständigen deutlich länger arbeiten als Angestellte. Nicht nur unter der Woche werden mehr Stunden investiert, auch das Wochenende wird häufig für das eigene Unternehmen genutzt.

Eine einfache Lösung ist schnell gefunden:

Stellen Sie jemanden ein, der Sie entlastet, sodass Ihre Arbeitsbelastung auf ein angenehmeres Niveau gedrückt wird. Oder?

Nun, so einfach ist es natürlich nicht. Und das hat vielfältige Gründe: Als Gründer müssen Sie Ihre Ausgaben ständig im Blick haben. Gerade junge Unternehmen haben oft eine schwierige Liquiditätssituation und müssen sparen, wo es nur geht. Daher ist es ganz natürlich, wenn der Gründer in der Startphase viele der anfallenden Aufgaben erst einmal selbst übernimmt. Und das ist auch gut so, ganz nah dran am Puls sind die Lerneffekte am größten, und im Chaos der ersten Monate hat oft nur einer den Durchblick – Sie selbst. Doch wachsende Umsätze und neue Kunden sind irgendwann zu viel für den Einzelkämpfer, und Mitarbeiter müssen gefunden werden. Suche, Auswahl und Einstellung sind teuer und lohnen sich nur, wenn die neu gewonnene Arbeitskraft auch wirklich ausgelastet werden kann. Auftragseinbrüche können da einen dicken Strich durch die Rechnung machen und führen zu einem deutlich erhöhten Risiko für den Gründer. Gepaart mit dem nun höheren Koordinationsaufwand, führt eine Einstellung sogar zu noch höheren Arbeitszeiten für den Gründer, wie Studien nachweisen konnten.

Selbst wenn Sie wollen: Es ist unwahrscheinlich, dass Sie sich diesen Gegebenheiten entziehen können, auch wenn Managementgurus anderes versprechen. Denn es bleibt Ihr Unternehmen, Ihr Risiko und Ihr Einkommen.

Wenn das Wachstum mit der Zeit in geordnetere Bahnen kommt und Ihr Unternehmen sich vom ungebremsten Startup zum etablierten Player entwickelt, können eingeschliffene Prozesse sowie Delegation an erfahrene Mitarbeiter Ihre Arbeitsbelastung allerdings deutlich verringern. Aber dann sind Sie auch kein Gründer mehr.

Der Physiker und Humanbiologe Prof. Dr. Thomas Penzel ist wissenschaftlicher Leiter des Interdisziplinären Schlafmedizinischen Zentrums an der Charité Berlin

Nur so viel, dass Sie noch vernünftig schlafen!

Jede Person hat eine individuelle Schlafdauer, um ausgeschlafen, frisch und damit leistungsfähig zu sein. Diese Schlafdauer finden Sie am besten im Urlaub heraus, wenn Sie einige Tage hintereinander ohne Wecker ausschlafen und sich Ihr biologischer Rhythmus einpendelt. Aus unseren Forschungen wissen wir, dass der Durchschnittsschläfer exakt sieben Stunden und 14 Minuten an Schlaf benötigt.

Die Länge der individuellen Schlafdauer sagt nichts über die Leistungsfähigkeit aus. Einstein war mit zwölf Stunden ein ausgesprochener Langschläfer, Napoleon schlief oft nicht mehr als vier Stunden. Wenn Sie Ihre individuelle Schlafdauer zu sehr verkürzen, merken Sie das recht schnell: Typische Anzeichen für chronischen Schlafmangel sind Gereiztheit, Nervosität und Konzentrationsstörungen bis hin zu Übersprungshandlungen. Das schadet auch dem Betriebsklima. Schlafmangelpatienten sind zudem anfälliger für Infektionskrankheiten und Burn-out-Symptome.

 

Als Unternehmer kann man sicherlich nicht immer optimal ausschlafen, aber man sollte die Auswirkungen von Schlafmangel auf die eigenen Leistungen begrenzen. Was unter der Woche an Schlaf fehlt, sollten Sie am Wochenende aufholen und, wenn möglich, tagsüber kurze Nickerchen einstreuen. Wie Spitzenpolitiker benötigen Unternehmer die Fähigkeit, über längere Perioden mit einem partiellen Schlafmangel umgehen zu können. Aber irgendwann muss jeder wieder auftanken, auch diejenigen, die mit ihren All-Nightern, den durcharbeiteten Nächten, prahlen. Vereinfacht kann man sagen:

Ein übermüdeter Unternehmer ist ein schlechter Unternehmer.

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