Management „Wir wollen Finanzkommunikation erlebbar machen“

Transparenz von Unternehmen schafft Vertrauen bei Kunden und Investoren. impulse vergibt zusammen mit Partnern aus Politik und Wirtschaft den Preis für die beste Finanzkommunikation 2011. Die drei Nominierten für die zweite Kategorie "Unternehmen bis 100 Millionen Euro Jahresumsatz".

Eissmann Automotive: In jeder Situation handlungsfähig

Die Eissmann Group Automotive gehört zu jenem Sektor, für den die Finanzkrise nach der Lehman-Pleite im Jahr 2008 zur Bewährungsprobe wurde: Die Automobilbranche. Eissmann ist Spezialist für Fahrzeuginterieur. Vom Schaltknauf bis zur kompletten Seitentür bietet die Firma aus Bad Urach (Umsatz 2010: 199 Mio. Euro; 2700 Mitarbeiter) Verkleidungsteile im Luxussegment für zahlreiche Auto-Marken von Bentley über Porsche bis Mercedes Benz an. Anders als bei vielen anderen Unternehmen der Branche konnte die Rezession nach dem Lehman-Crash Eissmann nicht viel anhaben. Das Rating des international aufgestellten Unternehmens blieb stabil. Und das hat viel mit der „situationsorientierten“ Finanzkommunikation zu tun. Neben der üblichen quartalsweisen oder monatlichen Berichterstattung bekommen die Banken, Kreditversicherer, Schlüsselkunden oder auch andere Kapitalgeber wie Genussscheininvestoren oder Leasinggeber auch Ad-hoc-Meldungen, wenn es erforderlich ist. Die Transparenz hat zum Ziel die Finanzierungssicherheit von Eissmann zu erhalten. All das lässt sich das Unternehmen einiges kosten. Zehn bis 15 Prozent des Budgets von Controlling und Treasury am Stammsitz der Firma fließen in die Finanzkommunikation.

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Hansgrohe: Fehldeutungen entgegen treten

Tradition und Modernität müssen kein Gegensatz sein. Das beweist der Bad- und Sanitärspezialist Hansgrohe (693 Mio.Euro Umsatz, 3220 Mitarbeiter). Trotz 110-jähriger Unternehmensgeschichte ist die Finanzkommunikation der Firma aus dem Schwarzwald stark zukunftsorientiert. Der Mittelständler will möglichst prägnant und zielgerichtet informieren – damit unterschiedliche Interpretationen der Zahlen gar nicht erst entstehen. Dafür gibt es detaillierte Jahres- und Quartalsberichte und einen ausführlichen 5-Jahres-Business-Plan.

Mit schnöden Daten, Fakten und Fotos allein gibt sich Treasury Manager Yvonne Braxmeier aber nicht zufrieden. „Wir wollen Finanzkommunikation erlebbar machen“, sagt sie. Bankberater werden in die Zentrale nach Schiltach eingeladen, wo sie die neuesten Produkte des Bad- und Küchenausstatters kennenlernen sollen. „Probeduschen“ sei durchhaus gewollt, sagt Braxmeier. Denn alle Finanzpartner sollten verstehen, wie Hansgrohe-Produkte funktionieren. Und neue Produkte möglichst persönlich kennenlernen, bevor sie auf den Markt kommen. „Wir schauen mit unseren Finanzpartnern gemeinsam in die Zukunft“.

Hansgrohe ist eine Aktiengesellschaft, die nicht an der Börse notiert ist. Die beiden Hauptaktionäre sind die Familie Grohe und der US-Konzern Masco Corporation. Der Mehrheitseigner Masco kam 2009 in finanzielle Schwierigkeiten, was auch Probleme für Hansgrohe in Deutschland mit sich brachte: Banken wollten den Bäderspezialisten herabstufen. „Nicht hinnehmbar“ fand die Unternehmensführung unter Vorstandsvorsitzenden Siegfried Gänßlen. Sie protestierten hartnäckig, diskutierten mit den Bankpartnern und erreichten schließlich eine Verbesserung der Ratingeinstufung.

ZEG: Einfach mal nachfragen

Die Krise im Bauhandwerk 2001 setzte der ZEG Zentraleinkauf Holz + Kunststoff (Umsatz 2010: 250 Mio. Euro; 832 Mitarbeiter) aus Stuttgart arg zu. Die Genossenschaft mit gut 3000 Mitgliedern die bundesweit an 15 Standorten Großhandel für das holzverarbeitende Handwerk betreibt, stellte vertrieblich und finanziell um. Dazu gehörte auch eine neu strukturierte Finanzkommunikation: Offen, aktuell und verlässlich sollte sie sein.

Die Firma berichtet quartalsweise nicht nur an die drei Hauptbanken und an die wichtigste Factoring-Gesellschaft (Coface), sondern auch an alle vier relevanten deutschen Kreditversicherer (Coface, EH, Atradius, R+V). Und das, obwohl sie kaum oder gar kein Geschäft zu diesen Häusern unterhält. Welche Wirkung diese Kommunikationsoffensive hat, weiß Christian Kössler, Leiter Rechnungswesen bei der ZEG: Die eigenen Lieferanten arbeiten mit allen vier Kreditversicherern zusammen, so dass die ZEG mittelbar davon profitiert, dass sich Geschäfte mit ihr preiswert versichern lassen. Die Informationspolitik wirkt: Das Unternehmen bekam während der Krise 2009 weitere Kreditlinien und auch die Factoring-Partner sowie Kreditversicherer verlängerten die Verträge.

Um sicher zu gehen, weiterhin das notwendige Maß an Transparenz zu bieten, hat ZEG seine Finanziers Ende vergangenen Jahres angeschrieben und befragt, was noch verbessert werden könnte oder welche Daten sie zusätzlich wünschten. Dabei seien keine großen Klagen gekommen. Aber die Gewissheit, vieles richtig zu machen.

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