Management Wirtschaftsliteratur: „Web Attack – der Staat als Stalker“

Unternehmer und Autor Roman Koidl warnt vor der zunehmenden Schnüffelei durch den Staat und Weltkonzerne. Sein Buch "Web Attack" ist ein wichtiger Weckruf wider die Sorglosigkeit in der Wirtschaft.

Buchcover
Web Attack


Der Staat als Stalker


Roman Maria Koidl


Goldmann, 144 Seiten, 8,99 Euro


Inspiration ♦♦♦♦♦
Nutzwert ♦♦♦♦♦
Lesbarkeit ♦♦♦♦♦

Wer nichts zu verbergen hat, muss nichts befürchten. So lautet die gängige Politikerformel zur allgemeinen Beschwichtigung im Zuge des NSA-Skandals. Ein Satz, der Unternehmern besonders unangenehm aufstoßen sollte, denn natürlich hat jeder Firmenchef etwas zu verbergen: seine Marge, seine Beschaffungspreise, seine Topkunden. Umso erstaunlicher, wie ruhig die Unternehmer – samt ihrer Verbände – im Zuge der NSA-Enthüllungen bleiben. Mit Roman Koidl ergreift nun endlich ein Unternehmer das Wort, um lautstark über den „Staat als Stalker“ zu schimpfen. Koidl? Genau, das ist der Mann, den der gescheiterte SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück kurzzeitig als Onlineberater für den Wahlkampf verpflichten wollte – bis sich herausstellte, dass der Österreicher auch als Investor tätig ist, also eine der viel geschmähten „Heuschrecken“ ist.

Als Kanzlerkandidatenberater mag ihn das disqualifizieren, als Betroffenheitsexperte in Sachen Datenschutz ist er damit umso glaubwürdiger. Schon Koidls erster Satz macht klar, worum es ihm geht. „Ich habe Angst“, bekennt der 45-Jährige. Weil er das Gefühl hat, dass der Staat ihm ins Gehirn schaut. Weil er ahnt, was seine Bank über ihn weiß, sein Onlinebuchhändler, sein Telefonanbieter – von der NSA ganz zu schweigen.

Koidl ist klug genug, den schmalen Band nicht als aufklärerisches Sachbuch zu verkaufen, sondern ihm den schönen Begriff des Besinnungsaufsatzes zu verpassen. So kann er frei von der Leber weg seine Thesen ausbreiten, denen zufolge wir uns bereits mit der totalen Überwachung durch Weltkonzerne wie Facebook angefreundet haben und schon bald eine Cyberkriminalität ungeahnten Ausmaßes erleben werden. Dass Koidl es sich erlaubt, auf verschiedene Punkte mehrfach einzugehen, liegt wohl daran, dass er erkennbar mit Schaum vorm Mund schreibt. Sei’s drum. Seine Beispiele, wie wir bereits heute ausgespäht werden, sind erschreckend, sein Ausblick auf die Zukunft ist erschütternd. Der Mann hat es verdient, gehört zu werden.

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