Management Zukunftsforscher im Interview: „Das moderne Büro wird zum Dorf“

Eher Café als Arbeitsplatz: Das kalifornische Start-up  Giant Pixel gehört zu den Vorreitern der modernen Bürogestaltung.

Eher Café als Arbeitsplatz: Das kalifornische Start-up Giant Pixel gehört zu den Vorreitern der modernen Bürogestaltung. © Jasper Sanidad

In der Zukunft sind Büros keine Orte mehr, an denen wir nur E-Mails bearbeiten und uns hinter Aktenbergen verschanzen, prognostiziert der Trendforscher Eike Wenzel im impulse-Interview. Stattdessen werden Büros so gestaltet, dass sie Kreativität und Kommunikation fördern.

Herr Wenzel, längst können wir überall und jederzeit arbeiten. Werden Büros bald abgeschafft?

Eike Wenzel: Die Digitalisierung der Arbeitswelt verändert die Funktion von Büros, überflüssig werden sie aber nicht. Es wird künftig sicherlich noch mehr freie Mitarbeiter in Unternehmen geben, die kaum noch in die Zentrale kommen. Die meisten Trendforscher sind sich aber einig, dass es auch in 15 oder 20 Jahren noch Büros geben wird. Sie werden nur anders aussehen als heute.

Wie denn?

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Starre Einzelbüros mit dem eigenen Namensschild an der Tür werden wohl der Vergangenheit angehören. Die Arbeitswelt wird flexibler werden, darauf stellen sich Unternehmen am besten ein, indem sie den unterschiedlichen Bedürfnissen ihrer Mitarbeiter entgegenkommen. Einige brauchen Inseln der Ruhe, um konzentriert arbeiten zu können, andere den Austausch. Es gibt eine Vielfalt von Arbeitsstilen und Projektanforderungen, die individuelle Lösungen erfordern.

Das Home Office…

…war in den 90er Jahren ein großer Hype. Es hat sich aber nie auf breiter Front durchgesetzt. Stattdessen ist es nur eine Option unter vielen, die es Mitarbeitern ermöglicht, ihr Arbeitsleben zu gestalten. Ich glaube, das Bild, das am besten beschreibt, wie wir morgen arbeiten werden ist das moderne Büro als Dorf.

Als Dorf?

Ja, damit ist gemeint, dass das Büro der Zukunft kein Ort ist, an dem wir Emails bearbeiten und uns hinter Aktenbergen verschanzen, sondern ein Ort, der einem Rahmen bietet für das Miteinander im Unternehmen. Da wird gemeinsam gekocht und dabei über die neuesten Projekte gesprochen. Da gibt es einen Marktplatz, auf dem die besten Ideen entstehen. Büros werden so gestaltet, dass sie all das erleichtern. Dazu gehört auch, dass man mal die Seele baumeln lassen kann.

Verfließen die Grenzen von Arbeit und Freizeit dann noch weiter?

Das glaube ich nicht. Wir alle lernen ja langsam, was die ständige Verfügbarkeit von Emails und anderen Informationen mit uns macht. Dass es auch künftig einen Ort geben wird, der für die Arbeit reserviert ist und den man wieder verlässt, wenn man nicht mehr arbeitet, erleichtert es eher, eine gesunde Balance herzustellen.

Eike Wenzel Eike Wenzel ist Gründer des Instituts für Trend- und Zukunftsforschung in Heidelberg. 2014 erschien sein Buch „#Wir: Wie die Digitalisierung unseren Alltag verändert.“

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