Nikolaus Förster Achterbahn-Gedanken: „Nur das Gute bricht sich Bahn und hält sich auf der Höhe“

Ja, es war eine Premiere. Zum ersten Mal in meinem Leben – ich weiß auch nicht, warum es so lange gedauert hat – war ich auf einer Achterbahn. Kaum war ich im Europa-Park (http://www.europapark.de/) angekommen – ein paar Stunden vor den impulse-Lesern, die wir zum Netzwerktreffen erwarteten – saß ich mit einer Kollegin, die es kaum erwarten konnte („Was ich am Fliegen am meisten liebe, sind die Luftlöcher!“), festgeschnallt in einem metallenen Wagen, wurde bei atemberaubender Geschwindigkeit in einen Sitz gedrückt, stürzte in die Tiefe, jagte wieder in Höhe und landete irgendwann mit beiden Beinen wieder auf fester Erde: erleichtert und zugleich neugierig auf all die anderen Achterbahnen, die die Inhaberfamilie Mack im Laufe von Jahrzehnten aufgebaut hat. Allein im Europa-Park sind es elf verschiedene.

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Wer hätte gedacht, dass ich – als Speed-Novize – nach zwei Tagen in Rust so vom Europa-Park schwärmen würde. Dass die Achterbahnen spektakulär sein würden, hatte ich fast erwartet (oder befürchtet?) – und nach wenigen Minuten genossen. Was mich aber in gleichem Maße faszinierte, war der Unternehmergeist, der hier an allen Ecken und Enden zu spüren war. Es ist eben etwas Besonderes, wenn es einem Familienunternehmen gelingt, mehr als 230 Jahre lang nicht nur zu überleben, sondern immer wieder neue Märkte zu erobern: vom Hersteller von Fuhrwagen und Postkutschen, dem Wagenbau für Schausteller und Zirkusleute …

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… über die Konstruktion der ersten Achterbahnen (1921), die Gründung eines Freizeitparks (1975) bis zum Einstieg ins Hotel- (1995) und Konferenzgeschäft (1998). Inzwischen haben die Macks einen weiteren Markt entdeckt: 2011 haben sie ihren ersten Animationsfilm gedreht. Schon gibt es Pläne für einen neuen, riesigen Wasserpark. 2014 ist das bislang erfolgreichste Jahr in der Unternehmensgeschichte der Macks, und ein Ende ist nicht abzusehen: Neben Roland und Jürgen Mack, der siebten Generation, sind inzwischen auch die Söhne in der Geschäftsführung vertreten: Michael und Thomas Mack.

Egal welche Firma ich besuche (und ich besuche sehr viele…), ein Gedanke schießt mir immer durch den Kopf: Was könnten wir als Verlag davon lernen? Spätestens am nächsten Morgen, als wir uns im Schwarzwaldstädtchen Waldkirch die Firma Mack Rides anschauten, wo alles seinen Anfang nahm und bis heute die Achterbahnschienen gebaut werden (auf dem Foto unten: Mack-Rides-Geschäftsführer Christian von Elverfeldt) …

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… drängte sich eine Antwort auf: Es ist die seltene Kombination aus Herstellung und Dienstleistung, die nicht nur für die Familie Mack zu einem Alleinstellungsmerkmal in der Branche geworden ist, sondern auch für Medien attraktiv sein kann. Um nicht missverstanden zu werden: Es gibt viele Verlage, die irgendwelche, oft willkürliche Nebengeschäfte aufbauen, um die Verluste des erodierenden Kerngeschäfts auszugleichen. Was ich dagegen meine, ist die Chance, all das, was man recherchiert und veröffentlicht, selbst zu praktizieren – und dadurch eine sehr viel höhere Glaubwürdigkeit zu erlangen. Wir versuchen dies zumindest in Ansätzen: Unsere Titelgeschichte zum Preismanagement hat im Sommer dazu geführt, dass wir unsere eigenen Preise verändert haben. Seit unseren Recherchen zur Kinderbetreuung in Firmen haben wir ein eigenes Kinderzimmer im Verlag eingerichtet; nach der Geschichte zum Kundenfeedback haben wir eigene Fragebögen eingeführt (die bislang aber noch zu schlecht angenommen werden), und da wir – um ein weiteres Beispiel zu nennen – das Gefühl haben, im Social-Media-Marketing noch zu wenig zu machen, recherchieren wir in diesem Feld gerade sehr intensiv und bringen dazu im Frühjahr wahrscheinlich eine Titelgeschichte. Im Kern geht es also um Glaubwürdigkeit und Qualität: Wie belastbar ist das, was wir recherchieren?

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Zurück auf die Schienen: Eigentlich ist der Europa-Park ja ein gigantischer Showroom für die Produkte, die die Macks herstellen – immer wieder kommen Delegationen, um sich die Achterbahnen und andere Attraktionen anzuschauen, inzwischen auch von Disney. Niemand sonst in der Branche profiliert sich neben der Produktion zugleich als Dienstleister. „Wir sind das einzige Unternehmen, das beides hat“, sagt Europa-Park-Gründer Roland Mack. „Das ist ein unbezahlbarer Vorteil.“ Nur hat sich der neue Zweig in den vergangenen Jahrzehnten so erfolgreich entwickelt, dass er die Produktion heute in den Schatten stellt. Der Umsatz mit Dienstleistungen zumindest übersteigt den der Herstellung inzwischen um ein Vielfaches.

Dass sich die Macks angesichts der Erfolge zurücklehnen, ist unwahrscheinlich. „Wir haben noch viele Ideen!“, sagt Michael Mack, der Ehrgeiz ist groß. Im Museum auf dem Firmengelände findet man dazu einen Leitspruch des Vorfahren Heinrich Mack aus dem 19. Jahrhundert: „Nur das Gute bricht sich Bahn und hält sich auf der Höhe.“

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