Nikolaus Förster „Ich war schon immer stolz darauf, alle Berater rauszuschmeißen“

Görlitz, Tag 1 der impulse-Deutschlandtour: Bis zur Grenze, an der Neiße, waren es am Morgen nur wenige hundert Meter. Noch ein Foto von der schwarz-rot-gelben Markierung…

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… und los zur ersten Station, zur Süßwarenfabrik Hoinkis, das Familienunternehmen, das seit 1896 Liebesperlen herstellt, in rosa…

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… blau…

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… oder gelb…

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Inzwischen wird die Firma in fünfter Generation von Christian Hoinkis (unten mit Kappe) geführt. 1971 wurde er geboren, ein Jahr bevor das DDR-Regime das traditionsreiche Unternehmen enteignete (nach der Wende forderte die Familie es von der Treuhand zurück). Der impulse-Gruppe erklärte der Unternehmer, welche neuen Produkte er plant. Und welche Trends er sieht.

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Heute werden die süßen Kügelchen in mehr als 20 Ländern verkauft – meist unter anderem Namen. „Die Liebesperlen kennt jeder“, sagt Christian Hoinkis, „nicht aber den Namen der Firma.“ Das Geschäft laufe gut. Mit der aktuellen Situation sei er zufrieden, sagt Hoinkis, und doch gibt er sich vorsichtig. Von seinem Vater habe er geerbt, etwas bewegen zu wollen und sich nicht unterkriegen zu lassen – auch wenn die Rahmenbedingungen nicht immer gut sind. Womit er hadert, ist das Unternehmerbild, das im Osten herrsche, nach vielen Jahren des Sozialismus. Im Westen sei der Unternehmer – nach Jahrzehnten der Marktwirtschaft – meist eine Respektsperson, anders im Osten, wo der Neidfaktor groß sei. Unternehmer würden oft als Ausbeuter angesehen. Dabei sehe er sich als ehrbarer Kaufmann. „Es kommt nicht darauf an, auf Teufel komm raus Gewinn herauszuschlagen“, sagt Hoinkis, „wir sind ja kein Konzern.“

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Mit einem Konzern hat auch Robotron, unsere zweite Station, 125 Kilometer weiter westlich (wo wir auf unseren impulse-Bus trafen), nichts mehr zu tun – auch wenn noch Ende der 1980er-Jahre fast 70.000 Menschen für das frühere Elektrotechnik- und Elektronik-Kombinat der DDR arbeiteten. Nach der Wende gelang dem Datenbankexperten Rolf Heinemann in Dresden mit 28 Kollegen ein Spin-off, 1997 sicherte er sich auch den Namen Robotron – weil die Treuhand verpasst hatte, ihn weiter zu schützen. Heute ist Robotron ein erfolgreicher Mittelständler mit 350 Mitarbeitern, der sich auf die Auswertung großer Datenmengen spezialisiert hat:  für die öffentliche Verwaltung, die Industrie, vor allem aber für die großen Energieversorger. Während sich der Vater, 77, inzwischen auf die Bereiche Personal und Finanzen beschränkt, überlässt er das operative Geschäft seinen beiden Söhnen Ulf (Foto unten) und Björn. Der Umsatz liegt bei 31 Millionen Euro, die Rendite bei über 20 Prozent.

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Was macht Robotron so erfolgreich? Hier ein paar Erfolgsrezepte, die die Heinemanns der impulse-Gruppe offenbarten:

  • Eine klare Fokussierung des Geschäftsmodells auf die Auswertung großer Datenmengen.
  • Eine enge Partnerschaft mit dem US-Konzern Oracle.
  • Der Grundsatz, alle Investitionen aus dem Cashflow oder den Anlagen zu bezahlen. „Man kann nur ausgeben, was man hat“, sagt Ulf Heinemann.
  • Konservative Zukunftspläne (trotz einer geplanten Akquisition): „Wachstum ist keine Strategie“, sagt Ulf Heinemann. „Wir brauchen eine gute Strategie, um zu wachsen.“
  • Eine Kapitalbeteiligung wichtiger Führungskräfte – und die Chance, sich in eigenen GbRs an Bauprojekten Robotrons zu beteiligen und dadurch langfristig am Erfolg des Unternehmens teilzuhaben.
  • Und – last but not least – die Weigerung, Unternehmensberater zu engagieren. „Ich war schon immer stolz darauf, alle Berater rauszuschmeißen“, sagt der Vater, „vor allem die aus Düsseldorf“.

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