Nikolaus Förster impulse: Die drei größten Fehler seit dem MBO

Am Dienstagabend, kurz vor unserer Fehler-Konferenz in Düsseldorf, zu der 180 Teilnehmer strömten, schoss mir ein Gedanke durch den Kopf: Wie können wir als Unternehmermagazin zu einer Fehler-Konferenz einladen und zugleich zu den Fehlern schweigen, die uns seit dem Management-Buy-out Anfang 2013 unterlaufen sind? Können wir natürlich nicht. Was also, fragte ich mich, ist unternehmrisch schief gelaufen? Oder: Was waren die größten Fehler?

Ich musste nicht lange überlegen. Vor allem drei Dinge schossen mir in den Kopf, die ich am nächsten Morgen aufgriff, als ich die Konferenzteilnehmer im Alten Kesselhaus in Düsseldorf begrüßte (siehe unten die Visualisierung durch Martina Grigoleit):

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1. Mangelnde strategische Klarheit

Wer heute, mehr als anderthalb Jahre nach unserem Neustart, in den ursprünglichen impulse-Business-Plan schaut, wird sich wundern: So präzise wir damals Kosten und Erlöse zusammengetragen und prognostiziert haben, so unpräzise waren wir bei der Beschreibung unserer Strategie. Letztlich schrieb der Business-Plan in großen Teilen nur das weiter, was wir über Jahre hinweg mit Erfolg getan hatten – ein Unternehmermagazin herauszugeben und es mit neuen, margenträchtigeren Nebengeschäften zu ergänzen. Es dauerte mehr als ein Jahr, bis wir uns von all dem (gedanklichen) Ballast der Vergangenheit befreit hatten. Was wir heute tun, uns als fairer Dienstleister mit hoher Qualität zu profilieren, hat vom Selbstverständnis kaum mehr etwas mit einem traditionellen Magazinverlag zu tun. Nur: Warum musste es so lange dauern, um diese Klarheit zu erlangen – und damit eine ganz andere Grundlage für unternehmerische Entscheidungen? Wahrscheinlich war dies gar nicht anders möglich angesichts der turbulenten Monate im Winter 2012/13, als ich den MBO-Vertrag verhandelte, die Finanzierung sicherte, mit dem Team den neuen Verlag aufbaute und – quasi nebenbei – das Magazin weiter herausbrauchte. Aber dennoch: Gab es nicht doch eine Chance, unsere Strategie schon frühzeitiger festzulegen?

2. Zu geringer Fokus auf Firmenkultur

Auch diesen Punkt habe ich unterschätzt. Natürlich wusste ich, wie wichtig das impulse-Team ist. Ohne hervorragende Leute hätte in den MBO niemals gewagt; wir sind ja Anfang 2013 als Team fast geschlossen in die neue GmbH gewechselt (und haben dann noch 15 weitere Kollegen eingestellt). Aber dennoch: Wie wichtig eine herausragende Unternehmenskultur ist – wie man also miteinander umgeht, kommunziert und entscheidet -, hätte mir eigentlich früher klar sein müssen. Irgendwie war es in dieser Gründungsphase verführerischer, sich mit Verve auf Zahlenkolonnen, AGB-Klauseln, Vermarktungskonzepte oder Vertriebsstrategien zu stürzen. Erst nach ein paar Monaten wurde mir klar, dass dabei etwas Grundlegendes aus dem Blick gerät: wie wichtig es ist, die besten Mitarbeiter an sich zu binden, dafür zu sorgen, dass sie in einer guten Umgebung arbeiten können. Heute bin ich davon überzeugt, dass es keinen wichtigeren Erfolgsfaktor gibt als eine herausragende Firmenkultur. Umso mehr ärgert es mich, dass ich dies nicht von Anfang an erkannt habe.

3. Zu später Fokus auf Verkaufen

Der dritte gravierende Punkt ist simpel: Im Business-Plan hatten wir keinerlei Stellen für Verkäufer vorgesehen. Wir waren offenbar davon überzeugt, dass die Kunden uns impulse einfach so aus den Händen reißen würden – was natürlich nicht der Fall war. Wahrscheinlich ließen wir uns davon blenden, dass wir leicht profitabel waren und auch weiterhin journalistische Preise gewannen. Nur: Oft ist der Grat zwischen gesundem Selbstvertrauen und ungesunder Selbstüberschätzung recht schmal. Was wir jetzt tun, Selbstständige und Unternehmer gezielt für die Marke impulse zu begeistern und sie zu unseren Kunden zu machen, hätten wir von Anfang an tun sollen. Qualität allein reicht eben nicht aus, man muss auch mal trommeln – zum Beispiel so: Wie? Sie beziehen impulse noch nicht regelmäßig? Das sollten Sie ändern!

1 Kommentar
  • #steuerlinks 48. KW | Steuerköpfe 24. November 2014 06:31

    […] impulse: Die drei größten Fehler seit dem MBO | Nikolaus Förster Offen, ehrlich und interessant. Und zur Erinnerung: Hier hat ein Team um Chefredakteur Nikolaus Förster in Zeiten der Medienkrise ein Magazin per MBO übernommen und weitergeführt. […]

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