Nikolaus Förster Konzern oder Mittelständler? Wenn sich Menschen „unterführt“ fühlen

Wer sich – so wie ich letzte Woche – in das Eifeler 6000-Einwohner-Städtchen Polch verirrt, kommt an einer unscheinbaren Straße vorbei: der Heinz-Gries-Straße. Bis 2010 hieß sie noch Nettestraße, dann wurde sie umbenannt – zu Ehren eines wirklich beeindruckenden Unternehmers: Heinz Gries, heute 79 Jahre alt. Ende der 1960er-Jahre hatte er an der Mosel die kleine Lebkuchenbäckerei seines Vaters übernommen, kaum einer der Branchengrößen nahm den Bäcker aus der Eifel damals ernst. Sie sollten sich gewaltig täuschen: 1969 eröffnete Gries die erste Produktionsstätte in Polch, dann gelang ihm ein spektakulärer Aufstieg, heute ist Griesson-de Beukelaer(http://www.griesson-debeukelaer.de/deDE/) einer der führenden Gebäckhersteller Europas, mit mehr als 2000 Mitarbeitern und einer halben Millarde Euro Umsatz. Die operative Führung hat Heinz Gries schon vor Jahren an den Geschäftsführer Andreas Land abgegeben – und ihn auch gleich am Unternehmen beteiligt.

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Nein, einfach sei es nicht, gute Mitarbeiter in die Eifel zu locken, verriet Manuel Hardt, Leiter der Personalentwicklung, den Teilnehmern des impulse-Netzwerktreffens (siehe http://www.impulse.de/ontour, Ende Juli besuchen wir Leica) – auch wenn Griesson-de Beukelaer zuletzt wieder als einer der attraktivsten Arbeitgeber der Branche ausgezeichnet wurde. Es sei dennoch schwierig und werde, angesichts der demographischen Entwicklung, sogar noch schwieriger. Den impulse-Lesern, die in die Eifel gekommen waren, gab Hardt aber einige Ideen mit, wie man zum Beispiel gute Azubis findet oder Mitarbeiter an sich bindet (mehr dazu in der Juli-Ausgabe).

Wir haben bei impulse – in einer Metropole wie Hamburg – zum Glück kein Problem, Stellen mit sehr guten Mitarbeitern zu besetzen; wir werden, wenn wir eine Stelle ausschreiben, mit Bewerbungen überflutet.

Aber es gab einen anderen Aspekt, der mich aufhorchen ließ: Andreas Lands Erfahrungen als Manager und Unternehmer, schließlich hat er beide Welten kennen gelernt: die des Konzern (u. a. bei Danone) und die das Familienunternehmens, seit 1998 als geschäftsführender Gesellschafter. Der große Wettbewerbsvorteil eines Unternehmens wie Griesson-de Beukelaer sei seine DNA. Inhaber an der Spitze zu haben, präge die Firma und den Umgang miteinander. Natürlich gebe es in einem Konzern meist klarere Prozesse. „Aber die Kehrseite davon ist Bürokratie“, warnte Land. Mitarbeiter (meist hervorragend ausgebildet), die von einem Konzern zu einem Mittelständler wie Griesson-de Beukelaer wechselten, müssten sehr viel eigenständiger arbeiten – weil es weniger Vorgaben gebe. Und dann verwendete er ein wunderbares Wort. Diese Kollegen, so Land, fühlten sich manchmal schlicht und einfach „unterführt“.

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