Nikolaus Förster Was ist ein unabhängiges Magazin? @Indiemags

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Worauf es denn beim Blattmachen ankomme, wurde ich am Samstag auf einem Podium des „Festivals für unabhängige Magazine“ (Indiecon2014 – http://www.wasistindie.de/) gefragt, auf das Bauchgefühl oder das eigene Konzept? „Weder noch“, antwortete ich. „Wer ein gutes Magazin machen will, muss vor allem eins im Blick haben: was die Leser wollen, wovon sie profitieren.“ Ein Magazin zu machen, sei eine Dienstleistung. Ein Konzept und ein gutes Bauchgefühl gehörten dazu, reichten aber nicht aus. Ein paar im Saal nickten zustimmend, aber die meisten sahen mich skeptisch an, einige gar entgeistert, als hätte ich ein Sakrileg begangen. Dienstleistung? Was für ein Wort – fast schon unerhört für diejenigen, die Magazinmachen in erster Linie als Form der Selbstverwirklichung begreifen, die ihre kreativen Ideen (oft mit vielen Fotos und wenigen Texten) in die Öffentlichkeit bringen möchten – und zuweilen, wenn sie zumindest etwas Geschäftssinn mitbringen, sogar ein Publikum finden.

Die meisten, die das Wochenende in Hamburg verbrachten, sehen sich selbst als Indie-Vertreter, also als unabhängige Magazinmacher (Indie = independent). Nur: Was heißt eigentlich „unabhängig“?

Die Veranstaltung fand statt in der prunkvollen Heine-Villa des Hauptsponsors Hoffmann & Campe Corporate Publishing, also einem Verlag, der Magazine und andere PR-Projekte im Auftrag von Firmen erstellt („anspruchsvolle Unternehmenskommunikation auf allen Kanälen“ ) – also ungefähr das Gegenteil dessen, was man sich unter redaktioneller Unabhängigkeit vorstellt. Aber vielleicht wird diese Form der Unabhängigkeit ja auch gar nicht angestrebt? Berührungsängste mit PR zumindest scheint es nicht zu geben.

Vielleicht ist also eher die Größe ein Kriterium für Unabhängigkeit? Lieber klein = unabhängig als groß = abhängig sein? Aber warum wurde den Teilnehmern dann während der Tagung ein Vertriebsworkshop mit einem dpv-Mitarbeiter angeboten? (Der dpv ist mit einst 500 Mitarbeitern einer der größten Vertriebsdienstleister Deutschlands.)

Aber vielleicht zeigt dies ja gerade das Problem der Magazinbranche: Auf der einen Seite die großen, ratlosen Verlage, die weitermachen wie bisher, an überkommenen Rezepten festhalten, auch wenn ihnen gerade ihr Geschäftsmodell abhandenkommt, dabei aber gute Miene zum bösen Spiel machen. Und auf der anderen Seite die Einzelkämpfer, die voller Leidenschaft und Kreativität neue Ideen entwickeln, eine Zeitlang Selbstausbeutung mit einem Geschäftsmodell verwechseln und dann ernüchtert erkennen müssen, wie schwierig es fällt, ihr Projekt finanziell abzusichern, ohne in (neue) Abhängigkeiten zu geraten.

Die (Indie-)Kunst besteht also darin, inhaltliche und finanzielle Unabhängigkeit zugleich zu erreichen – was äußerst schwierig ist. Auf jeden Fall kann es nicht schaden, wenn man ein Publikum hat, das einen schätzt – und bezahlt (Preisliste anbei…). Auch Freigeister müssen von etwas leben.

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