Nikolaus Förster „Wir wollten uns nicht kaufen lassen!“

Wahrscheinlich wird dies noch länger so bleiben, wenn man ostdeutsche Unternehmen besucht: dass immer wieder die jüngste Geschichte durchscheint. So auch beim Mittelständler POG-Präzisionsoptik Gera (http://www.pog.eu), den ehemalige Zeiss-Mitarbeiter kurz nach der Wende gründeten – und in dessen Vitrinen sich heute schwarz-rot-goldene Farbspektren bilden, wenn das Licht in einem besonderen Winkel einfällt.

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Untergebracht ist das Unternehmen mit seinen fast 140 Mitarbeitern in zwei Etagen des Gewerbeparks Keplerstraße, in einem kleinen Tal nur wenige Kilometer von Gera entfernt, wo gegen Ende des Zweiten Weltkriegs Ausrüstungen für Panzer und Raketen sowie militärische Messgeräte hergestellt wurden und, anders als in der Stadt selbst, keine Bomben der Alliierten fielen.

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Im Inneren des schmucklosen Gebäudes verbergen sich Reinräume, wo Miniaturteile und Komponenten für Messtechnik und die Halbleiterindustrie hergestellt werden, für Kameras, Medizintechnik, Militär- und Sportoptik sowie für die Luft- und Raumfahrt. Nichts ist bei POG so verhasst wie Staub.

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Die optischen Mikrostrukturen werden von den Mitarbeitern unter Gelblicht hergestellt…

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Gäste tragen weiße Overalls …

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… und sollten dennoch aufpassen, was sie tun…

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Der Blick auf die Kennzahlen zeigt ein erfolgreiches Technologieunternehmen, das heute in mehr als 30 Länder exportiert, 10 Millionen Euro umsetzt und mehr als 1 Millionen Euro für Investitionen aufbringt – aus eigenen Mitteln (und Zuschüssen). Dass es zu solch einer Erfolgsgeschichte kommen würde, war keineswegs sicher, als sich die Physiker Ray George und Aleksander Wlodarski und der Feinoptiker Manfred Schubach zusammentaten – und Anfang 1992 den Schritt ins Unternehmertum wagten. Zuvor hatten Investoren versucht, Teile der Zeiss-Werke samt Technologie zu kaufen. „Wir wollten uns aber nicht kaufen lassen“, sagt Mitgründer Schubach, Jahrgang 1938, der Älteste der drei Gründer. Sie seien fest entschlossen gewesen, das Know-how, das die leitenden Zeiss-Angestellten über Jahre hinweg aufgebaut hatten, zu erhalten – auch wenn das Risiko groß war. „Wir hatten keine Geschäftserfahrung“, sagt Ray George. Dennoch gelang es ihnen, gute Mitarbeiter für den Neustart zu gewinnen und Kapital für die GmbH-Gründung zusammenzubekommen. Für die Investitionen reichte es nicht. Bereits kurz nach dem Start brauchten die drei einen Kredit in Höhe von 1 Millionen Mark – ein schwieriges Unterfangen zur damaligen Zeit. Doch auch diese Hürde nahmen sie.

Und was sind – im Rückblick mehr als 20 Jahre danach – die Erfolgsfaktoren? Für Schubach und George, die beim impulse-Netzwerktreffen in Gera mit den Unternehmern diskutierten, sind es vor allem drei Dinge:

  • ihre detaillierten Führungsleitlinien, die sie über einen Zeitraum von drei bis vier Jahren zusammen mit dem Team entwickelt haben – mit dem zentralen Satz: „Wir arbeiten für den Kunden.“ Eine gute Kommunikation und konsequente Kundenorientierung sei leider keineswegs selbstverständlich in der Branche.
  • das frühzeitige Engagement, guten Nachwuchs an sich zu binden, u. a. mit Schul- und Forschungskooperationen und strategischer Öffentlichkeitsarbeit.
  • und der Zusammenhalt des Gründerteam – auch wenn manchmal „die Funken geflogen“ seien. Selbst eine Nachfolge änderte nichts an der Grundkonstellation: Mitgesellschafter Manfred Schubach hat sich vor ein paar Jahren aus der Geschäftsführung zurückgezogen – zugunsten seines Sohns Jan.

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