19.05.2010

Beteiligungsmodell: Kollege Mitinhaber

Von: Friederike Meier-Burkert
 Studien belegen, dass Unternehmen, die Mitarbeiterbeteiligung praktizieren, überdurchschnittlich erfolgreich sind
Studien belegen, dass Unternehmen, die Mitarbeiterbeteiligung praktizieren, überdurchschnittlich erfolgreich sind
© fotolia.com
Der süddeutsche Hersteller von Wasseraufbereitungsanlagen Grünbeck ist ganz weit vorne, wenn es um die Beteiligung der Firmenangehörigen am Unternehmen geht. Ein Modell mit dem Grünbeck nicht nur seine Mitarbeiter motiviert.

Sie sind krisenfest und schaffen Arbeitsplätze. Studien belegen, dass Unternehmen, die Mitarbeiterbeteiligung praktizieren, überdurchschnittlich erfolgreich sind. Dennoch ist Beteiligung in Deutschland zwar ein beliebtes Schlagwort, praktiziert wird sie nur selten. Nicht einmal zehn Prozent der deutschen Unternehmen beteiligen ihre Angestellten am Gewinn, gerade mal zwei Prozent am Kapital.

Im Mittelstand liegen die Werte noch niedriger. Allgemein bevorzugt werden Beteiligungsmodelle, die den Mitarbeitern kaum Mitspracherechte einräumen, meist in Form stiller Beteiligungen oder Genussrechte. Nur etwa 300 deutsche Firmen beteiligen ihre Mitarbeiter über GmbH-Anteile direkt am Eigenkapital. Und kaum ein Unternehmen geht dabei so weit wie der süddeutsche Hersteller von Wasseraufbereitungsanlagen Grünbeck.

Firmengründer Josef Grünbeck suchte schon in den 60er-Jahren nach Wegen, seine Mitarbeiter mehr zu motivieren und die Unabhängigkeit des Unternehmens langfristig zu sichern. 1970 führte er zunächst eine großzügige Erfolgsbeteiligung ein, später gründete er eine Beteiligungsgesellschaft, über die sich die Mitarbeiter indirekt am Kapital des Unternehmens beteiligen konnten. Seit Ende der 80er-Jahre können die Grünbeckler auch direkt GmbH-Anteile erwerben. Heute gehört fast die Hälfte des Unternehmens der Belegschaft. 30 Prozent der rund 400 Mitarbeiter am zentralen Standort Höchstädt sind direkt am Stammkapital ihres Arbeitgebers beteiligt - weitere 17 Prozent halten stille Beteiligungen. Diese werden mit garantierten fünf Prozent pro Jahr verzinst. Bei der GmbH-Beteiligung hängt die Dividende am Unternehmenserfolg, maximal werden 50 Prozent des Gewinns ausgeschüttet. In schlechten Jahren fällt die Dividende auch mal aus. Doch die sind selten, das Unternehmen wächst seit Jahrzehnten kontinuierlich.

Grünbeck will sein Mitarbeitermodell sogar noch ausweiten: "Wir streben eine Beteiligung aller Mitarbeiter an", sagt Personalleiter Dieter Schiller.

Dabei werden die Höchstädter jetzt auch durch die Bundesregierung unterstützt. Seit Inkrafttreten des Mitarbeiterkapitalbeteiligungsgesetzes (MKBG) vor einem Jahr, kann jeder Arbeitgeber seinen Mitarbeitern Unternehmensanteile bis zu einer Höhe von 360 Euro jährlich steuer- und sozialabgabenfrei überlassen. Darüber hinaus können bis zu 400 Euro pro Jahr und Mitarbeiter als vermögenswirksame Leistung eingebracht werden.

Allerdings galt bisher ein Entgeltumwandlungsverbot: Die Überlassung von Unternehmensanteilen durfte nicht mit Lohn- und Gehaltsansprüchen verrechnet werden. Diese Vorschrift wurde vom Gesetzgeber jetzt aufgehoben. Teile des Gehalts oder der Sonderzahlungen können bis zum Betrag von 360 Euro steuer- und sozialabgabenfrei als Kapitalbeteiligung im Unternehmen stehen gelassen werden. Die Neuregelung birgt erhebliche Vorteile: Werden die vollen 360 Euro pro Jahr und Mitarbeiter als Kapitalbeteiligung angelegt, dann winkt dem Unternehmen laut Berechnungen der Arbeitsgemeinschaft Partnerschaft in der Wirtschaft (AGP) eine Liquiditätsersparnis von rund 430 Euro, die Mitarbeiter müssen für ihren 360-Euro-Anteil nur noch 180 Euro aufwenden.

Quelle: ftd
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