Empfehlen Facebook Twitter XING Als E-Mail verschicken Drucken
31.01.2012

Honorar: Anwälte sind auch nur Menschen

Von: Anke Stachow
Rechtsberatung: Oft können Kunden nur das Honorar, nicht aber die Qualität vergleichen
Zoom Rechtsberatung: Oft können Kunden nur das Honorar, nicht aber die Qualität vergleichen
© Getty Images
Um die Honorare der externen Rechtsberater feilschen Unternehmen heute wie auf dem Basar. Für kleinere Firmen suchen jetzt Dienstleister die passenden Anwälte aus.

Früher wäre es natürlich undenkbar gewesen, dass ein Unternehmen um Anwaltshonorare feilscht wie sonst um den Preis für Büromaterial und Klopapier. Eine Rechtsberatung kaufte man nicht - der Anwalt "übernahm" das Mandat vielmehr. Das klingt eher nach einer Gefälligkeit, und so war auch das Selbstverständnis der honorigen Juristen.

Heute aber ist die Rechtsberatung keineswegs mehr die edle Tat eines Freiberuflers. Wenn sich Kanzleien um Großaufträge bewerben, "sitzt bei den meisten DAX-Unternehmen heute der Leiter der Einkaufsabteilung mit am Tisch", sagt Matthias Heisse, Partner bei Heisse Kursawe Eversheds. Der Mann also, der sonst auch Büropapier und Kabelmuffen anschafft.

Die Rechtsberatung ist eine Dienstleistung wie jede andere geworden. Das liegt nicht zuletzt an den hohen Honoraren, die die Mandanten nicht mehr unhinterfragt hinblättern wollen. "Mit der Finanzkrise sind die Unternehmen kostenbewusster geworden", sagt Martin Henssler, Leiter des Instituts für Anwaltsrecht in Köln. "Sie sind gerade bei den normalen anwaltlichen Dienstleistungen nicht mehr bereit, alles zu zahlen."

Die Kanzleien müssen inzwischen einiges aushalten, wenn sie lukrative Großmandate ergattern wollen. Konzerne wie General Electric oder Siemens, aber auch Großbanken stellen inzwischen aus mehreren Kanzleien ein Panel zusammen, mit dem sie für einen bestimmten Zeitraum zusammenarbeiten. Alle paar Jahre wird die Besetzung durch Ausschreibungen, diverse Bewerbungsrunden und Präsentationen neu zusammengestellt. Denn die Unternehmen wollen nur eines: Die beste Leistung zu einem möglichst niedrigen Preis.

Für die Unternehmen ist es deshalb ein geschickter Schachzug, die Terrier von der Einkaufsabteilung um die Honorare feilschen zu lassen. "Auf diese Weise wird die spätere Zusammenarbeit mit der Rechtsabteilung nicht mit solchen schmerzhaften Themen belastet", sagt ein Konzernjurist.

Seite   1 | 2 | 

© 2012 ftd.de

Ihre Meinung

Ich bin registrierter User und möchte mich anmelden

Ihr Name
Ihre Email-Adresse (wird n. veröffentl.)
Betreff
Ihr Kommentar


Versenden | Leserbrief | Druckversion | Zurück

Diesen Artikel bookmarken bei...

Tausendreporter BlinkList del.icio.us Folkd Furl Google Linkarena Mister Wong oneview Yahoo MyWeb YiGG Webnews