16.09.2009

Insolvenz: Filetstückchen aus der Pleite sichern

Von: Alice Blezinger (Berlin)
Insolvente Firmen können Schnäppchen sein - besonders für Käufer, die schnell sind und vom Fach. Aber es lauern auch Gefahren.

Endlich. Auf diesen Moment hatte der Fleischfabrikant seit Jahren hingearbeitet: Er hat einen seiner ärgsten Konkurrenten geschluckt. Als der Wettbewerber ins Straucheln kam, griff der Unternehmer aus der Oberpfalz zu - ohne zu zögern, vor allen anderen. Schließlich kannte er sich aus, wusste um den Wert der Maschinen und die Qualität die Rohware im Kühlhaus. Den Namen des Käufers kann Rechtsanwalt Michael Wiehl von der Kanzlei Rödl & Partner nicht nennen. Er ist sein Mandant. Aber, sagt er, das Geschäft sei ein gutes das Beispiel für eine genutzte Gelegenheit: "So schnell reagieren kann nur, wer die Risiken im Geschäftszweig kennt und so beurteilen kann, ob das Unternehmen wieder fit gemacht werden kann."

Steht ein kriselndes Unternehmen zum Verkauf, kann es schon mal zugehen wie bei Discounter. Was ist im Angebot? Was kostet es? Oft entscheidet das Tempo, ob ein Deal zum Sonderpreis winkt. Wer genug Geld in der Kasse hat und seine Pläne nicht erst lange mit Aktionären oder Banken abstimmen muss, kann da im Vorteil sein.

Rettung muss schnell gehen

Allerdings lauert in der Chance auch Gefahr: "Das Unternehmen ist schließlich nicht ohne Grund insolvent geworden", sagt Oliver Räuscher, der für die Unternehmensberatung Roland Berger schon einige solcher Unternehmensverkäufe betreut hat. Weil kriselnden Firmen aber oft Vertragspartner oder wichtige Mitarbeiter davonlaufen, muss die Rettung schnell gehen.

Das normale Vorgehen mit penibler Kontrolle der Bücher ist da meist unmöglich. Der Preis der Eile ist dann die Sorgfalt. Heikel, zumal bei einem angeschlagenen Betrieb. Nicht umsonst heißt die Unternehmensprüfung im englischen Due Dilligence - also gebotene Sorgfalt. Sei die unmöglich, sei eben im Vorteil, "wer sich in der Branche schon auskennt", weiß Wiehl.

Grundsätzlich hat der Interessent zwei Möglichkeiten einzukaufen: Erwirbt er die Anteile der strauchelnden Firma in einem sogenannten Share-Deal, muss er sie nehmen, wie sie ist - mit allen Schulden und Risiken.

 Für kriselnde oder insolvente Firmen ist daher meist Variante zwei attraktiver: der Asset-Deal. Dabei nimmt der Käufer sich nur die Filetstücke - Maschinen, Grundstücke oder Lizenzen gibt es je nach Bedarf einzeln. Das schütze vor unangenehmen Überraschungen und sei "eine gute Gelegenheit, auszumisten und sich von altem Ballast zu befreien", sagt Räuscher. Weil er alles einzeln übernimmt, könne der Käufer so etwa aus teuren Mietverträgen aussteigen.

Dabei darf er aber nur nichts Wichtiges vergessen: "Wenn mit einem Asset-Deal auch Verträge des Unternehmens mit Lieferanten oder Abnehmern übergehen sollen, muss der Käufer unbedingt rechtzeitig die Zustimmung der Vertragspartner einholen", rät Räuscher. Sonst kann es passieren, dass der Käufer zwar Maschinen hat, aber kein Material - oder, schlimmer noch, keine Kunden.

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