15.02.2010

Lobby-Politik: Kartellamtschef kritisiert Pläne für Apothekerschutz

Von: Monika Dunkel (Bonn)
Kartellamtschef Andreas Mundt
Zoom Kartellamtschef Andreas Mundt
© dpa
Klientelpolitik: Mit diesem Vorwurf muss sich Schwarz-Gelb spätestens seit der Sonderbehandlung für Hotels auseinandersetzen. Deutschlands oberster Kartellwächter glaubt, bei den Apothekern ein weiteres Beispiel entdeckt zu haben.

Kartellamtschef Andreas Mundt wirft der schwarz-gelben Koalition Klientelpolitik zugunsten der Apotheker vor. "Ärgerlich finde ich, dass die neue Regierung die Pick-up-Stellen für Medikamente verbieten will", sagte er der Financial Times Deutschland (FTD). "Hier werden die Apotheker unnötig geschützt - zum Schaden der Verbraucher. Das muss nicht sein. Im Ausland gibt es diese Restriktionen nicht, und es funktioniert gut."

Mit seiner Kritik greift der Kartellamtschef die Wirtschaftspolitiker von Union und FDP an. Auf ihr Drängen war das Verbot der sogenannten Pick-up-Stellen der Versandhändler in den Koalitionsvertrag aufgenommen worden. Pick-up-Stellen können Tankstellen, Drogeriemärkte oder kleine Geschäfte sein, in denen Kunden von Versandhändlern ihre Medikamente abholen können. Die Kunden haben davon Vorteile, sie erhalten zumindest die frei verkäuflichen Medikamente so oft günstiger.

Mundts Kritik ist bemerkenswert, denn der 49-Jährige ist erst seit wenigen Wochen neuer Chef der obersten Wettbewerbsbehörde und gehört der FDP an. Das Bundeskartellamt erlaubt Fusionen, bestraft Kartelle und soll für fairen Wettbewerb sorgen.

Das Verbot der Abholstellen ist eine alte Forderung der Apothekerlobby. Sie fürchtet durch die Stellen eine Verschärfung des Wettbewerbs unter den rund 21.000 Apotheken in Deutschland.

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Mit dem Verbot sollen nach Meinung der Befürworter Auswüchse beim Versandhandel bekämpft werden. Die Arzneimittelversorgung würde von großen Ketten übernommen, wenn mehr Wettbewerb erlaubt werde, so die Apothekenschützer. Außerdem sei bei der Medikamentenabgabe eine qualifizierte Beratung nötig. Kritiker halten die Einwände indes für vorgeschoben. Der Wettbewerb über Pick-up-Stellen sei etwas, was dem Verbraucher helfen würde, sagte etwa SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach.

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