Am Anfang klang alles so gut. Steve Hastings hatte sich mit einem befreundeten Banker in einer Münchner Bar getroffen und ihm von dem Laserschnittsystem erzählt, das er erfunden hatte. Von der Technik verstand der Freund zwar nicht viel, aber vom Geld. Sie taten sich zusammen: 30 Prozent vom Umsatz für den Freund, dafür sollte er die teuren Patentanmeldungen bezahlen.
Die Erfindung war Teil einer Kette von fünf Patenten, die Hastings in Europa, den USA und Japan anmeldete. Doch das Treffen 2007 endete im Desaster. Hastings machte 75.000 Euro Verlust, hielt kein Patent in der Hand, hatte nie einen Prototypen bauen können. Und andere verdienten Geld mit seiner Idee.
Patentschutz ist teuer
Schmerzliche Erfahrungen wie er machen viele Erfinder: Sie haben eine Idee, doch für den Patentschutz fehlt das Geld. 50.000 bis 70.000 Euro kostet ein Patent für die wichtigen Märkte Europa, USA und China in den ersten fünf Jahren im Durchschnitt, schätzen Experten. Weil die Kosten aus dem Ruder laufen oder sich der Prozess zu lange hinzieht, geben viele Erfinder auf halber Strecke auf.
Hastings kam die Finanzkrise in die Quere: Mitte 2009 verlor sein Bankerfreund den Job. Damit fehlte das Geld, weiter in den Patentschutz zu investieren. Als er die Gebühren nicht mehr zahlen konnte, stellten die Behörden die Prüfung schließlich ein.
Lohnt sich weltweiter Patentschutz?
Die jährlichen Gebühren des Patents treffen kleine Erfinder besonders hart - denn zu zahlen sind sie unabhängig davon, ob das Patent überhaupt schon erteilt ist. Um die drei Jahre vergehen vom Antrag bis zur Urkunde beim Deutschen Patent- und Markenamt, etwa dreieinhalb sind es beim Europäischen Patentamt, mit dem sich in einem Verfahren der Schutz für 38 europäische Länder beantragen lässt. International dauert es oft noch länger, weil alle Dokumente übersetzt werden müssen, die an Patentämter im Ausland gehen. Außerdem braucht der Anmelder immer wieder juristische Beratung. Und die ist auf dem Feld der Spitzentechnologie nicht eben billig: 60 bis 70 Prozent der Gesamtkosten während der Anmeldung macht das Honorar für den Patentanwalt aus, schätzt Eberhard Kübel. Mit seiner Beratungsfirma Tepac hilft er Erfindern, die sich mit ihrer Idee auf den Markt wagen wollen.
Kübel rät ihnen, sich eine regelrechte Patentstrategie zuzulegen, denn für jede Erfindung sind die Marktbedingungen anders. Zur Strategie gehöre es zuerst, die internationalen Märkte zu sondieren: "Erfahrungsgemäß lohnt es sich nur in einem Drittel der Fälle, überhaupt über den europäischen Markt hinauszuschauen", sagt der Berater. Daher müsse sich der Erfinder vorher gut überlegen, ob er es überhaupt schaffen kann, soweit zu expandieren. Es lohnt sich zwar, viele Patente auf die Technologie anzumelden. Bei den Ländern sollten Gründer jedoch sparsam sein. Und sich nicht allein auf den Patentschutz verlassen: "Man muss eine hohe Markteintrittsbarriere für die Konkurrenten schaffen. Dazu gehört es auch, dass man sein Produkt ständig weiterentwickelt", sagt der Münchner Patentanwalt Stefan Zech.
Quelle: ftd.de
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