08.01.2009

Pisa-Test: Unter Prüfungsstress

Erstmals soll es einen Pisa-Test für die Berufsbildung geben. Doch die Sozialpartner blocken - mit fragwürdigen Argumenten.

Der große Leistungstest rief Bedenkenträger in Deutschland auf den Plan. "Hier werden Äpfel mit Zwergtomaten verglichen", wetterte der ranghöchste Hochschulvertreter. Auch die Gewerkschaft war strikt dagegen: "Die primären Interessen, die hinter Pisa stehen, müssen hinterfragt werden", sagte eine Vorstandsfrau.

Das war 1999, als Hochschulpräsident Klaus Landfried und GEW-Mitglied Marianne Demmer gegen eine deutsche Teilnahme am Pisa-Schülervergleich stänkerten. Die Studie startete trotzdem – und machte Furore. Heute will das Ranking, das eine neue Bildungsrevolution auslöste, niemand mehr missen.

Nun ist ein neuer Feldversuch in Vorbereitung. Diesmal wollen etliche europäische Länder ab 2010 ihre beruflichen Ausbildungssysteme vergleichen – und wieder passt vielen Funktionären der ganze Ansatz nicht. "Wir dürfen Äpfel nicht mit Birnen vergleichen", mahnt Friedrich Esser vom Zentralverband des Deutschen Handwerks. Für dessen Kollegen bei der IG Metall, Klaus Heimann, muss das Projekt unbedingt "noch einmal auf den Prüfstand". Wegen solcher Bedenken der Sozialpartner ist der Start der Studie noch ungewiss.

Die Idee für den Ausbildungscheck kommt aus Deutschland, sie wurde im Bundesbildungsministerium noch unter Rot-Grün geboren. Nach dem Schulvorbild soll ein Sektor beleuchtet werden, der in Deutschland gut zwei Drittel der Schulabgänger aufnimmt. Über die Quantitäten wissen Experten fast alles, über die Qualität so gut wie nichts – schon gar nicht im europäischen Vergleich.

"Die deutsche Wirtschaft muss an dieser Studie das allergrößte Interesse haben", sagt der Nürnberger Bildungsforscher Eckart Severing: "In einem zusammenwachsenden europäischen Arbeitsmarkt werden andere Länder nur dann Prinzipien der dualen Ausbildung übernehmen, wenn sie auch wissen, dass sie gut ist."

Unter der deutschen EU-Ratspräsidentschaft wurden 2007 bereits entscheidende Studiendaten festgezurrt. Insgesamt acht Länder wollen mitmachen, darunter ­Österreich, die Schweiz und ­alle skandinavischen Staaten. Mit vier Berufen will man starten, die es in allen Ländern so oder ähnlich gibt: Kfz-Mechatroniker, Elektroniker, Industriekaufmann und eine noch genau zu definierende sozial-pflegerische Ausbildung.

Vereinbart ist der Check am Computer durch die Simulation authentischer Arbeitssituationen. Die Pisa-Länder gaben die Steuerung des Projekts an Deutschland ab – womit automatisch die Sozialpartner auf den Plan traten.

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