Sowohl die Grund- als auch die Gewerbesteuer sind eine kommunale Einnahmequelle, die Kommunen haben die Tarifhoheit. Die Grundsteuer B für bebaute und unbebaute Grundstücke multipliziert einen Hebesatz mit dem Einheitswert der gewerblichen oder privaten Immobilien. Gut 10 Milliarden Euro zahlen Hauseigentümer und Mieter jährlich, innerhalb von zehn Jahren ist das Aufkommen um ein Drittel gestiegen.
Der Hebesatz beträgt bundesweit im Schnitt rund 400 Prozent. Dabei verlangen Kommunen in Schleswig-Holstein den niedrigsten, Berlin hingegen den höchsten Prozentsatz. Das "B" bei der Grundsteuer steht übrigens für "baulich". Im Gegensatz dazu steht ein "A" für "agrarisch"; die Grundsteuer A triff t Betriebe der Landund Forstwirtschaft, ihr Aufkommen liegt bei rund 350 Millionen Euro im Jahr.
Die Gewerbesteuer berechnet sich aus dem jährlichen Unternehmensgewinn, auf den ein Hebesatz angewendet wird. Der durchschnittliche Satz aller Kommunen lag 2007 bei 389 Prozent, bei Gemeinden ab 50.000 Einwohner sind es im Schnitt 432 Prozent. Die Hebesätze deutscher Großstädte liegen mit Ausnahme von Berlin und Stuttgart deutlich über dieser Schwelle. Dabei variiert das Hebesatzniveau in den einzelnen Bundesländern.
Rechner: Was der Fiskus einbehält
Ein Blick auf die Deutschlandkarte zeigt eine dreigeteilte Landschaft von niedrigen Tarifen im Osten mit der Ausnahme Sachsens, hohen im Westen und den relativ niedrigen Hebesätzen im wirtschaftlich starken Süden der Republik.
Günstige Nachbarn
Die neue Betriebsstätte zum Steuersparen muss gar nicht weit entfernt liegen, wie Köln und der Ort Grafschaft zeigen. Statt des hohen Hebesatzes von 450 Prozent in der Domstadt lockt die Gemeinde ein paar Kilometer weiter mit attraktiv niedrigen 330 Prozent. Steht die Fabrikhalle nur wenige Autominuten entfernt, bringt das bei einem Gewinn von 10 Millionen Euro jährlich eine Entlastung von 420.000 Euro Gewerbesteuer. Diese Form der Abwerbung mit Steuerrabatt betreiben gern eher dünn besiedelte Gebiete mit viel Platz sowie meist guter Fernstraßenanbindung für Lkw und Berufspendler.
Große Entlastung
Den gesetzlichen Mindest-Gewerbesteuerhebesatz von 200 Prozent fi ndet man nur in kleineren, wenig verkehrsgünstig gelegenen Gemeinden. Attraktiv sind aber viele Orte in Oberbayern mit einem Tarif von 300 Prozent. Die höchsten Hebesätze fi nden sich in Kleinstkommunen ohne nennenswerte Firmen ansiedlungen, die etwa in der Moselregion in Rheinland-Pfalz bis zu 900 Prozent fordern; diese Spitzenposition nimmt Diersfeld ein. Ein Beispiel: Eine Kapitalgesellschaft mit einem gewerbe steuerpfl ichtigen Gewinn von 10 Millionen Euro mit Sitz in München plant den Umzug in eine andere Gemeinde. Durch das Gefälle bei den Hebesätzen kann das eine jährliche Ent lastung von bis zu 1 Millionen Euro bringen.
Breitere Grundlage
Die Gewerbesteuer lässt sich seit 2008 nicht mehr als Betriebsausgabe absetzen. Zudem wurde die Bemessungsgrundlage erweitert, nun müssen 25 Prozent der Schuldzinsen sowie Finanzierungsanteile von Mieten, Pachten und Leasingraten mitversteuert werden. Kleine Firmen profi tieren, weil Finanzierungskosten mit einem Viertel nur über dem Freibetrag von 100.000 Euro hinzugerechnet werden; bis zum Jahr 2007 zählten Langfristzinsen ab dem ersten Euro zur Hälfte. Wer als Mittelständler wenig least oder mietet, kommt so zumindest nicht schlechter davon.
Übersicht: Hebesätze in Deutschland
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