Für Herbert Schlieper war dieses Jahr genau der richtige Zeitpunkt, um Geld in seine Firma zu stecken. Der Chef einer Digitaldruckerei in Essen hat seinen Maschinenpark für eine sechsstellige Summe auf den neuesten Stand gebracht. Gerade noch rechtzeitig, bevor es von 2011 an die degressive Abschreibung auf Maschinen, Anlagen und Fahrzeuge nicht mehr gibt. Die beschert Investoren anfangs hohe und später fallende Steuerersparnisse. Demnächst gibt es nur noch die lineare Abschreibung, also eine in gleichen Jahresraten. "Mit den neuen Druckmaschinen können wir unseren Kunden europaweit Lösungen bieten, die ihren Anforderungen standhalten", sagt Schlieper. "Und durch die höhere Steuerersparnis rechnen sich die Investitionen auch besser."
Sein Unternehmen Schliepercolor ist ein Spezialist: Wenn der Borussia-Dortmund-Sponsor Evonik Industries im Stadion des Fußballbundesligisten riesige Banner entrollen lässt oder die US-amerikanische Performance-Gruppe Blue Man Group Flagge zeigt, hat Schlieper die Vorarbeit dafür geleistet. Und mit dem neuen Equipment ist der Betrieb wieder auf der Höhe des technisch Machbaren.
Auch andere Firmenchefs wollen jetzt handeln, denn zum Jahreswechsel fällt nicht nur die degressive Abschreibung weg, auch andere Sparmöglichkeiten hat die Bundesregierung gestrichen. Wer von den alten Regelungen noch profitieren will, sollte sich beeilen. Nach Silvester ist Schluss. "Ab dem nächsten Jahr wird es teurer", sagt Doris Zur Mühlen, Steuerberaterin in der Kanzlei RST in Essen.
Einige Steuervorteile bestehen zwar grundsätzlich auch für die kommenden Jahre fort. Das heißt aber nicht, dass Unternehmer und Freiberufler sich deswegen entspannt zurücklehnen können. Wer die Möglichkeiten des aktuellen Jahres nicht nutzt, zahlt mehr Steuern als unbedingt nötig.
Galt früher im betrieblichen Bereich eine gewisse Zurückhaltung beim Steuersparen als durchaus angemessen, ist das jetzt vorbei. Denn für den nächsten Jahresabschluss müssen zwei Bilanzen erstellt werden: eine für die Steuer und eine Handelsbilanz. Dort können Firmeninhaber den tatsächlichen Gewinn und damit ein höheres Eigenkapital vorzeigen. "Günstig, um etwa die Bank oder Anteilseigner zufriedenzustellen", sagt Georg Schmalhofer, Steuerberater bei der Kanzlei Ecovis BLB im bayerischen Waldkirchen.
Grundsätzlich gilt auch in diesem Jahr: Selbstständige müssen in Sachen Steuern selbst dafür sorgen, dass sie finanziellen Spielraum bekommen, um investieren, Mitarbeiter einstellen und das Firmenwachstum vorantreiben zu können. Denn obwohl die Konjunktur wieder angesprungen ist und die steigenden Steuereinnahmen das rosarote Bild ergänzen, blockt Finanzminister Wolfgang Schäuble alle Forderungen nach Senkungen weiter rigoros ab. Solange sollte jeder die bestehenden Chancen nutzen, um die Zahlungen zu minimieren.
impulse hat die besten 50 Spartipps für Unternehmer, Vermieter, Anleger und die Familie zusammengetragen. Das Sparpotenzial reicht dabei von einigen Hundert Euro bei Kleininvestitionen bis hin zu Millionenbeträgen bei der Übertragung von Vermögen in der Familie. Eine ganz eigene Steuersenkungsrunde. Schäuble zum Trotz.
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