Empfehlen Facebook Twitter XING Als E-Mail verschicken Drucken
13.10.2010

Unternehmensbilanz: Fiskus fordert ab nächstem Jahr digitale Übermittlung

Von: Bernd Lammert, Berlin, und Ute Göggelmann, Frankfurt
Die Lohnsteuerkarte in Papierform ist ein Auslaufmodell
Zoom Die Lohnsteuerkarte in Papierform ist ein Auslaufmodell
Bereits ab ab 2011 sollen Unternehmen dem Finanzamt ihre Steuerunterlagen elektronisch übermitteln. Die Wirtschaft läuft Sturm. Der Vorwurf: Die E-Bilanz schaffe weniger Bürokratie beim Staat, aber mehr in den Firmen.

Alle Jahre wieder. So sicher, wie am 31. Dezember der Zeiger auf 24 Uhr springt, müssen sich Bürger und Unternehmen nach dem Neujahrsfest auf viele schöne neue Steuergesetze einstellen. Auch 2011 wird das wieder so sein: Die farbige Lohnsteuerkarte aus Pappe wird durch ein elektronisches Verfahren ersetzt. Und was für den Steuerbürger gilt, soll für die über 3,3 Millionen Unternehmen in Deutschland erst recht in Kraft treten: Für bilanzierende Firmen besteht ab dem nächsten Kalenderjahr die Pflicht, ihre Bilanz sowie die Gewinn- und Verlustrechnung digital per Mausklick an das Finanzamt zu übermitteln. Die E-Bilanz kommt.

Unter dem Credo "Elektronik statt Papier" hatte der Gesetzgeber Ende 2008 angekündigt, dass es zwischen Fiskus und Steuerzahler unkomplizierter zugehen soll. Für die Finanzverwaltung ist die papierlose Zukunft der Königsweg hin zu weniger Bürokratie. Doch Wirtschaftsverbände und Steuerberater stöhnen auf. Denn die Sorge ist groß, dass der Staat den Firmen einen Berg an ungeklärten Fragen aufzwängt.

"Die Finanzverwaltung stellt Forderungen, die sich in der Praxis in dieser Form kaum umsetzen lassen", sagt Horst Vinken, Präsident der Bundessteuerberaterkammer (BStBK). Man müsse den Unternehmen doch auch ausreichend Zeit geben, ihre Buchhaltungssysteme auf die neuen Erfordernisse einzustellen. "Zunächst sollten Testläufe durchgeführt werden. Wenn dann Ergebnisse vorliegen, sollten wir noch mal über Einzelheiten reden."

Das ganze Projekt sei gut gemeint, aber unzureichend ausgeführt, heißt es unisono aus der Wirtschaft. Erst Ende August hat das Bundesfinanzministerium (BMF) in einem Schreiben über die Details des neuen Verfahrens informiert. Unternehmensverbände fordern nun erhebliche Korrekturen an der E-Bilanz. Um den Graben zwischen Verwaltung und Wirtschaft nicht größer werden zu lassen, hatte das BMF am Montag rund 30 Verbände zu einer Anhörung ins Haus geladen. "Es war wichtig, dass wir unsere Positionen nicht nur schriftlich, sondern auch mündlich vortragen konnten", sagt Jörg Schwenker, Leiter der Steuerabteilung bei der BStBK.

Eine offene Flanke der E-Bilanz ist, dass sie von Unternehmen mehr Daten abverlangt, als es das Handelsgesetzbuch für die Bilanz vorgibt. Während Mittelständler bei der bisherigen Aufstellung auf Papier nur zwei Seiten mit 20 bis zu 80 Pflichtfeldern ausfüllen mussten, sind es künftig mehr als 200 Punkte, bei großen Personengesellschaften sogar bis zu 450.

Mehr auf Seite 2: Das ist geplant  »
Seite   1 | 2 | 

© 2010 ftd

Versenden | Leserbrief | Druckversion | Zurück

Diesen Artikel bookmarken bei...

Tausendreporter BlinkList del.icio.us Folkd Furl Google Linkarena Mister Wong oneview Yahoo MyWeb YiGG Webnews