2. Platz Andreas Schomaker
Jeder andere wäre wahrscheinlich weggelaufen – denn als Andreas Schomaker 1986 nach dem plötzlichen Tod seines Vaters dessen Bäckerei in Rheurdt unter die Lupe nahm, musste er Erschreckendes über die Firma feststellen: Total überschuldet. Zudem stand seine Mutter vor dem Nichts, denn ihre Altersversorgung war in dem kleinen Handwerksbetrieb aufgegangen. Schomaker Junior, der das Brotbacken von seinem Vater gelernt hatte, lief jedoch nicht weg, sondern kehrte aus Berlin in die rheinische Heimat zurück und packte an. Aber nicht nur das hat dem Bäcker- und Konditormeister den 2. Platz unter den Mutmachern eingebracht. Beeindruckt war die Jury vor allem von seinem Weitblick und seiner Beharrlichkeit. Bereits vor 20 Jahren entdeckte Schomaker die Marktchancen ökologischer Backwaren. Auch wenn er in seinem eigenen Dorf nur der „Körnerpicker“ genannt wurde, war er nicht zu beirren. Denn in den umliegenden Städten ließen sich die Menschen schnell auf den gesunden Geschmack bringen. Die Konsequenz: Schon bald baut Schomaker die zweite Bio-Bäckerei – parallel zum Betriebswirtschafts-Studium. Doch wie so häufig im Mittelstand scheitern die auf solider Basis entwickelten weiteren Expansionspläne an den Zweifeln und einer mangelnden Risikobereitschaft der Banken - beinahe. Denn in dieser Situation beweist Schomaker, dass er zu Recht ein Vorbild, ein Mutmacher ist. Kurzerhand verkauft er Genussscheine an seine Kunden, investiert das Geld in eine neue Produktionsstätte. Der Mut zum Risiko zahlt sich aus. Auch für die Anteilseigner – sie bekommen inzwischen bis zu acht Prozent Dividende auf ihre Einlage oder können sich über Genuss-Bons in Backwaren auszahlen lassen. Inzwischen beschäftigt Schomaker 72 Mitarbeiter und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von rund 2,7 Millionen Euro. Und seine Erfolgsgeschichte geht immer weiter – inzwischen hat er sogar schon eine Filiale in Tokio aufgemacht.
www.biobaeckerei-schomaker.de
3. Platz Frank Domnick
Es muss nicht immer ein Schicksalsschlag sein, der ein Leben grundlegend verändert. Es kann auch ein Gedanke oder eine Idee sein. So wie im Fall von Frank Domnick, der 3. Platzierte des diesjährigen Mutmacher-Wettbewerbs. Er ist bereits ein erfolgreicher, allerdings angestellter Vertriebsleiter, als er von zukunftsträchtigen Diodenlasern hört. Und obwohl er kaum etwas von Technik versteht, macht er sich als Zulieferer für Geräte für die Kühlung der Laser selbstständig. Doch der Traum platzt – zunächst. Zu schnell stellen sich für seine 1998 gegründete Termotek GmbH in Rastatt erste Erfolge ein. Ohne Referenzen ist es nicht leicht, eine Vorfinanzierung für die Produktion zu bekommen. Außerdem ist gutes Personal Mangelware. Schließlich bleiben die Zahlungen von drei Kunden aus. Nach drei Jahren steht die Termotek vor der Insolvenz. Doch dann beweist Domnick, welcher Mutmacher in ihm steckt. Er verzichtet aufs Gehalt. Verhandelt mit Lieferanten und Banken, diskutiert nächtelang mit seinem Steuerberater. Und hält seine 7 Mitarbeiter bei der Stange. Zugleich konzentriert er sich nun ganz auf sein Kerngeschäft – die technisch sehr anspruchsvolle Laserkühlung. Sein Wille zum Erfolg ist unerschütterlich. Er wandelt die GmbH in eine Aktiengesellschaft um, die Wende gelingt: Aus den 7 Mitarbeitern der ersten Stunde sind heute 55 geworden. Als weltweit einziger Spezialist für Laserkühlung erzielte er 2006 sieben Millionen Euro Umsatz. Im Bereich Diodenlaser ist er mit 75 Prozent Marktführer. www.termotek-ag.com
ebenfall Platz 3: Tanja Stephan
Tanja Stephan ist gerade 30 Jahre alt, als 1997 ihr Vater stirbt. Von heute auf morgen steht die Fremdsprachenkorrespondentin vor der Entscheidung: Das eigene Leben umkrempeln und Unternehmerin werden – oder die Firma des Vaters abwickeln und 50 Leute auf die Straße zu setzen? Obwohl die Firma ein hoch spezialisierter Hersteller für medizintechnische Geräte ist und Tanja Stephan zunächst selbst nichts von Technik versteht, trifft sie eine mutige Entscheidung – für das Unternehmen. Was sie zu diesem Zeitpunkt nicht ahnt, ist das Auf und Ab der kommenden Jahre, das ihr alles abverlangt, sie aber dennoch nicht unterkriegt. Kaum hat sie den 1978 vom Vater gegründeten Betrieb wieder in sicheres Fahrwasser gebracht, kommen 2001 die nächsten Turbulenzen. Als Folge der Gesundheitsreform und den dramatischen Sparzwängen bei Ärzten und Krankenhäuser bricht der heimische Markt für Narkose- und Beatmungsgeräte massiv ein. Tanja Stephan sieht ihre Chance im Export. Nur aktive, innovative Unternehmen können auf dem hart umkämpften internationalen Medizintechnologiemarkt bestehen. Deshalb investiert Tanja Stephan in Forschung und Entwicklung. Und sie eilt rund um den Globus, um ihr internationales Vertriebsnetz aufzubauen. Gleichzeitig strukturiert sie die Produktion neu, um immer mehr Geräte immer rascher liefern zu können. Eine neue, moderne Produktionshalle wird gebaut. Seitdem präsentiert sich die F. Stephan GmbH als weltweit agierendes Unternehmen. Mit neu entwickelten Narkose- und Beatmungsgeräten für Risikopatienten erschließen sich neue Märkte.
Vor dem Hintergrund dieses Erfolges lässt Tanja Stephan durch den nächsten Rückschlag nicht mehr aus der Fassung bringen. Als der langjährige chinesische Vertriebspartner ausfällt und die Exportbilanz einknickt, kurbelt sie persönlich das Auslandsgeschäft wieder an. Inzwischen gibt es Niederlassungen in China, Mexiko und Jordanien und Vertriebspartner rund um den Globus. Die Belegschaft hat sich von einst 50 Mitarbeitern auf 115 mehr als verdoppelt, alle Auszubildenden wurden bislang übernommen. www.stephan-gmbh.com
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