Recht + Steuern Ab 2015 gilt die Bio-Tonnenpflicht

Eine Biotonne in Freiburg im Breisgau: Ab Januar gilt bundesweit eine Pflicht für die braune Tonne.

Eine Biotonne in Freiburg im Breisgau: Ab Januar gilt bundesweit eine Pflicht für die braune Tonne.

Die Bürger sollen Obst- und Gemüsereste nicht mehr im Hausmüll entsorgen. Denn Biomüll kann gut in Biogasanlagen und als Dünger verwendet werden. Ab Januar gilt in Deutschland eine bundesweite Pflicht zum getrennten Sammeln von Bioabfall.

Es suppt. Es stinkt. Also lieber gleich ab damit in den Hausmüll. Bananen- und Möhrenschalen, vergammelte Tomaten und Essensreste separat zu sammeln, ist oft beschwerlich. Aber ab 1. Januar gilt eine bundesweite Pflicht zum getrennten Sammeln von Bioabfällen. Hersteller kompostierbarer Beutel wittern ein großes Geschäft, um Millionen Verbrauchern das Sammeln zu erleichtern.

Das 2012 in Kraft getretene Kreislaufwirtschaftsgesetz sieht vor, dass Bioabfälle „spätestens ab dem 1. Januar 2015 getrennt zu sammeln“ sind. Laut Bundesumweltministerium haben 340 der etwa 400 Stadt- und Landkreise schon eine Biotonne eingeführt, aber mehrere Millionen Bürger haben noch keine Tonne oder anderweitige Optionen, um getrennt gesammelte Bioabfälle zu entsorgen. Zuständig sind die kommunalen Entsorger – die Länder müssen die Einhaltung des Gesetzes überwachen und notfalls einschreiten.

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Was soll die Vorgabe bringen? Da ist zum einen die Energiewende – Biomüll lässt sich zur Energieerzeugung in Biogasanlagen verwenden. Das kann auch den hohen Maisanteil mit all den negativen ökologischen Auswirkungen von Mais-Monokulturen etwas dämpfen. Und Bioabfälle können als Dünge- oder Bodenverbesserungsmittel in der Landwirtschaft genutzt werden – und so herkömmlichen Dünger und Torf ersetzen. „Jeder Einzelne kann hier durch Mülltrennen einen Beitrag leisten“, sagt Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD). „Aus Resten entstehen neue Möglichkeiten zur Nährstoff- und Energiegewinnung.“

Experten sehen großes Potenzial bei der Abfallverwertung

Für den Absatz von Ökobeuteln ist eigens ein Lobbyverband gegründet worden. „Das Marktpotenzial von Bioabfallbeuteln würden wir grob geschätzt auf ungefähr 150 Millionen Beutel pro Jahr in Deutschland beziffern“, sagt Katharina Hinse vom Verbund kompostierbare Produkte. Entscheidend ist für eine Zulassung die EU-Norm EN 13432, diese legt fest, wie weit Beutel sich zersetzen und kompostierbar sein müssen.

„Zurzeit befinden sich noch rund 5 Millionen Tonnen Bioabfälle im Hausmüll“, meint Hinse. Und diese würden dann in der Regel in einer Müllverbrennungsanlage landen. „Bioabfallbeutel können dazu beitragen, dass mehr Bioabfälle getrennt über die Biotonne entsorgt werden.“ Bisher werden pro Jahr vier Millionen Tonnen Bioabfall eingesammelt. Das bedeutet, dass bisher pro Kopf in Deutschland noch über 62 Kilo an Gemüse-, Obst- und Essensresten und Gartenabfälle im normalen Müll landen könnten. Da schlummert also großes Potenzial.

Müll ist in Deutschland ein lukratives Geschäft, weil er in hohem Maße wiederverwertet wird, die Biomüll-Sammelpflicht ist der nächste Schritt. BASF hat in Ludwigshafen bereits eine Produktionsanlage mit einer Kapazität von 74.000 Tonnen kompostierbaren Kunststoffen im Jahr. In Modellversuchen, bei denen Haushalte Biobeutel ausgehändigt bekamen, wurden BASF zufolge 20 Prozent mehr Bioabfälle eingesammelt.

Ökobeutel: Plastikfetzen im Kompost

Aber es gibt Kritik, ob die Beutel wirklich geeignet sind und leicht abbaubar sind. Bestandteile sind biologisch abbaubaren Polyester, gemischt mit Maisstärke, Zellulose und Polymilchsäure. Hinse betont, bei Tests seien die Beutel nach „zwei Wochen Rotte nachweislich abgebaut“ gewesen. Thomas Fischer von der Deutschen Umwelthilfe sieht das in der Praxis etwas anders. „Die Temperaturen von über 60 Grad und 90 Prozent Luftfeuchte schaffen viele Kompostanlagen gar nicht, so dass sie im Ergebnis Plastikfetzen im Kompost haben.“

Die Beutel könnten von Plastiktüten kaum auseinander gehalten werden. „Deshalb sortieren viele Kompostierer das gesamte Plastik noch vor dem Eingang in die Rotte heraus.“ Auch vor der Vergärung in Biogasanlagen müssten sie erst rausgesucht werden. Fischer Tipp: „Einen verschließbaren Bioabfalleimer mit Zeitungspapier auslegen.“

Drohen Bürgern Gebührenerhöhungen?

Eine andere Frage ist, ob Bürgern nun Gebührensteigerungen drohen durch den neuen Aufwand. Hier betonte die Bundesregierung jüngst auf eine Anfrage der Grünen, das dies nicht ausgeschlossen werden kann. „Bei extrem dünn besiedelten Regionen können sich möglicherweise überproportionale Kosten- und Abfallgebührensteigerungen ergeben“, hieß es. Das Bundesumweltministerium betont, dass mit entsprechender Öffentlichkeitsarbeit eine gute Qualität getrennt gesammelter Bioabfälle zu erreichen sei – „Fehlwürfe“ sollen vermieden werden.

Vor zwei Jahren wurde in Görlitz mal ein lebendes Kaninchen in einer Biomülltonne entsorgt – das sorgte bundesweit für Schlagzeilen. Der Bundesverband der Entsorgungswirtschaft (BDE), der die privaten Entsorger vertritt, kritisierte zuletzt eine zu schleppende Umsetzung der Sammelpflicht. „Private Unternehmen sind gerne bereit, die notwendigen Investitionen zu tätigen, um eine Getrenntsammlung und Bioabfallverwertung zu realisieren“, rührte Präsident Peter Kurth die Trommel für seine Unternehmen, um die Bio-Abfälle einzusammeln.

3 Kommentare
  • Janneke Bastmeijer 29. Dezember 2014 13:19

    Wir haben einen Garten und entsorgen unsere Bio-Abfälle seit jeher umweltfreundlich über unseren Kompost. Viele Nachbarn, ebenfalls Gartenbesitzer, handhaben das ebenso. Sogar bei meinem Arbeitgeber in Berlin gibt es einen Firmengarten mit Kompost. Wozu sollen wir nun verpflichtet werden, eine unnütze und teure Bio-Tonne aufzustellen? Deren Inhalt dann mit großem umweltschädlichen Aufwand geleert und transportiert wird? Das kann sich doch nur jemand ausgedacht haben, der keine Ahnung hat. Wenn man einen Kompost nachweist sollte die Biotonnen-Pflicht entfallen.

  • sensis GmbH Margit Klinken 29. Dezember 2014 13:12

    Hallo zusammen, danke dass Sie ein solches Randthema aufnehmen.Wir sind ein Softwarehaus für die Abfallwirtschaft und haben gerade sehr viel zu tun ,weil u.a. anderem die Satzungen/Gebührenbescheide der jeweiligen Gemeinden und Städte umgestellt werden.u.a. werden zukünftig immer mehr Tonnen mit Chips versehen und müssen ,um eine gebührengerechtes Abrechnungssystem zu gewährleisten mit unserer Software registriert und verwaltet werden.Vielleicht haben Sie einmal Interesse über uns und unser Produkt zu schreiben? Städte wie Essen,Köln, neuss ,Krfeld, Mönchengladbach,.. sind unsere Kunden.
    Ich bin seit jahren begeisterter Impuls Leser und aktuell ganz begeistert von Ihrem „Adventskalender“…denn in der tat diese kleinen Dinge sind es ,die Partnerschaften wachsen lassen!
    Weiter so….schöne Grüße aus Viersen am linken Niederrhein Margit Klinken, Gesellschafterin und Leitung Vertrieb

    • impulse-Redaktion 29. Dezember 2014 14:00

      Liebe Frau Klinken,

      vielen Dank für Ihren Kommentar und Ihre lobenden Worte! Das freut uns wirklich sehr! Wegen Ihres Themenvorschlags werde ich Anfang Januar mit unserer leitenden Redakteurin sprechen und mich dann wieder bei Ihnen melden. Bis dahin wünsche ich Ihnen ein paar schöne restliche Tage im alten Jahr und einen guten Rutsch ins Jahr 2015!

      Herzliche Grüße aus der impulse-Redaktion

      Verena Bast

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