Recht + Steuern Bring Your Own Device: Mitarbeiter-Motivation mit Sicherheitsmankos

Smartphone und Laptop: Wir sicher sind Ihre Daten?

Smartphone und Laptop: Wir sicher sind Ihre Daten?© goodluz-Fotolia.com

Im Büro so entspannt arbeiten wie zu Hause – dazu reicht für manche Arbeitnehmer schon der eigene Laptop. Doch das sogenannte "Bring Your Own Device" birgt auch Risiken. Auf was Unternehmer achten sollten.

Bring Your Own Device unterstützten laut einer Umfrage (http://media.www1.good.com) Ende 2012 weltweit bereits 76 Prozent der Unternehmen mit über 2000 Mitarbeitern. Der Trend birgt jedoch Sicherheitsrisiken für Unternehmen, sagt Thomas Jansen. Er ist Spezialist für Datenschutz bei der Anwaltskanzlei DLA Piper:

 

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impulse.de : Wenn Mitarbeiter ihren eigenen Laptop im Büro nutzen wollen, nehmen sie die geschäftlichen Daten auch abends mit nach Hause?

Thomas Jansen: Nein, so funktioniert Bring Your Own Device (BYOD) in den meisten Fällen nicht. Etwa 90 Prozent der Unternehmen nutzen eine Lösung, bei der die Daten gar nicht dauerhaft auf dem privaten Gerät gespeichert werden. Sie werden nur temporär zur Verfügung gestellt, im Prinzip nur auf dem Bildschirm abgebildet. Der Mitarbeiter kann über diese Anzeige aber nicht nur E-Mails lesen, sondern auch welche schreiben, also Dinge eingeben. Eine direkte Speicherung der Daten auf dem Gerät ist damit technisch nicht möglich und in der Regel auch in den Unternehmens-Richtlinien untersagt.

impulse.de: Ist dann unterwegs Arbeiten überhaupt möglich?

Jansen: Die bisherigen BYOD-Lösungen haben hier tatsächlich einen Nachteil: In dem Moment, in dem der Mitarbeiter die Onlineverbindung trennt, kann er nicht mehr auf die Daten zugreifen. Auf Flugreisen kann er damit also nicht arbeiten. Deswegen verändern sich mittelfristig die BYOD-Lösungen, sodass in Zukunft vorübergehend oder auch dauerhaft Daten auf dem privaten Gerät gespeichert werden müssen. Das zieht aber datenschutzrechtliche Probleme mit sich.

impulse.de: Zum Beispiel wenn ein Mitarbeiter die Daten verliert oder zur Konkurrenz mitnimmt?

Jansen: Wenn ein Arbeitnehmer die Firma wechselt, muss er aufgrund der Treuepflicht oder den BYOD-Bestimmungen die Daten von seinem Privatgerät löschen. Das zu überprüfen ist natürlich schwer. Der Arbeitgeber gibt also tatsächlich weitgehend die Kontrolle über diese Daten auf. Es kommt natürlich vor, dass Mitarbeiter ihren Laptop verlieren. Das ist zunächst ein allgemeines Risiko bei BYOD und wer haftet, muss im Einzelfall entschieden werden. In jedem Fall sollte der Unternehmer in den BYOD-Vereinbarungen eine Verschlüsselung, einen Passwortschutz und einen Virenscanner auf den Privatgeräten vorschreiben. Installiert der Mitarbeiter diese nicht und zusammen mit dem Laptop gehen wertvolle Unternehmensdaten verloren, zahlt in der Regel der Arbeitnehmer selbst für den Schaden. Gleiches gilt, wenn er ein Virus ins Firmennetzwerk einschleust und keinen Virenscanner nutzt. Die normale Betriebshaftpflichtversicherung übernimmt diese Art von Schäden übrigens nicht, bei der Umsetzung von BYOD sollte also eine darauf angepasste Versicherung abgeschlossen werden.

Mehr Kontrolle könnte der Arbeitgeber theoretisch wahren, wenn er mit seinem Mitarbeiter einen Vollzugriff auf das Gerät vereinbart. Dann ist es möglich, die Daten aus der Ferne zu löschen. In dem Fall muss das Notebook des Mitarbeiters so eingerichtet sein, dass dieser das Programm nicht löschen kann. Der Arbeitgeber müsste sich also umfangreiche Rechte einholen und in der Regel macht man das nicht.

impulse.de: Macht man nicht oder darf man nicht?

Jansen: Solange der Arbeitnehmer zustimmt, darf der Arbeitgeber im Prinzip alles mit dem Gerät machen. Das basiert auf individuellen Verabredungen. BYOD kommt derzeit hauptsächlich dem Mitarbeiter zu Gute. Es motiviert ihn und erleichtert ihm, rund um die Uhr auf seine Daten zuzugreifen, ohne extra das Firmen-Notebook mitführen zu müssen. Deswegen wird momentan kein Arbeitgeber Ansprüche eines Arbeitnehmers gegen sich gelten lassen.

impulse.de: Muss der Arbeitgeber das Privatgerät mitfinanzieren, wenn es geschäftlich genutzt wird?

Jansen: Stelle ich meinen Mitarbeitern einen Laptop zur Verfügung, ist das nicht mehr BYOD, sondern rechtlich gesehen ein Firmengerät, was auch versteuert werden muss. Bei einem Zuschuss ist die Frage: Erwirbt der Arbeitgeber Miteigentum oder Teileigentum? Aufgrund der vielen rechtlich komplexen Fragestellungen gibt es solche Modelle bisher nicht. Computer nutzen sich mittlerweile auch nicht mehr wirklich ab, eine Entschädigungsforderung ergibt daher keinen Sinn.

impulse.de: Wird sich BYOD dann überhaupt durchsetzen?

Jansen: Derzeit gibt es hinsichtlich Datensicherheit, Datenschutz und -zugang noch viele ungelöste Probleme. Der Arbeitgeber müsste zum Beispiel sichergehen, dass private und geschäftliche E-Mails getrennt gespeichert werden. In dem Moment, in dem er nämlich eine Privat-Mail kontrolliert, verstößt er gegen das Telekommunikationsgesetz und macht sich strafbar. Mittlerweile gibt es allerdings schon spezielle Lösungen für Smartphones, die eine private und eine geschäftliche Nutzeroberfläche auf dem gleichen Gerät bereitstellen. So sind die Daten sauber getrennt. Aus Unternehmer-Sicht wird BYOD erst spannend, wenn ein größerer Teil der Mitarbeiter auf einen Firmen-Laptop verzichtet und dadurch grundsätzliche Gerätekosten gespart werden. Derzeit ist die Nutzung von Privatgeräten bei der Arbeit aber nur ein zusätzlicher Aufwand für den Arbeitgeber.

1 Kommentar
  • Marko Huemer 13. Juni 2013 21:46

    Ich finde den Artikel und die Ansätze hier sehr interessant! Tolle Webseite! Wenn man seinen Mitarbeitern einen Laptop zum arbeiten gibt, finde ich darf man sie nicht zwingen den Laptop im Büro zu lassen, wobei sicher viele dann auch Privat zuhause damit arbeiten werden. Wenn man riskante und vertrauliche Firmendaten hat, sollte man einen Standpc verwenden.

    Hier habe ich euch einen sehr interessanten Artikel zum Thema Motivation geschrieben: http://www.markohuemer.com/entry/motivationspsychologie-ist-der-schluessel.html

    alles liebe
    Marko Huemer

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