Recht + Steuern Die Auswirkungen der neuen Verbraucherrichtlinie – viel Lärm um wenig

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Für Paketzusteller wie die Deutsche Post sind Retoursendungen ein lohnendes Geschäft

Für Paketzusteller wie die Deutsche Post sind Retoursendungen ein lohnendes Geschäft© Deutsche Post DHL

Die neue EU-Verbraucherrichtlinie hat vorab viele verunsichert. Zu Unrecht, sagt Online-Händler und impulse-Blogger Gerald Schönbucher. Die Auswirkungen seien kaum beachtenswert.

Das neue Verbraucherrecht vom 13. Juni 2014 hat vorab in den Medien große Wellen geschlagen – viel größere, als wie sie wirklich im Online-Handel ankamen. Seit etwa sechs Wochen ist die VRRL jetzt in Kraft. Händler und Shopbetreiber mussten in der Nacht vom 12. auf den 13. Juni ihre AGBs und andere rechtliche Texte anpassen. Eine Übergangsfrist zur Umstellung gab es schließlich nicht.

Doch die Beachtung, die dem neuen Gesetz vorab geschenkt wurde, hat es nach der Umstellung nicht mehr bekommen. Was gab es zu tun? Online-Händler mussten einige Entscheidungen treffen: Wie handhaben sie zukünftig Retourenkosten, Rücksendefristen etc.? Kleinere Änderungen wie die Akzeptanz und die Voraussetzungen zur entgeltlichen Nutzung bestimmter Zahlungsmittel, die Vorschrift zur Vertragsbestätigung durch den Händler oder Angaben zur Lieferzeit nehmen den Händler in die Pflicht. Hier war es wichtig, rechtzeitig die AGBs, Belehrungen, Transaktionsmails und weitere Schreiben auf die Änderungen anzupassen. Der Aufwand der Umstellung war allerdings einmalig und überschaubar.

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Service vor Recht

Am meisten beschäftigte Medien und Öffentlichkeit das Thema, wie es mit den Retourenkosten im Versandhandel  weitergeht. Vor der neuen Regelung regelte die 40-Euro-Klausel dies: Ab einem Warenwert von 40 Euro musste der Versandhändler die Rücksendekosten übernehmen, darunter der Käufer. Viel wurde im Voraus spekuliert, wie Händler in Zukunft mit den Rücksendekosten umgehen. Nach der Einführung ist der Effekt der Änderung allerdings als gering einzuschätzen: Viele Online-Shops werden weiterhin alle Retourenkosten übernehmen. Ein Grund: Service. Eine Kurzumfrage von idealo ergab, dass ein Großteil der Internethändler die Rücksendekosten auch weiter freiwillig komplett trägt oder zumindest bei der Regelung der sogenannten 40-Euro-Klausel bleibt.

Allerdings bergen Retouren für Händler nicht unwesentliche Kosten. Daher haben wir festgestellt, dass jetzt doch einige, vor allem kleinere Händler die Möglichkeit zur kostenpflichtigen Rücksendung nutzen. Sicher kommt es hier auch auf den Produktbereich des Händlers an. Ein Fashion-Shop hat eher mit Retouren zu kämpfen als Shops in anderen Kategorien. Große Shops, vor allem im Modebereich, bleiben bei der kostenlosen Rücksendung. Das erhöht natürlich den Konkurrenzdruck. Wahrscheinlich kommt es hier beidseitig noch zu Anpassungen. Händler waren sich nicht sicher, wie Kunden reagieren, und probieren vermutlich noch aus, ob für sie Kundenbindung durch Service mit kostenlosen Retouren oder Kosteneinsparung durch kostenpflichtige Retouren besser ist. Der ein oder andere Shop wird sicher seine Strategie im Nachhinein anpassen, nachdem der große Rumor um die neue Richtlinie abgeklungen ist.

Verbraucher kaum betroffen

Eine weitere Änderung betraf die Form des Widerrufs: Er muss ab jetzt schriftlich erfolgen, eine einfache Rücksendung der bestellten Ware reicht nicht mehr aus. Die meisten Händler stellen allerdings ein Widerrufsformular zur Verfügung – auch hier geht der Service vor, sodass der Kunde es einfach hat.

An den Kunden scheint die Einführung der neuen Verbraucherrichtlinie, zumindest aus unserer Erfahrung, eher unbemerkt vorbei gegangen zu sein. Solange alles beim Alten bleibt, betrifft es sie kaum und erregt auch nur wenig Interesse. Einige wenige informierten sich über die zukünftige Handhabung. Online-Käufer vergleichen eher individuell vor jedem Einkauf die Leistungen eines Shops, anstatt pauschal auf die neuen Regelungen zu reagieren.

Insgesamt war die neue Verbraucherrichtlinie vom 13. Juni 2014 sinnvoll, sie gibt Versandhändlern Wahlmöglichkeiten und Zusatzrechte. Auch der Endverbraucher wird beispielsweise durch den entstehenden Service-Wettbewerb kaum einen Nachteil davon haben, eher noch von einigen Regelungen profitieren. Kleinere Änderungen und Anpassungen waren zwar nötig, die haben Händler jedoch schnell erledigt. Auf den deutschen Online-Handel hatte die neue Regelung noch keine größeren, weitreichenden Implikationen. Letztendlich zählen im e-Commerce vor allem die Auswirkungen für den Endkunden und die waren klein und damit kaum beachtenswert. Viel Lärm vorab um wenig also.

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